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Alkohol – ein Flirtkiller?


Junger Mann mit Smartphone

„Klar bin ich nervös, wenn ich eine Frau ansprechen will. Das Schwierigste ist der Anfang. ‚Mut antrinken' hört sich zwar vielleicht blöd an, aber nach einem Glas Bier fällt es mir doch meist leichter, den ersten Schritt zu machen“, erzählt Daniel von seinen Flirterfahrungen. Und weiter: „Wenn ich zu viel trinke, rede ich aber nur noch Mist. Dann geht der Flirt schnell in die Hose.“

Alkohol hat, in geringen Mengen konsumiert, eine entspannende und angstlösende Wirkung – deshalb wird er von einigen auch als „Flirthelfer“ eingesetzt, wie im Beispiel von Daniel. Viele Flirtversuche scheitern aber auch am Alkohol – vor allem wenn zu viel davon im Spiel ist. Warum das so ist, zeigen unter anderem Untersuchungen von Hirnforschern. In einer aktuellen Studie haben amerikanische Wissenschaftler zum Beispiel herausgefunden, dass durch Alkohol eine bestimmte Verbindung im Gehirn gestört wird, die für die Kommunikation mit anderen wichtig ist – und genau darum geht es ja bei einem Flirt. 

Für die Studie wurden zwölf junge Leute per Zufall zwei Gruppen zugeordnet: Gruppe 1 bekam Alkohol zu trinken, Gruppe 2 erhielt ein sogenanntes „Placebo“ – also einen Drink, der so aussah und schmeckte wie ein alkoholisches Getränk, aber keinen Alkohol enthielt. Dann wurden allen Teilnehmern auf einem Bildschirm drei Fotos von Gesichtern gezeigt: eines im oberen Teil des Bildschirms, zwei weitere darunter. Die Aufgabe der Versuchspersonen bestand nun darin, aus den beiden unteren Bildern den Gesichtsausdruck auszuwählen, der der Emotion auf dem oberen Bild entspricht.

Unter Alkoholeinfluss gelang diese Zuordnung deutlich schlechter, wie die Wissenschaftler herausfanden. Während der Durchführung der Aufgabe wurden die Gehirne der Teilnehmer durchleuchtet. Dabei stellte man fest, dass die Verbindung zwischen einem Bereich im vorderen Teil des Gehirns (Präfrontaler Kortex) und einer Region in der Mitte des Gehirns (Amygdala) nach dem Konsum von Alkohol nicht mehr so gut funktionierte. 

Die „reibungslose“ Zusammenarbeit der beiden Gehirnregionen ist eine Voraussetzung dafür, dass wir Reize aus unserer Umgebung, darunter auch Gesichtsausdrücke, genau erkennen und passend darauf reagieren. Und genau diese Zusammenarbeit wird durch Alkohol gestört. 

Interessant ist auch die Beobachtung der Wissenschaftler, dass bei der Vorlage von Bildern mit ängstlichen oder ärgerlichen Gesichtsausdrücken die Amygdala (also die Region im mittleren Gehirn) bei den Teilnehmern mit Promille deutlich schwächer reagierte. Die Studienleiter deuten dies so, dass Alkohol dazu beiträgt, bedrohliche Situationen harmloser wahrzunehmen als sie sind. Nach dem Konsum von Alkohol dringen also Gefahrensignale nicht mehr so gut „zu uns durch“ – auch eine Erklärung dafür, dass betrunkene Menschen Gefahren oft unterschätzen.

Nun ist ein Flirt ja zum Glück keine „bedrohliche Situation“. Aber die Forschungsergebnisse erklären, wie Flirts unter Alkoholeinfluss schief gehen können, – weil man die Signale des anderen schlechter versteht.

Und noch eine weitere Gehirnstudie zeigt, wie ein Flirt unter dem Alkohol leiden kann. Lies weiter unter Wer im Limit bleibt, flirtet besser

Quellen: University of Illinois at Chicago (2013, August 29). Alcohol breaks brain connections needed to process social cues. ScienceDaily. Retrieved September 16, 2013, from http://www.sciencedaily.com/releases/2013/08/130829144949.htm#.UiRyYe4L3bk.favorites