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Echte Männer kennen ihr Limit


Ende Januar hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die auch für die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“ verantwortlich ist, einen Kongress zum Thema Männergesundheit veranstaltet.

Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen immer wieder, dass Männer risikoreicher leben als Frauen und sich weniger für ihre Gesundheit interessieren. Das liegt zu einem großen Teil noch an alten Rollenbildern: Ein „echter“ Mann traut sich was und zeigt keine – zum Beispiel gesundheitlichen – Schwächen. Zum Glück bricht dieses traditionelle Männerbild immer mehr auf, inzwischen sind vielen Männern ihr Körper und ihre Gesundheit wichtig. 

Doch es zeigen sich immer noch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern, nicht zuletzt beim Thema Alkohol. Männer trinken im Durchschnitt mehr und auf riskantere Weise Alkohol als Frauen. Die Folge: 3,4 Prozent der Männer in Deutschland sind alkoholabhängig, noch einmal 6,4 Prozent zeigen Anzeichen von Alkoholmissbrauch. Bei den Frauen sind diese Quoten mit 1,2 Prozent (Alkoholmissbrauch) und 1,4 Prozent (Alkoholabhängigkeit) deutlich niedriger. Mehr Konsum und eine höhere Abhängigkeit vom Alkohol – da verwundert es nicht, dass Männer auch häufiger an den Folgen ihres Alkoholkonsums sterben.

Anlass genug für ein paar Fakten zum Thema „Männer und Alkohol“: 

Viele junge Männer bleiben in ihrem Limit ...

Auch in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen trinken die Männer im Allgemeinen mehr als die Frauen, aber: Knapp die Hälfte der Männer in dieser Altersgruppe (45 Prozent) trinkt nur gelegentlich oder nie Alkohol. Dieses Ergebnis einer repräsentativen Befragung der BZgA wird sicherlich viele überraschen, denn oft wird die Zahl der Männer, die beim regelmäßigen Alkoholkonsum im Limit bleiben, unterschätzt. 

… aber jeder Fünfte von ihnen trinkt mehrmals pro Monat zu viel  

20 Prozent der Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren – demnach jeder Fünfte in dieser Altersgruppe – trinkt mehrfach pro Monat so viel Alkohol, dass man von Rauschtrinken spricht, also mehr als 5 Standardgläser. Diese Zahl der „häufigen Rauschtrinker“ ist viermal so hoch wie bei den gleichaltrigen Frauen.

Bierwerbung setzt auf männliche Darsteller 

Ungefähr zwei Drittel des Werbebudgets der Alkoholindustrie werden für Bierwerbung ausgegeben. In Spots und auf Plakaten, die für Bier werben, sind besonders häufig männliche Darsteller zu sehen – mit ein Grund dafür, dass Bier bei jungen Männern das beliebteste alkoholische Getränk ist. 

Deutlich mehr betrunkene Männer am Steuer 

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Männer deutlich häufiger durch Trunkenheit bei Verkehrsunfällen auffallen. Im Jahr 2011 waren beispielsweise 3.687 alkoholisierte Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren an Unfällen mit Personenschaden beteiligt. Die Zahl der gleichaltrigen Frauen, die in diesem Zeitraum in angetrunkenem Zustand in einen Verkehrsunfall verwickelt wurden, liegt mit 414 Personen deutlich niedriger. Alkohol im Straßenverkehr hat besonders gravierende Folgen: In jedem Jahr verunglücken in Deutschland ungefähr 20.000 Menschen bei Alkoholunfällen, im Jahr 2011 kamen 400 Personen dabei zu Tode. 

Männer und Promille

Ein echter Mann sollte viel Alkohol „abkönnen“? Männer vertragen zwar tatsächlich etwas mehr Alkohol als Frauen, weil er sich bei ihnen auf mehr Körperflüssigkeit verteilt. Aber auch sie kommen schneller auf einen hohen Promillewert als viele denken. So kann ein 80 Kilogramm schwerer Mann mit einem halben Liter Bier schon 0,3 Promille erreichen.


Fazit: Gesellschaftliche Erwartungen und traditionelle Rollenbilder tragen dazu bei, dass – auch junge – Männer im Allgemeinen mehr Alkohol trinken als Frauen. Die Folgen ihres höheren Alkoholkonsums lassen sich sowohl kurzfristig (z.B. im Straßenverkehr oder bei Gewaltfällen) als auch langfristig (häufigere Alkoholabhängigkeit, höheres Sterberisiko durch Alkohol etc.) beobachten.

Aber: Obwohl Männer einem höheren Druck ausgesetzt sind, „mit zu trinken“, sind sie diesem Druck nicht einfach ausgeliefert. Denn schließlich trägt jeder Mensch die Verantwortung für seinen Alkoholkonsum selbst.

Wirklich stark ist es, … 

… sich nicht von anderen vorschreiben zu lassen, wie viel man trinkt – auch nicht von guten Freunden.

Verantwortung zu zeigen, zum Beispiel indem man im Freundeskreis aufeinander acht gibt, auch beim Alkoholkonsum.

… im Straßenverkehr den Überblick zu behalten, indem man Alkohol und Fahren konsequent trennt.

… sein Limit selbst zu bestimmen.


Mehr zum Thema „Männer und Alkohol“ im Interview mit Prof. Stöver

Quellen: 
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.) (2012): Jahrbuch Sucht 2012. Pabst Science Publishers, Lengerich.

Statistisches Bundesamt (2012). „Unfälle unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln im Straßenverkehr 2011“

„Inhalts- und Zielgruppenanalyse von Alkoholwerbung im Deutschen Fernsehen - Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung“, abrufbar hier

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2012). Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011. Der Konsum von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen: aktuelle Verbreitung und Trends. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung