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Trinkfest sein kann gefährlich werden

Samstag wird gefeiert. Sophie wird 18 und ihre Kumpels haben Bier gebunkert, gleich mehrere Kästen. „Ich habe normalerweise keine Lust, mich zu betrinken. Ein Bier reicht mir immer“, sagt Sophie. Heute möchte sie aber auf jeden Fall mithalten. Schließlich ist sie jetzt volljährig. Und ihr neuer Freund Finn ist dabei. „Der steckt fünf Bier locker weg.“

Finn behauptet, er sei einfach so veranlagt, mehr zu vertragen als andere. Tatsächlich haben Wissenschaftler herausgefunden: Ob jemand viel oder wenig Alkohol verträgt, hängt zum Teil auch mit seiner genetischen Veranlagung zusammen. Manche Menschen reagieren empfindlicher auf Alkohol als andere. Sie fühlen sich schon nach wenigen Schlucken betrunken oder ihnen wird ganz einfach schlecht. Wenn sie auf diese Warnsignale des Körpers hören, steigen sie frühzeitig auf alkoholfreie Getränke um – und trinken dann insgesamt weniger Alkohol als jene, die diese Rückmeldung des Körpers nicht bekommen.  

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Viel zu vertragen ist keine Stärke

Leute, die „mehr vertragen“, neigen oft dazu, ihr Limit zu überschreiten. „Einer geht noch“, findet Finn und prostet in die Runde. Wie viele glaubt er, dass Alkohol ihm nichts anhaben kann. „Trinkfest“, das klingt nach Stärke und Training. Dabei ist Trinkfestigkeit keine Leistung, auf die wir stolz sein sollten. Im Gegenteil. Fachleute warnen: Je mehr Alkohol wir trinken, desto größer ist das Risiko, dass sich unser Körper an die Zufuhr von Bier, Wein oder Sekt gewöhnt – und desto größer ist auch die Gefahr, später abhängig zu werden.

Finn „verträgt“ fünf Flaschen Bier nicht besser, nur weil er sich weniger betrunken fühlt. Fakt ist: Wer doppelt so viel trinkt, hat die doppelte Menge Alkohol im Blut. Und Alkohol ist ein Zellgift. Wenn wir regelmäßig zu tief ins Glas blicken ist das Risiko deutlich höher dass wir unser Gehirn, unsere Leber oder andere Organe dauerhaft schädigen. Wer also die Wirkung des Alkohols später spürt als andere, sollte besonders vorsichtig sein und darauf achten, wie viel er trinkt.

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Trinken aus Gewohnheit

Wenn wir regelmäßig zu Bier, Wein oder Sekt greifen, besteht die Gefahr, dass wir mit der Zeit mehr und mehr trinken. Viele Menschen kriegen das selbst gar nicht so mit. „Als ich zum ersten Mal Alkohol getrunken habe, war mir schon nach einem halben Glas schwindelig und ich habe gelabert ohne Ende. Heute ist das erst nach zwei Gläsern so“, stellt Sophie fest.

Mediziner nennen diesen Effekt „Toleranz“. Sophies Körper hat sich an den Alkohol gewöhnt. Sie wird nicht mehr so schnell betrunken wie früher und kann mehr trinken, bevor ihr schwindelig wird. Auf den ersten Blick ein positiver Effekt, der in Wahrheit ein Warnsignal ist. Wenn wir regelmäßig zur Flasche greifen, wird Alkohol zur Gewohnheit. 

Dabei können zwei Probleme auftreten:

  1. Wenn die gleiche Wirkung erst bei einer höheren Dosis eintritt, trinken viele Menschen automatisch mehr Alkohol. Und mehr Alkohol im Blut bedeutet ein höheres Gesundheitsrisiko.
  2. Eine Steigerung der Dosis kann – wenn man immer weiter trinkt – in eine Abhängigkeit führen.

Alkohol steigt uns zu Kopf

Zuerst ruft er ein angenehmes Gefühl hervor, später einen Rausch. Wenn wir Alkohol trinken, schüttet unser Gehirn die Botenstoffe Dopamin und Endorphin aus. Sie sorgen dafür, dass wir uns meist lockerer und selbstbewusster fühlen. Alkohol wirkt also wie eine Belohnung. Diesen Effekt „merkt sich“ unser Gehirn und passt sich an den Alkohol an – indem es sich selbst verändert. Wie es das genau tut, ist ziemlich komplex und auch noch nicht bis ins Letzte erforscht. Wir wissen aber, dass sich durch Alkohol die sogenannten GABA-A-Rezeptoren verändern. Rezeptoren sind Andockstellen für Botenstoffe im Gehirn, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) ist einer dieser Botenstoffe. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Gewöhnung an Alkohol.

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Mit diesen Veränderungen im Gehirn steigt die Toleranz für Alkohol. Das bedeutet, übliche Folgen des Trinkens wie Müdigkeit, Lallen oder Torkeln treten erst auf, wenn größere Mengen getrunken werden. Wir haben uns also an eine gewisse Menge Alkohol gewöhnt. Und je länger wir uns an eine bestimmte Sache gewöhnt haben, desto schwieriger ist es, die Gewohnheit wieder loszuwerden. Auch Finn gibt zu, dass es ihm oft schwer fällt, bei zwei Bier am Abend zu bleiben.

Aus Gewohnheit kann Sucht werden

Je mehr und je häufiger wir trinken, desto größer ist die Gefahr, dass wir abhängig werden. Zwar testet nicht jeder, der viel verträgt, regelmäßig sein Limit aus. Bei vielen bleibt die Gewöhnung auf einem gewissen Niveau. Trotzdem kann aber aus einer Gewohnheit ein Alkoholproblem und mit der Zeit eine Abhängigkeit werden. Auch, wenn das natürlich nicht heißt, dass alle Trinkfesten irgendwann automatisch alkoholabhängig werden.

Viel Alkohol zu trinken, um Probleme zu ertränken, ist aus Sicht von Fachleuten besonders riskant. Wer selbstbewusst ist und gelernt hat, mit Stress umzugehen, ist nach ihrer Meinung weniger anfällig für eine Sucht.

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