Anderen helfen

Jemanden auf riskanten Alkoholkonsum anzusprechen ist keine leichte Aufgabe und dennoch ist es wichtig, das zu tun. Dafür sind Feingefühl und Verständnis notwendig. Denn in unserer Gesellschaft ist „zu viel trinken“ ein Tabuthema und „viel vertragen können“ oder „abgehärtet sein“ wird meist als Stärke angesehen. Viele empfinden es auch als „Einmischen“, doch wenn ein Freund oder eine Freundin zu viel trinkt, ist es fast schon die „Pflicht unter Freunden“, darüber zu reden.

Besonders schwierig ist die Situation, wenn die Eltern einen problematischen Umgang mit Alkohol haben oder alkoholabhängig sind. Wer sich Sorgen macht, dieses Thema anzugehen, findet in vielen Städten und Gemeinden Beratungsstellen, bei denen man sich persönlich oder telefonisch informieren und beraten lassen kann. Die Gespräche sind kostenfrei und anonym. 

„Meine Freundin trinkt eine ganze Menge. Da mache ich mir schon so meine Gedanken. Letztens hatte sie einen richtigen Blackout und wusste nicht mehr, wie sie nach Hause gekommen ist. Eigentlich müsste ich mal mit ihr reden, aber ich weiß nicht, wie ich den Anfang machen soll.“ (Sina, 18 Jahre alt)

 

Wenn es darum geht, mit jemandem über seinen Alkoholkonsum zu sprechen, besteht bei vielen Menschen eine Unsicherheit, wie man das Thema am besten ansprechen soll und ob man überhaupt helfen kann. Einige haben auch Angst, damit zu sehr in die Privatsphäre der anderen Person einzudringen.

Die drei häufigsten Fragen sind:

  • In welchen Fällen sollte ich einen Freund/eine Freundin auf seinen/ihren Umgang mit Alkohol ansprechen?
  • Was kann ich tun, wenn ich den Eindruck habe, dass jemand aus meinem Freundeskreis zu viel trinkt?
  • Wo finde ich Hilfe, wenn ich nicht weiterweiß?

Wann sollte ich einen Freund oder eine Freundin auf den Umgang mit Alkohol ansprechen? 

Mögliche Anzeichen für einen problematischen Alkoholkonsum bei deinem Freund/deiner Freundin können zum Beispiel sein:

  • In der letzten Zeit hat er oder sie häufiger und/oder mehr getrunken.
  • Alkohol wird als Problemlöser eingesetzt; zum Beispiel bei privaten Schwierigkeiten oder bei Stress in der Schule und im Beruf.
  • Dein Freund/deine Freundin ist unter Alkoholeinfluss, mit Restalkohol im Blut oder „verkatert“ zur Schule, Arbeit, Uni oder zum Sport gekommen.
  • Der Freund/die Freundin greift bei (fast) jeder sich bietenden Gelegenheit zur Flasche oder zum Glas.
  • Er/sie trinkt sich häufig einen Rausch an.
  • Unter Alkoholeinfluss wird er/sie aggressiv oder lässt sich auf riskante Sachen ein, wie etwa Autofahren.
  • Es ist zu einem „Filmriss“ (Blackout) gekommen. Das heißt, er oder sie kann sich nicht mehr an Dinge erinnern, die unter Alkoholeinfluss passiert sind. 

Diese Liste ist nicht vollständig und es lässt sich auch nicht immer von einem problematischen Alkoholkonsum sprechen, wenn einer der genannten Punkte zutrifft. Dennoch hilft sie dir, erste Warnzeichen bei anderen zu erkennen.

Auch wenn man über die oben genannten Punkte nicht automatisch auf einen riskanten Umgang mit Alkohol schließen kann, sollten sie Anlass für ein Gespräch mit dem Freund/der Freundin sein. Wenn es sich um ein eher unbestimmtes Gefühl handelt, dass jemand zu viel trinkt, solltest du das ebenfalls ernst nehmen und dem nachgehen.

Besonders schwierig ist die Situation, wenn der Partner oder die Partnerin zu viel trinkt. Alkohol belastet die Beziehung. Er senkt die Reizschwelle, es kommt schneller zu Streit und Auseinandersetzungen. Versuche, den trinkenden Partner/die trinkende Partnerin zu unterstützen, führen häufig dazu, dass das problematische Trinkmuster noch gestärkt wird: zum Beispiel wenn man den Alkoholkonsum des Freundes/der Freundin anderen Menschen gegenüber verheimlicht, verharmlost oder entschuldigt. Oder wenn man immer wieder dabei hilft, die Folgen des hohen Alkoholkonsums abzumildern, etwa durch die Pflege des Katers oder besondere Schonung am Tag nach einer durchzechten Nacht.
Ein solches gut gemeintes Verhalten schafft Bedingungen, unter denen der oder die andere scheinbar ohne Konsequenzen weitertrinken kann. Für Menschen, deren Partner oder Partnerin zu viel trinkt, ist es ohne Hilfe von außen, wie etwa von anonyme und kostenfreie Beratung bietenden Suchtberatungsstellen, nur schwer möglich, solche Muster zu durchbrechen.

Um problematischen Alkoholkonsum zu bestimmen, gibt es Tests (wie der anonyme Selbsttest Check Your Drinking auf dieser Website), die eine Reihe von Fragen umfassen und daher genauere Ergebnisse liefern.

Was kann ich tun, wenn ich den Eindruck habe, dass jemand aus meinem Freundeskreis zu viel trinkt?

In einer solchen Situation ist es am wichtigsten, als Freund/Freundin für den anderen/die andere da zu sein. Dazu gehört auch, dass man offen und ehrlich die Meinung sagt und zeigt, dass man sich Sorgen macht. Hilfreich ist es, wenn dabei sogenannte Ich-Botschaften verwendet werden, beispielsweise: „Ich habe den Eindruck, dass ...“ oder „Mir ist aufgefallen ...“ anstatt „Du trinkst zu viel ...“. Durch solche Formulierungen kann man vermeiden, dass der oder die andere sich durch die Ansprache des Themas überrumpelt oder in die Ecke gedrängt fühlt.

Trotzdem kann es vorkommen, dass der angesprochene Freund/die angesprochene Freundin zunächst überrascht ist und nicht sofort über das Thema reden möchte. In so einem Fall sollte man der Person Zeit lassen und signalisieren, dass er/sie sich später melden kann. Dennoch sollte man noch einen Versuch starten, wenn er oder sie nicht von selbst darauf zurückkommt.

Wo finde ich Hilfe, wenn ich nicht weiter weiß?

Es gibt zahlreiche Unterstützungs- und Informationsangebote, die weiterhelfen können. Auf dieser Internetseite findest du zahlreiche Informationen, um dich mit dem Thema vertrauter zu machen.

Ob ein riskanter Alkoholkonsum vorliegt und wie man weiter vorgehen soll, lässt sich am besten in einem individuellen Gespräch mit einer Expertin oder einem Experten klären. Beratungsstellen in deiner Nähe findest du hier.

Wer sich anonym informieren möchte, kann das Infotelefon der BZgA nutzen. Ein Anruf dort beantwortet alle Fragen zu riskantem Alkoholkonsum.

 

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