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Aktuelle Statistik der Polizei: jede dritte Gewalttat unter Alkoholeinfluss


„Gemeinsam chillen oder betrunken stressen“ ist auf einem der vier aktuellen Motive der „Alkohol? Kenn dein Limit.“-Kampagne zu lesen. Gezeigt werden zwei gut gelaunte Freunde auf einem Polaroidfoto, im Hintergrund sieht man, wie sie sich – betrunken und mit verzerrten Gesichtern – prügeln. Eine gute Stimmung kann schnell in Streit und sogar gewalttätige Auseinandersetzungen umschlagen, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist – so lässt sich die Botschaft des Plakats zusammenfassen. Ein Satz unter dem Bild klärt auf: „Rund ein Drittel aller angezeigten schweren und gefährlichen Körperverletzungen werden unter Alkoholeinfluss verübt.“

Zahl der Tatverdächtigen mit Promille leicht angestiegen

Die vor kurzem veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes (BKA) für das Jahr 2012 bestätigt diese Aussage jetzt noch einmal. Danach haben 32,1 Prozent (also ein knappes Drittel) aller Tatverdächtigen eines Gewaltdelikts ihre Tat im alkoholisierten Zustand begangen. Damit liegt die „Alkoholisiertenquote“ bei Fällen von Gewaltkriminalität eindeutig höher als bei anderen Straftaten: Bezogen auf alle Straftaten war ein deutlich geringerer Prozentsatz der Tatverdächtigen alkoholisiert, nämlich 13,4 Prozent. 

Der Vergleich zeigt: Gewalttaten werden vermehrt unter Alkoholeinfluss begangen. Straftaten, die in die Kategorie „Gewaltkriminalität“ fallen, sind zum Beispiel Sachbeschädigung, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie sexuelle Nötigung und Vergewaltigung – bei all diesen Straftaten ist der Prozentsatz der alkoholisierten Tatverdächtigen höher als bei anderen Straftaten. Insgesamt ist die Zahl der Straftaten, bei denen die Verdächtigen unter Alkoholeinfluss standen, gegenüber dem Vorjahr übrigens leicht gestiegen.

Alkohol enthemmt

Alkohol und Gewalt hängen also irgendwie zusammen – wie genau, dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Einer lautet: Alkohol enthemmt und erhöht die Aggressionsbereitschaft. Denn Alkohol schwächt bekanntermaßen die Selbstkontrolle, aggressive Impulse können dadurch weniger gut zurückgehalten werden. Auch die Folgen des eigenen Handelns können durch Alkohol in weite Ferne rücken. Manche Menschen werden dann gewalttätig – ohne an die Konsequenzen für sich und die anderen zu denken.

Hinzu kommt, dass Alkohol die Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeit der Trinkenden einschränkt. Wer die Welt durch einen Tunnelblick betrachtet, kann seine Lage schlechter einschätzen und bekommt zum Beispiel nicht mehr mit, wie Freunde den Streit schlichten wollen oder der andere sich entschuldigt. Dadurch kann der Frustrations- und Aggressionspegel noch weiter steigen.

Im Limit zu bleiben ist also eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es nicht zu unnötigen Streitereien oder sogar zu Gewalttaten kommt.

Schlechte Lebenssituation lässt vermehrt zu Alkohol greifen

Es gibt noch weitere Erklärungen für den Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt. So können Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit dazu beitragen, dass sich die Betroffenen von wichtigen Bezugspersonen in ihrem Leben (zum Beispiel dem Freundeskreis oder der Familie) zurückziehen und ihren Beruf oder die Ausbildung vernachlässigen – die daraus entstehende Lebenssituation kann kriminelle Taten ebenfalls begünstigen. Umgekehrt betrachtet greift jemand, der bereits straffällig wurde, unter Umständen auch vermehrt zu Alkohol, zum Beispiel um die (infolge der Straffälligkeit) verschlechterten Lebensverhältnisse leichter zu ertragen (siehe hierzu auch Jahrbuch Sucht 2013, „Delikte unter Alkoholeinfluss“ von Rudolf Egg).

Im Limit bleiben und Streit vermeiden

  • Wer im Limit bleibt, behält den Überblick und provoziert zum Beispiel weniger Streitereien. Besonders achtgeben sollten Personen, die schon mal die Erfahrung gemacht haben, dass bei ihnen durch Alkohol der Frust- und Aggressionslevel gestiegen ist.
  • Klar, auch unter besten Freundinnen und Freunden gibt es mal Streit oder Ärger. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man solche Auseinandersetzungen immer in nüchternem Zustand führen. Wenn einer oder mehrere der Beteiligten alkoholisiert sind, kann der Streit schnell eskalieren.

Mehr Informationen zu dem Thema findest du unter Alkohol und Aggression. Spezielle Infos für Frauen gibt es hier, Männer werden hier fündig.

  

Quellen: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2013/PKS2012.html

Egg, Rudolf (2013). Delikte unter Alkoholeinfluss. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2013. Lengerich: Pabst.