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Alkohol löst keine Probleme

„Gestern hat mich mein Chef wegen einer Sache angemeckert, für die ich gar nichts konnte. Abends habe ich zu meinem Kumpel gesagt: ‚Lass uns was trinken gehen. Ich muss meinen Frust loswerden.‘“ Bastian (19)

Bastian und Luis haben in einer Bar Cocktails getrunken. Am Morgen hatte Bastian üble Kopfschmerzen, seine Laune war im Keller und auf die Arbeit konzentrieren konnte er sich schon gar nicht.

Lockerer durch Alkohol?

Alkohol entspannt. Das liegt daran, dass Alkohol auf die Botenstoffe in unserem Gehirn wirkt. Botenstoffe* sorgen dafür, dass Informationen zwischen den schätzungsweise 100 Milliarden Nervenzellen in unserem Kopf fließen. Gamma-Aminobuttersäure, kurz Gaba, ist einer dieser Botenstoffe.

© Naeblys / Fotolia

Er wirkt beruhigend, weil er den Informationsfluss zwischen den Zellen verlangsamt. Der Effekt: Wir relaxen. Alkohol wiederum verstärkt die Wirkung von Gaba. Und noch weitere Botenstoffe werden verstärkt ausgeschüttet, wenn Alkohol getrunken wird. Dopamin zum Beispiel. Das Ergebnis: Viele Menschen fühlen sich nach einem Bier lockerer und kommen in eine bessere Stimmung. „Spaß haben“ antworten deshalb auch viele auf die Frage nach dem „Warum“. Sie trinken, um gut drauf zu sein. Bei größeren Mengen Alkohol kann diese Stimmung aber schnell kippen. Einige Menschen werden dann zum Beispiel aggressiv

Die Sorgen ertränken

Hast du schon mal Alkohol getrunken, um (Alltags-)Sorgen zu vertreiben? Das passiert auch anderen. Wie viele Erwachsene trinken auch einige Jugendliche Alkohol, um Probleme zu vergessen, die sie bedrücken. Zum Beispiel wenn sie:  

  •         Probleme mit ihren Eltern haben
  •         Keine Lehrstelle finden
  •         Unter Druck stehen oder
  •         Sich einsam fühlen
© Gina Sanders / Fotolia

Im Fernsehen, in Filmen oder in der Werbung heißt es dann oft: „Schlechten Tag gehabt? Trink doch einen.“ Dabei ist den meisten Menschen klar, dass Alkohol keine Probleme löst. Laut der Alkohol-Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestätigte 2014 nur einer von fünf Befragten zwischen 12 und 25 Jahren die Aussage „Wenn ich Alkohol trinke, kann ich meine Probleme und Sorgen vergessen“.** 

Die Probleme bleiben

Sorgen ertrinken nicht in Alkohol. Sie können schwimmen“, wusste schon der Schauspieler Heinz Rühmann. Recht hat er: Alkohol, egal ob in großen oder kleinen Mengen, ändert nichts an den Ursachen für Stress oder Sorgen. Am nächsten Tag sind die Probleme wieder da. Unverändert. Schlimmer noch: Sich zu betrinken, sorgt meist für noch größere Probleme. Etwa, weil du eine wichtige Klausur verschlafen hast.

Probleme lösen. Ohne Promille

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, wie wir unsere Probleme lösen und Stress abbauen können. Wir können zum Beispiel unsere Freunde anrufen oder in Ruhe mit unseren Eltern sprechen. Was sonst noch geht:

  • Hobbys helfen, nach einem stressigen Tag den Kopf frei zu bekommen.
  • Sport bringt dich auf andere Gedanken und baut Frust ab.
  • Natur wirkt manchmal Wunder – eine Runde joggen oder im Park die Sonne genießen vertreibt oft düstere Stimmung.
© Daniel Ernst / Fotolia

Studien zeigen, dass es vor allem andere Menschen sind, die uns helfenFamilie, Partner, Freunde – sie fangen uns auf, wenn es Probleme gibt. Die Shell Jugendstudie 2015*** zeigt: 89 Prozent von 2.558 befragten Jugendlichen finden es besonders wichtig, gute Freunde zu haben. 85 Prozent wünschen sich einen Partner, dem sie vertrauen können. Und 72 Prozent verlassen sich ganz auf ihre Familie. 

Frustsaufen kann abhängig machen

Alkohol erscheint dir oft als einzige Lösung? Ein Alarmzeichen. Wenn wir unseren Frust regelmäßig mit Alkohol runterspülen, entsteht eine Gewohnheit. Und die ist riskant. Weil ein Rausch unsere Sorgen kurzzeitig erträglicher macht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir beim nächsten Problem wieder zur Flasche greifen. Mehr Stress? Mehr Alkohol! Aus „Frustsaufen“ kann so mit der Zeit eine Alkoholabhängigkeit werden.

Experten helfen

Wenn du bei Problemen und Sorgen oft und viel Alkohol trinkst, solltest du mit jemandem sprechen – zum Beispiel mit den Expertinnen und Experten einer Beratungsstelle. Wo und wie du sie erreichst und findest, zeigt dir der Beratungsstellenfinder.

Das Infotelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung berät dich anonym:

Telefon: 0221 892031 
(Preis entsprechend der Preisliste des Telefonanbieters für Gespräche in das Kölner Ortsnetz)

Mo.–Do. 10.00 bis 22.00 Uhr

Fr.–So. 10.00 bis 18.00 Uhr

Quellen:

*http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Suchtmed_Reihe_1_Alkohol.pdf (4.1.1 und 4.1.2)

**http://www.bzga.de/pdf.php?id=0ec6b8f552c3660d5d95b4bb2cee2a76

***http://www.shell.de/ueber-uns/die-shell-jugendstudie-2015/werte-der-jugend.html 

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