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Co-Abhängigkeit: Wenn Eltern zu viel trinken

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Manchmal können Eltern ganz schön peinlich sein. Manchmal können Mütter oder Väter aber ernsthafte Probleme haben, bei denen auch deren Kinder mit betroffen sind. Alkohol kann so ein Problem sein.
Wenn die Eltern alkoholkrank sind, leiden häufig auch die Kinder. Oft sind die Jugendlichen dann selbst gefährdet, eine Suchterkrankung zu entwickeln.

Jedes siebte Kind betroffen

Alkoholerkrankungen in Familien sind häufiger als man denkt. Experten gehen davon aus, dass jedes siebte Kind in Deutschland in einer Familie aufwächst, in der ein Elternteil zumindest zeitweise von einer Alkoholabhängigkeit betroffen ist. Geschätzt wird, dass dies auf etwa 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland zutrifft.

Hohe Belastungen für Kinder und Jugendliche

Leider wirkt sich eine Alkoholabhängigkeit meist negativ auf die Kinder aus. So können liebevolle Väter und Mütter im Alkoholrausch jegliche Beherrschung verlieren und scheinbar grundlos rumschreien oder gewalttätig werden. Andere alkoholkranke Eltern wiederum reagieren mit Zurückweisung und Ablehnung.
In diesem Klima von Verunsicherung und Angst müssen die betroffenen Kinder oft Streit und extreme Stimmungswechsel aushalten. So gaben im Rahmen einer Studie die meisten Kinder alkoholkranker Eltern an, dass sie diese Unberechenbarkeit des elterlichen Verhaltens aus eigener Erfahrung kennen.

Übernahme neuer Rollen in der Familie

Normalerweise kümmern sich Eltern um ihre Kinder. In suchtbelasteten Familien kann sich das Verantwortungsverhältnis umkehren: Kinder übernehmen die Verantwortung für ihre Eltern und versuchen gleichzeitig, nach außen hin ein heiles Bild der Familie aufrecht zu erhalten.
Oft übernehmen diese Kinder unbewusst bestimmte „Rollen", um das Familienleben zu stabilisieren. Je nach Rolle werden so bestimmte Bedürfnisse der Familie erfüllt. So gibt es beispielsweise die „Helden“, die Aufgaben des täglichen Lebens wie Essen kochen, Geschwister versorgen und Einkäufe übernehmen. Andere versuchen mit ihrem Verhalten von den eigentlichen Problemen abzulenken. Das so genannte „Maskottchen“ versucht dies durch Späße zu erreichen, während der „Sündenbock“ vor allem durch negatives und unerwünschtes Verhalten auffällt.

Allen gemein ist, dass sie durch ihr Verhalten unbewusst das suchtkranke Familien-System stabilisieren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Co-Abhängigkeit der Kinder bzw. Jugendlichen. Eigene Interessen und Bedürfnisse bleiben dabei meist auf der Strecke. Hinzu kommt, dass sie mit ihrer „Rolle“ häufig überfordert und daher permanentem Stress ausgesetzt sind.

Hohes Risiko für eigene Suchtentwicklung

Bekommen die Kinder keine Hilfe, suchen viele von ihnen selbst Erleichterung durch Alkohol- und Drogenkonsum. Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Betroffenen selbst eine Suchterkrankung entwickelt. Experten schätzen, dass das Risiko, von legalen Drogen wie Alkohol und Tabak abhängig zu werden, bei diesen Kindern um das Sechsfache höher ist als bei unbelasteten Kindern. So entsteht ein Kreislauf, bei der die Alkoholerkrankung von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Fazit

Kinder von alkoholkranken Eltern gelten als größte Risikogruppe, selbst ein Alkoholproblem zu entwickeln. Betroffene sollten deshalb in jedem Falle und frühzeitig Hilfe aufsuchen, um mit jemandem darüber sprechen. Das können zum Beispiel Vertrauenslehrer an der Schule sein. Eine gute Anlaufstelle sind Suchtberatungsstellen. Die Beraterinnen und Berater haben viel Erfahrung und helfen auch, wenn es um Alkoholprobleme der Eltern geht.

Quellen:

  1. Klein, M. (2009). Kinder aus suchtbelasteten Familien: Fakten, Risiken, Lösungen und Prävention für Kinder aus suchtbelasteten Familien. In: Bayerisches Forum Suchtprävention der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. In suchtbelasteten Familien Was ist zu tun? BERICHTE UND MATERIALIEN 8 www.lzg-bayern.de/tl_files/catalog_upload/b/bum_08.pdf
  2. Soyka, M. & Küfner, H. (2008). Alkoholismus – Missbrauch und Abhängigkeit. Entstehung – Folgen – Therapie (6. Auflage). Stuttgart, Thieme.
  3. Klinische Familienpsychologie der Alkoholabhängigkeit - Kinder und Erwachsene aus suchtbelasteten Familien. Eine Bestandsaufnahme. 80.92.48.160/addiction.de/fileadmin/user_upload/pdf/beitraege/KleinM1996II.pdf
  4. www.suchthilfe-duisburg.de/Info/klein.5.5.htm/