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Alkohol in der Gesellschaft

Alkohol hat in vielen Kulturen einen festen Platz. Kein Wunder, er begleitet uns schließlich bereits seit sehr langer Zeit. Eine Art Ur-Bier soll es zum Beispiel schon vor mehr als 8.000 Jahren gegeben haben, als Nebenprodukt des Getreideanbaus. Vermischt man Getreide nämlich mit Wasser, beginnt die Flüssigkeit schon kurze Zeit später zu gären und erreicht bis zu 2% Alkoholgehalt.

Auch der Weinbau wird bereits seit mehreren Tausend Jahren betrieben. Das antike Griechenland und das Römische Reich waren Weinkulturen. Hochprozentiges gibt es wahrscheinlich seit etwa 1.000 Jahren. Wegen der komplizierten Herstellung war es aber lange Zeit den Reichen vorbehalten. Die Ursprünge der heute bekannten Spirituosen liegen im Europa des 16. Jahrhunderts.

Foto der alten Getreidesorte Emmer.
© Johanna Mühlbauer / Fotolia

Alkoholmythen: Auf dein Wohl!    

Die berauschende Wirkung des Alkohols konnten auch die ersten Konsumenten erleben. Wie und warum Alkohol wirkt, wussten sie nicht. So gab es viele Mythen rund um Alkohol und ihm wurden sowohl positive als auch negative Eigenschaften zugeschrieben.

Negative gesundheitliche Folgen waren dabei allerdings lange kein Thema. Biersuppe galt im Mittelalter als gesund und Hochprozentiges wurde gegen die Pest eingesetzt. Bis ins letzte Jahrhundert waren sich Ärzte und Wissenschaftler uneinig darüber, ob Alkohol hilft oder schadet. Einerseits vermutete man eine stärkende, sogar heilende Wirkung und andererseits beobachtete man die Folgeschäden. Und noch heute trinken wir auf unsere Gesundheit, obwohl wir die Risiken längst kennen.

Als Alkohol zur Krankheit wurde

Den Menschen in der Antike und im Mittelalter hat Alkohol sicher genauso geschadet wie uns, und zu jeder Zeit gab es Alkoholgegner. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich aber die Mäßigkeits- und Abstinenzbewegung. Übermäßiger Alkoholkonsum wurde in den folgenden Jahrhunderten immer mehr als Gefahr für die Gesellschaft wahrgenommen. Teilweise wurden Alkoholiker zu Verbrechern erklärt und in Zuchthäusern weggesperrt.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verbreitete sich der sogenannte „Elendsalkoholismus“, der große Teile der armen Bevölkerung betraf. Berauscht waren die die langen und anstrengenden Arbeitstage in der Fabrik für viele besser zu ertragen. Die meisten Arbeitgeber erlaubten Alkohol am Arbeitsplatz und gaben sogar einen Teil des Lohns in Form von Hochprozentigem aus. Die Gewerkschaften erkannten die Gefahr für die Arbeiterschaft und entwarfen bald Beschlüsse gegen den Verkauf von Alkohol am Arbeitsplatz.

Inzwischen hatte man auch die gesundheitlichen Folgeschäden andauernden Alkoholkonsums entdeckt. Unter Medizinern reifte die Auffassung, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Offiziell ist er das in Deutschland allerdings erst seit einem Beschluss des Bundessozialgerichts im Jahr 1968. Seitdem werden die Kosten für eine Behandlung von der Kranken- oder Rentenversicherung getragen.

Der Rausch gehört für viele dazu

Der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol hat sich in den vergangenen Jahrhunderten und wahrscheinlich Jahrtausenden immer wieder geändert. Das Thema wurde ignoriert, erforscht, alkoholkranke Menschen wurden als Sünder oder Verbrecher abgestempelt und immer wieder ging es darum, dass weniger Alkohol uns gut tun würde.

Trotzdem sind viele gesellschaftliche Rituale bis heute eng mit dem Konsum alkoholischer Getränke verbunden: Geburtstage, Hochzeiten, sportliche Siege und berufliche Erfolge – wo gefeiert wird, gehört Alkohol oft selbstverständlich dazu. Einige Wissenschaftler sehen darin ein Ventil, was eine Gesellschaft braucht um zu funktionieren. Die Idee dahinter: Nur wenn wir die Möglichkeit haben manchmal auszubrechen, zum Beispiel mit Alkohol, können wir uns während der übrigen Zeit in die Gesellschaft einfügen.

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