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Bei Stress mehr Alkohol?

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Nach einem langen oder stressigen Arbeitstag gönnt sich der ein oder andere schon mal ein Bier oder ein Glas Wein. Die „belohnende“ Wirkung von Alkohol wird gerne genutzt, um sich zu entspannen, den Stress hinter sich zu lassen. Für  manche kann so eine Regelmäßigkeit gefährlich werden. 

Stress begünstigt ungesunde Lebensführung

Menschen, die sich gestresst fühlen – ob im Job, in der Schule oder Ausbildung –
haben eine ungesündere Lebensführung als Menschen, die etwas entspannter durchs Leben gehen. „Gestresste“ ernähren sich schlechter und rauchen mehr. Wie einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse zeigt, fühlen sich mehr als 80 Prozent der Deutschen gestresst. Ursache ist für die meisten Befragten: Belastungen am Arbeitsplatz, in der Schule und im Studium.
Ein Forschungsteam der Universität Otago in Neuseeland ist der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Anzahl an Arbeitsstunden und dem Alkoholkonsum. Bei über einer Milliarde Überstunden in Deutschland jedes Jahr eine interessante Frage.

Überstunden und Alkoholkonsum hängen zusammen

Für ihre Untersuchung konnte das Team um Studienleiterin Sheree Gibb auf rund 1.000 junge Erwachsene zurückgreifen, die seit ihrer Geburt im Jahre 1977 wissenschaftlich begleitet und regelmäßig befragt wurden. Bei den letzten beiden Erhebungen waren die Teilnehmenden 25 und 30 Jahre alt und wurden unter anderem zu ihren Arbeits- und Trinkgewohnheiten befragt.
Die Männer und Frauen gaben an, wie viele Stunden sie pro Woche arbeiten und wie häufig sie Alkohol trinken. Mit Hilfe standardisierter Interviews wurde eingeschätzt, ob sie Anzeichen für einen Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit aufweisen.
Das Ergebnis war eindeutig: Je länger gearbeitet wurde, desto häufiger tranken die jungen Erwachsenen und desto öfter wiesen sie Anzeichen für Missbrauch und Abhängigkeit auf. Vor allem jene Personen, die mehr als 50 Stunden pro Woche arbeiteten, zeigten eine bis zu dreimal höhere Wahrscheinlichkeit für ein problematisches Trinkverhalten.
Klar ist aber auch: Nicht jeder trinkt bei Stress mehr Alkohol. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass auch die Gene eine Rolle spielen.

Genetische Ursachen können den Griff zur Flasche begünstigen

Rainer Spanagel und sein Team vom Nationalen Genomforschungsnetz haben eine bestimmte Genvariante entdeckt, die bei Mäusen dazu führt, dass sie in Stresssituationen mehr Alkohol trinken als ihre Artgenossen. Spanagel vermutet, dass dies bei Menschen ähnlich ist: „Bei uns Menschen ist das vermutlich ähnlich. Wenn wir gegen den Stress nicht mehr ankämpfen können, trinken wir mehr Alkohol.“

Bestätigt wird diese Vermutung auch durch die Ergebnisse einer Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit. Das Forschungsteam des Instituts untersuchte 270 Kinder und Jugendliche im Rahmen der Mannheimer Risikokinderstudie. In ihrer Studie fanden sie heraus, dass sich Jugendliche mit dieser Genvariante signifikant von ihren Altersgenossen unterscheiden. Die Jugendlichen reagierten auf Stress mit einem erhöhten Alkoholkonsum. Jugendliche, die diese Genvariante aufwiesen, haben zudem deutlich früher mit dem Alkoholtrinken begonnen und auch häufiger eine Alkoholabhängigkeit entwickelt als ihre Altersgenossen.

Fazit

Wer häufig Überstunden macht und sich zum Feierabend ab und zu ein Bier oder ein Glas Wein gönnt, hat nicht automatisch ein Alkoholproblem. Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn es ganz automatisch geschieht und zur Gewohnheit geworden ist. Dann sollte man sich nach einem stressigen Arbeitstag besser nach alternativen Methoden der Stressbewältigung umschauen.

Quellen:

  1. Arbeitsstunden und Alkoholkonsum 
    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1360-0443.2011.03543.x/full#ss2
  2. Alkoholkonsum bei Stress ist auch von den Genen abhängig
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19607758/

    Weitere Quellen:

  3. http://jech.bmj.com/content/59/1/63.abstract
  4. http://psycnet.apa.org/journals/hea/22/4/362/
  5. http://www.wiley-vch.de/vch/journals/2008/pdf/2006_5/282_a.pdf
  6. http://www.ngfn-2.ngfn.de/21_951.htm
  7. http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/164766/Datei/18738/TK_Pressemappe.pdf 
  8. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/76945/tab/2/umfrage/ueberstunden-der-arbeitnehmer-in-deutschland-seit-2000/