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Alkohol in Maßen fördert die Gesundheit? Jugendliche in Deutschland wissen es besser


Vier junge Menschen frühstücken und unterhalten sich nebenbei.

Der Konsum geringer Mengen Alkohol wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus – diese Behauptung hält sich bei einigen Menschen hartnäckig. Oft ist dann von einem regelmäßigen Glas Rotwein am Abend die Rede, das gut sein soll für die Gesundheit. Was ist dran an dieser Aussage? Und: Wenn Rotwein allgemein gesund ist, müsste man dann nicht sogar dazu raten, häufiger ein Glas davon zu trinken? 

Fachleute winken bei dieser Frage ab: Nein, es gibt überhaupt keinen Grund, jemandem aus gesundheitlichen Gründen den Konsum von Alkohol zu empfehlen – auch nicht den von Rotwein. Zwar gibt es Studien, die einen positiven Effekt von geringen Alkoholmengen (weniger als ein Standardglas pro Tag) auf bestimmte Erkrankungen des Herzens ergeben haben. Aber diese gesundheitsförderliche Wirkung zeigte sich vor allem bei Menschen, die älter sind als 50 Jahre. Außerdem ist die Liste der möglichen Schäden durch Alkohol deutlich länger als die der eventuellen gesundheitlichen Effekte. So steigt das Risiko für eine Lebererkrankung ab einer (regelmäßig getrunkenen) Menge von 12 Gramm Alkohol bei Frauen (= ein Standardglas = z.B. ein Glas Bier à 0,25 Liter) bzw. 24 Gramm bei Männern (= zwei Standardgläsern = z.B. zwei Gläser Bier à 0,25 Liter). Der Blutdruck erhöht sich ab einem regelmäßigen Konsum von 20 Gramm bei Frauen und 30 Gramm bei Männern. Unsere Bodymap zeigt dir, wie unser Körper auf Alkohol reagiert – einfach mal reinklicken.

Wenn man etwas über Studien liest, die eine gesundheitsförderliche Wirkung von Alkohol festgestellt haben, sollte man also immer genauer hinschauen: Wie alt war die Gruppe der Untersuchten? Und vor allem: Welche gesundheitlichen Effekte wurden bei der Untersuchung nicht berücksichtigt? Denn selbst wenn das Herz von geringen Alkoholmengen profitieren sollte, muss das noch lange nicht für die Leber, das Gehirn oder andere Organe gelten.  

Dass Alkohol keine gesundheitsförderliche Wirkung hat, wissen offenbar immer mehr Jugendliche in Deutschland. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die auch für die Kenn-dein-Limit-Kampagne verantwortlich ist, befragt regelmäßig Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 25 Jahren zu ihrem Verhalten und ihren Einstellungen gegenüber Alkohol. In 2001 stimmten 28 Prozent der Befragten der Aussage „Alkohol in Maßen fördert die Gesundheit“ zu, in 2011 waren es nur noch ungefähr 15 Prozent, also noch knapp die Hälfte.

Zwar fördert der Konsum von Alkohol nicht die Gesundheit, es gibt aber Grenzwerte für einen risikoarmen Alkoholkonsum. Welche das sind und warum diese nur für gesunde Erwachsene gelten, erfährst du unter Was ist risikoarmer Alkoholkonsum?

Quellen: Burger, M., Bronstrup, A. & Pietrzik, K. (2004). Derivation of tolerable upper alcohol intake levels in Germany: A systematic review of risks and benefits of moderate alcohol consumption. Preventive Medicine, 39 (1), 111-127; Seitz, H.K., Bühringer G., Mann, K. [2008]. Grenzwerte für den Konsum alkoholischer Getränke. In DHS (Hrsg.); Jahrbuch Sucht 2008. Geesthacht: Neuland, 205-209;


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