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Amerikanische Studie: Drastische Unfallfolgen schon bei geringen Promillewerten


Im Jahr 2010 sind in Deutschland 342 Menschen bei so genannten „Alkoholunfällen“ im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das geht aus einer Statistik hervor, die im gerade erschienenen „Jahrbuch Sucht 2012“ zu finden ist. Als Alkoholunfälle gelten dabei Unfälle, bei denen mindestens einer der Beteiligten unter Alkoholeinfluss stand. Was genau bedeutet „unter Alkoholeinfluss“? Es bedeutet, dass eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,3 Promille gemessen wurde.
Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der durch Alkohol verursachten Todesfälle im Straßenverkehr zurückgegangen. Auch die Gesamtzahl der Alkoholunfälle (2010: 15.070) ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen (2000: 27.375)
So erfreulich die Rückgänge aber auch sein mögen  – eine Entwarnung ist damit nicht verbunden, denn noch immer kommt statistisch betrachtet fast täglich ein Mensch bei einem Alkoholunfall im Straßenverkehr zu Tode. Und jeder einzelne Fall spiegelt ein trauriges und vermeidbares Schicksal wieder.

Junge Männer häufiger mit Alkohol am Steuer
Die Statistik zeigt, dass sich besonders häufig junge Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren alkoholisiert hinters Steuer setzen – und dann einen Unfall verursachen. Übrigens passieren die meisten Alkoholunfälle am späten Abend und verstärkt am Wochenende – also in einer Zeit, in der viele – nicht nur junge – Leute unterwegs sind (z.B. zu einer Party/ Disco) oder sich wieder auf dem Nachhauseweg befinden.

Schlimmere Unfälle schon nach wenigen Schlucken Alkohol
In einer Studie der University of California konnte gezeigt werden, dass selbst geringe Mengen Alkohol nicht nur das Unfallrisiko erhöhen – auch die Folgen eines Unfalls fallen dadurch erheblich drastischer aus. Die Wissenschaftler analysierten die statistischen Daten von mehr als einer Million Autounfällen in den USA, bei denen Menschen zu Tode kamen. Dabei fanden sie heraus, dass bereits eine Blutalkoholkonzentration von 0,1 Promille den Schweregrad eines Unfalls um 36 Prozent erhöht (verglichen mit Unfällen, bei denen kein Alkohol im Spiel war). Zur Veranschaulichung: Ein 80 kg schwerer Mann kommt auf einen Wert von 0,18 Promille, wenn er ein Glas Bier (0,25l) trinkt. Sein Körper benötigt mehr als zwei Stunden, um den Alkohol wieder abzubauen.

Weniger sehen, weniger hören
Das Fazit der amerikanischen Wissenschaftler ist eindeutig: Je mehr Alkohol ein Fahrer im Blut hat, desto schwerwiegender sind die Folgen eines Unfalls, den er verursacht oder in den er geraten kann. Die Gründe für diesen Zusammenhang liegen auf der Hand: Alkoholisierte Personen sind risikobereiter und fahren schneller, gleichzeitig nehmen ihre Wahrnehmungs- und Koordinationsfähigkeiten mit jedem Schluck Alkohol rapide ab.
Experten gehen davon aus, dass ab 0,2 Promille bewegliche Lichtquellen schlechter wahrgenommen werden und sich die Sehleistung des Fahrers bereits leicht vermindert. Ab 0,5 Promille ist mit einer Einschränkung der Sehfähigkeiten um 15 Prozent zu rechnen und die Hell/Dunkel-Anpassung der Augen verlangsamt sich. Das bedeutet: Wenn ein alkoholisierter Fahrer in die Scheinwerfer eines entgegen kommenden Autos schaut, benötigen seine Augen länger, um sich wieder an die dunkleren Lichtverhältnisse zu gewöhnen. In genau dieser Zeitspanne (der Umstellung) ist das Unfallrisiko dann erhöht. Auch das Hörvermögen wird ab etwa 0,5 Promille schwächer und Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt.
Mit einer Brille, die die falsche Sehschärfe hat und mit Watte im Ohr würden sich wohl die wenigsten freiwillig hinter ein Steuer setzen – vielen Menschen ist jedoch nicht bewusst, dass Alkohol genau diesen Effekt hat. Übrigens reagieren Jugendliche und junge Erwachsene noch deutlich empfindlicher auf das Zellgift Alkohol als ältere Erwachsene.

Null Promille – immer und überall
In Deutschland gilt für Fahranfänger in der Probezeit und für unter 21-Jährige deshalb ein absolutes Alkoholverbot. Konkret bedeutet das: Null Promille im Straßenverkehr, immer und überall! Wer drüber liegt, begeht automatisch eine Ordnungswidrigkeit. Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre, außerdem muss man „nachsitzen“ – die Teilnahme an einem speziellen Seminar wird verpflichtend.
Im Straßenverkehr bedeutet „Im Limit bleiben“ also immer Null Promille. Dass dies nicht nur für junge Leute gelten sollte, sondern für jeden, hat die Studie der University of California noch einmal klar bestätigt.

Quellen:
www.addictionjournal.org/viewpressrelease.asp

Promillewirkungen aus:
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hg.)(2011): Substanzbezogene Störungen am Arbeitsplatz. Eine Praxishilfe für Personalverantwortliche.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.) (2012): Jahrbuch Sucht 2012. Neuland, Geesthacht.