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Alkohol und Lernen - eine schlechte Kombination

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In der Schule und im Studium heißt es meistens: lernen, lernen, lernen. Es gibt die wenigen Glücklichen, denen es leicht fällt. Aber für die meisten bedeutet es richtige Arbeit. Umso wichtiger ist es, dass sich das Lernen auch lohnt. Doch so mancher Schüler bringt sich um den verdienten Lohn, weil er oder sie am Wochenende reichlich Alkohol genossen hat. Denn was vielen möglicherweise nicht bewusst ist: Wer sich öfter betrinkt, kann sich auch im nüchternen Zustand weniger merken.

Alkohol – (fast) jeder hat schon probiert

Es gehört offenbar für viele Jugendliche zum Erwachsenwerden dazu, Alkohol zu probieren. Einer Umfrage zufolge, haben in Deutschland über 90 Prozent der 15- bis 16-Jährigen schon einmal Alkohol getrunken. Etwa jeder zweite Jugendliche hat sich in den letzten 12 Monaten auch mindestens einmal betrunken, einige auch öfter. Doch gerade das Rauschtrinken wirkt sich ungünstig auf das Lernen aus.

Rauschtrinken senkt Gedächtnisleistung

Jüngst hat ein Forschungsteam der Universität in Santiago de Compostela in Spanien eine Studie mit 122 Studierenden im Alter zwischen 18 und 20 Jahren durchgeführt, um die Auswirkungen des Rauschtrinkens zu untersuchen. Als Rauschtrinker wurde klassifiziert, wer sich mindestens einmal pro Monat betrinkt. Dies trifft übrigens auch auf 61 Prozent der 18- bis 20-Jährigen in Deutschland zu. Die Forscher haben also keine Extremgruppe untersucht.

Im Rahmen von mehreren Lern- und Gedächtnistests mussten die Probanden die Leistungsfähigkeit ihrer grauen Zellen unter Beweis stellen. Dabei ging es vor allem um das verbale und das visuelle Gedächtnis. Es zeigte sich, dass Studierende, die zur Gruppe der Rauschtrinker gehörten, deutlich geringere Leistungen bei verbalen Gedächtnisaufgaben aufwiesen als Mitglieder der überwiegend risikoarm trinkenden Vergleichsgruppe. Besonders das so genannte deklarative Gedächtnis, in dem explizites Wissen sowie bewusste Erinnerungen zu Ereignissen und Fakten gespeichert werden, sei bei den Rauschtrinkern beeinträchtigt gewesen. Betroffen sind also auch die Fähigkeiten, die benötigt werden, um zum Beispiel für die nächste Englisch-Klausur zu lernen.

Alkohol stört Speichervorgang

Vermutlich kommen wohl die wenigsten auf die Idee, betrunken zur Schule zu gehen oder sich vor dem Lernen noch ein Bier zu genehmigen. Aber: Auch nach dem Lernen kann Alkoholkonsum den Prozess des Abspeicherns im Gehirn stören.

Lernen heißt, dass neue Informationen dauerhaft im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Die Lernleistung kann durch häufiges Wiederholen verbessert werden. Wer neue Vokabeln büffeln muss, weiß was gemeint ist. Bei der Speicherung im Langzeitgedächtnis kann es aber auch zu Störungen kommen. Alkohol, so die Forschung, kann ein Störfaktor während des Speichervorgangs sein. Alkohol vermindert somit genau genommen nicht die Fähigkeit, Erinnertes aus dem Gedächtnis abzurufen, sondern verhindert bereits beim Lernen, dass sich die neuen Informationen überhaupt im Gedächtnis festsetzen.

Eine wichtige Schaltzentrale bei der Abspeicherung ist der Hippocampus. Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass diese Hirnregion durch übermäßigen Alkoholkonsum geschädigt wird, mit der Folge, dass es zu Lerndefiziten kommt. Die giftige Wirkung auf den Hippocampus ist auch nach Meinung des spanischen Forschungsteams ein Grund dafür, dass die Rauschtrinker in ihrer Studie so schlecht abgeschnitten haben. Blackouts gelten übrigens auch als Fehlfunktion beim Speichervorgang.

Fazit

Alkohol und Lernen passen nicht zusammen. Wer in Schule, Studium und Beruf voll leistungsfähig sein will, der sollte beim Alkohol besser im Limit bleiben.

Quellen:

  1. Übersichtsarbeit zu den Effekten des Alkohols auf die Gedächtnisleistung
    http://www.reference-global.com/doi/abs/10.1515/IJDHD.2007.6.4.397
  2. Rauschtrinken gefährdet die Gedächtnisleistung
    http://webspersoais.usc.es/export/sites/default/persoais/rodriguez.holguin/Descargas/2011_BD_Declarat_Mem_AlcClinExpRes.pdf
  3. Alkoholwirkung auf das Gedächtnis und Blackouts
    http://pubs.niaaa.nih.gov/publications/arh27-2/186-196.pdf
  4. ESPAD 2007
    http://www.espad.org/documents/Espad/ESPAD_reports/2007/The_2007_ESPAD_Report-FULL_091006.pdf
  5. Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen. Epidemiologischer Suchtsurvey 2009
    http://www.psycontent.com/content/h5qq316gk26137t8/
  6. Acute effects of alcohol on neural correlates of episodic memory encoding
    http://alicekim.ca/tulving/Neuroimage07_35.pdf