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Alkoholbedingte Unfälle rückläufig – junge Menschen dennoch besondere Risikogruppe

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„Und fahr‘ schön vorsichtig.“ Viele dürften den guten Rat ihrer besorgten Mutter schon einmal gehört haben. Und die Sorge ist durchaus berechtigt. Denn gerade junge Fahranfänger sind besonders gefährdet im Straßenverkehr. Glücklicherweise aber mit rückläufiger Tendenz: Das dritte Jahr infolge sinkt die Zahl der Unfälle in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Erfreulich auch: Bei den alkoholbedingten Unfällen zeichnet sich schon seit zehn Jahren eine rückläufige Tendenz ab.

Doch leider erfolgt der Rückgang von einem hohen Niveau aus. Junge Erwachsene haben nach wie vor das höchste Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken. Darauf verweisen die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Hoher Anteil junger Menschen bei schweren Unfällen

Laut den Unfallzahlen aus 2010 sind junge Fahranfänger weiterhin besonders häufig in schwere oder tödliche Straßenverkehrsunfälle verwickelt. Im Jahr 2010 starben insgesamt 3.648 Menschen auf Deutschlands Straßen, davon allein 690 im Alter von 18 bis 24 Jahren. Junge Menschen sind bei den Unfallopfern somit deutlich überrepräsentiert. Denn obwohl der Anteil der 18- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur 8 Prozent beträgt, lag ihr Anteil an den im Straßenverkehr tödlich Verunglückten bei rund 19 Prozent. Wieso verunglücken so viele junge Menschen im Straßenverkehr?

Alkohol besonders bei jungen Fahrern Unfallursache

An erster Stelle steht die überhöhte Geschwindigkeit. Im Jahr 2010 war mit einem Anteil von 16 Prozent eine „nicht angepasste Geschwindigkeit“ häufigstes Fehlverhalten – wie auch in den Jahren zuvor. Fahren unter Alkoholeinfluss spielt zwar in allen Altersgruppen eine Rolle, bei den jungen Fahrern aber nimmt Alkohol am Steuer eine besondere Stellung ein. Im Durchschnitt ist jeder dritte alkoholisierte Pkw-Fahrer, der in einen Unfall verwickelt wird, ein junger Erwachsener im Alter zwischen 18 und 24 Jahren.
Zudem klafft offenbar eine Lücke zwischen dem fahrerischem Können und der Selbsteinschätzung: 86 Prozent der jungen Fahranfänger schätzen ihren Fahrstil als sicher ein, obwohl sie nur über wenig Fahrerfahrung verfügen. Kommt nun noch Alkohol hinzu, kann die ohnehin schon verzerrte Selbstwahrnehmung zu gefährlichen Handlungen verleiten. Denn Alkohol mindert nicht nur das Reaktionsvermögen, es reduziert auch die Kritikfähigkeit, was die eigene Person betrifft.
Darüber hinaus bewirkt Alkohol schon in geringen Mengen, dass die Risikobereitschaft steigt. Manche Verkehrsteilnehmer sind jedoch von Natur aus mit einer erhöhten Risikobereitschaft ausgestattet. Experten gehen davon aus, dass insbesondere jugendliche Motorrad- und Mopedfahrer eine höhere Risikobereitschaft im Vergleich zu ihren Altersgenossen haben.

Null Promille bei Fahranfängern

Weil Alkohol besonders bei jungen Fahrern so fatale Folgen hat, wurde in Deutschland im Jahr 2007 die Null-Promille-Regel für junge Erwachsene bis 21 Jahren eingeführt. Wer schon älter ist muss zumindest in der Führerscheinprobezeit alkoholfrei sein, wenn er oder sie sich ans Steuer setzt.
Ein Vergleich der Unfallzahlen aus den Jahren vor und nach der Einführung zeigt die Wirkung dieser Maßnahme: Von 2006 bis 2010 ist die Zahl der alkoholisierten Autofahrer bei Unfällen mit Personenschaden bei den 18- bis 24-Jährigen um 32 Prozent zurückgegangen. Bei den 18- bis 20-Jährigen ist der Rückgang mit 36 Prozent sogar noch höher ausgefallen. Damit fiel die rückläufige Tendenz bei den alkoholisierten Unfallbeteiligten deutlich stärker aus als bei älteren Erwachsenen (24 Prozent weniger).

Promillegrenzen im Straßenverkehr

Wer sich dennoch in der Probezeit oder bis zum vollendeten 21. Lebensjahr mit Alkohol am Steuer erwischen lässt, muss tief in die Tasche greifen: 250 Euro werden fällig und zwei Punkte in Flensburg gibt es obendrein. Zudem verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre und eine Nachschulung wird fällig. Mehr zu den Promilleregeln im Straßenverkehr findest du hier.

Fazit

Auch wenn die Unfallzahlen in den letzten Jahren deutlich gesunken sind, ist dies noch kein Grund zur Entwarnung. Immer noch sterben zu viele Menschen im Straßenverkehr an den Folgen des Alkoholkonsums. Deshalb gilt nicht nur für Fahranfänger: besser 0,0 Promille im Straßenverkehr. Dabei sollte man auf möglichen Restalkohol im Blut achten, denn der Alkoholabbau braucht seine Zeit.

Quellen:

  1. Statistisches Bundesamt: Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2010
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2011/Unfaelle2010/pressebroschuere__unfaelle,property=file.pdf
  2. Jugendliches Risikoverhalten im Verkehr
    http://www.uni-due.de/~qpd402/alt/Projekte/Mutproben/Texte/pdf/RisikoJugend2003.pdf