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Facebook offenbart Alkoholprobleme

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Ein paar Klicks und der Freundeskreis ist wieder auf dem neuesten Stand. Dank sozialer Netzwerke im Internet können Freundinnen und Freunde blitzschnell über alles Wichtige und Unwichtige aus dem eigenen Leben informiert werden. Oft werden Schnappschüsse der Party vom Wochenende gleich mit hochgeladen. Wie heißt es doch so schön: „Ein Bild sagt mehr als tausend Wort.“ Einer aktuellen Studie zufolge offenbaren Partyfotos aber womöglich mehr Informationen über die darauf abgelichteten User, als ihnen bewusst ist.

Alkohol häufig thematisiert

Soziale Netzwerke wie Facebook laden ihre Mitglieder dazu ein, ihr ganzes Leben über das Internet mit Freunden zu teilen. Ein Thema, über das dabei offenbar gerne gesprochen wird, ist Alkohol. Insbesondere junge Männer scheint das Thema zu interessieren. In einer Studie aus den USA wurde ermittelt, dass 85 Prozent der männlichen Jugendlichen Alkohol auf ihren Facebookprofilen thematisieren. Viele fügen dem eigenen Profil mitunter auch Fotos hinzu, auf denen sie Alkohol trinken oder offenkundig nicht mehr ganz nüchtern sind.

In Facebook bleibt nichts verborgen

Facebook eignet sich aber nicht nur für Mitteilungen an Freundinnen und Freunde. Da viele User ihr Profil der Öffentlichkeit zugänglich machen und somit Fremden ebenfalls Einblicke in ihr Privatleben gewähren, eröffnen sie auch der Wissenschaft ein völlig neues Betätigungsfeld. So ist ein US-amerikanisches Forschungsteam der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Veröffentlichen von „Alkohol-Postings“ und problematischem Alkoholkonsum.

Für ihre Studie wertete das Forschungsteam unter der Leitung von Megan Moreno die Facebookseiten von über 300 College-Studenten aus. Voraussetzung war, dass die Studierenden zwischen 18 und 20 Jahren alt und ihre Profile frei zugänglich waren. In einem ersten Schritt begann das Team, die Profile der Studenten nach Hinweisen auf Alkoholkonsum zu durchstöbern. Bei etwas mehr als einem Drittel wurden sie fündig: Knapp 20 Prozent der untersuchten Profile wiesen Bilder und Texte auf, in denen Alkohol thematisiert wurde. Bei weiteren 16 Prozent lagen sogar Hinweise für einen exzessiven Konsum vor, beispielsweise wenn Personen geschrieben haben, am Wochenende „abgestürzt“ zu sein. Die große Mehrheit aber bot keine Hinweise auf Alkoholkonsum in ihren Profilen. Das verwundert nicht, ist doch der Alkoholkonsum in den USA erst ab 21 Jahren erlaubt.
Im Anschluss an die Auswertung der Profile wurden alle Profilinhaber eingeladen, an einer Onlineumfrage teilzunehmen. Die Befragung beinhaltete unter anderem den Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT). Je höher der Punktewerte im AUDIT, desto wahrscheinlicher liegt problematischer Alkoholkonsum vor.

Ein Drittel mit problematischen Alkoholkonsum

224 der Angeschriebenen haben sich schließlich an der Befragung beteiligt. Ein Drittel von ihnen wies tatsächlich Anzeichen für einen problematischen Konsum auf. Wie zu erwarten war, lag der Anteil der Gefährdeten in der Gruppe der Personen, die ein exzessives Trinkverhalten auf Facebook darboten, besonders hoch. Etwa jeder Zweite in dieser Gruppe hatte dem Test zufolge ein problematisches Trinkverhalten. Am deutlichsten zeigte sich der Zusammenhang bei jungen Männern. Männer, die ihre Trinkexzesse via Facebook öffentlich bekundeten, hatten einen 89 Prozent höheren Punktewert im Online-Alkoholtest als Männer, die keine Alkohol-Postings in ihrem Profil veröffentlichten. Bei Frauen zeigte sich dieser Zusammenhang hingegen nicht.

Fazit

Das Forschungsteam hofft, jugendliche Problemtrinker in den USA zukünftig anhand ihres Facebookprofils erkennen und durch gezielte Bannerschaltung ansprechen zu können, um ihnen Beispielsweise Alkohol-Selbsttests zu empfehlen. Ob auch in Deutschland derartige Angebote umgesetzt werden, ist unklar. Klar ist aber: Wer mehr über seinen eigenen Alkoholkonsum erfahren will, kann auch mit dem Selbsttest Check your drinking einfach, schnell und anonym überprüfen, ob noch alles im grünen Bereich ist.

Und wer Verantwortung nicht für sich selbst, sondern auch für andere zeigen will, der- oder diejenige sollten besser darauf verzichten, sein Facebookprofil mit „Alkohol-Postings“ zu füllen. Denn Studien zeigen, dass allein das Betrachten von Fotos, auf denen alkoholisierte Menschen abgebildet sind, zur Nachahmung anstiftet.

Quellen:

  1. Alcohol References on Undergraduate Males' Facebook Profiles
    http://www.nabca.org/News/Files/Alcohol%20References%20on%20Male%20Facebook%20Profiles.pdf
  2. Associations between displayed alcohol references on facebook and problem drinking among college students 
    http://archpedi.ama-assn.org/cgi/content/abstract/archpediatrics.2011.180
  3. Prevalence of stress references on college freshmen facebook profiles
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21436681
  4. US-Studie: Soziale Netzwerke beliebt bei jungen Drogenkonsumenten
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Studie-Soziale-Netzwerke-beliebt-bei-jungen-Drogenkonsumenten-1330000.html