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Filmriss: Wenn man sich an nichts erinnert …


Wenn man sich nach einer durchzechten Nacht mit zu viel Alkohol nicht mehr an das erinnert, was man im Vollrausch so alles gesagt und getan hat, dann ist er eingetreten: der Filmriss. Was passiert eigentlich bei einem Filmriss?

Lange Zeit ging man in der Wissenschaft davon aus, dass Alkohol generell alle Aktivitäten der Nervenzellen im Gehirn hemmt. Demnach wäre ein Filmriss eine extreme Form der dämpfenden Alkoholwirkung. Doch mittlerweile ist aufgrund der modernen Hirnforschung mehr über das Phänomen Filmriss, also Gedächtnisverlust im Alkoholrausch, bekannt. Ein südkoreanisches Forscherteam hat die Forschungsergebnisse der letzten vier Jahrzehnte ausgewertet.

Was ist ein Filmriss?

Dass ein Filmriss nicht auf eine generelle Betäubung zurückzuführen ist, wird im Prinzip bereits durch die Symptome deutlich: Man kann sich zwar aufgrund des hohen Alkoholkonsums später an nichts mehr erinnern, man war aber nicht bewusstlos, also betäubt. Personen mit Vollrausch-Filmriss können sich unterhalten, sich bewegen und eben Dinge tun, die sie später sehr bereuen: Es kann vorkommen, dass man plötzlich an einem Ort aufwacht, von dem man nicht weiß, wie man dort hingekommen ist …
Das alles bedeutet, dass das Gehirn bei einem Filmriss nicht vollständig, sondern nur in Teilen sozusagen „lahmgelegt“ war. In erster Linie betrifft diese „Vollrausch-Lahmlegung“ das episodische Gedächtnis, das Informationen über Ort, Zeit und andere kontextbezogene Dinge miteinander verknüpft.

Hierzu muss man wissen, dass die Gedächtnisbildung in drei Phasen erfolgt: Zunächst werden neuen Information gespeichert, dann ins Langzeitgedächtnis verschoben und von hieraus abgerufen. Bei einem Filmriss wird bereits die erste Phase der Gedächtnisbildung, die Einspeicherung, gestört. Bei anderen Formen des Gedächtnisverlusts erinnern sich Personen manchmal später an Details, wenn man ihnen Hinweise gibt oder sie an den Ort des Geschehens zurückgehen. Bei einem Filmriss ist dies so nicht möglich, da der viele Alkohol die Gedächtnisbildung komplett verhindert hat – so, als wäre in der Zeit des „Vollrausch-Filmrisses“ nichts geschehen.

Und was passiert im Gehirn, wenn es zum Filmriss kommt? Die Hirnforschung konnte aufzeigen, dass die Gedächtnisbildung in erster Linie im Hippocampus erfolgt. Tierexperimente belegen, dass große Mengen Alkohol Fehlfunktionen im Hippocampus verursachen mit dem Effekt, dass keine Informationen gespeichert werden. Häufiges Rauschtrinken kann schließlich auch zu Schäden am Hippocampus führen. Die Folge: Das Abspeichern von Informationen, das Lernen also, kann auf Dauer beeinträchtigt werden.

Ab welcher Menge Alkohol kommt es zum Blackout?

Auf diese Frage kann die Forschung keine eindeutige Antwort geben. Sogar bei derselben Person kann die Menge Alkohol, die zu einem Filmriss führt, erheblich schwanken. Darüber hinaus gibt es Menschen, die trotz starkem Alkoholkonsum und Rauschtrinken noch nie einen Filmriss hatten. Dies spricht dafür, dass auch genetische Voraussetzungen eine Rolle spielen. Forschungsergebnisse konnten aber folgenden Zusammenhang zeigen: Das Risiko für einen Filmriss ist besonders hoch, wenn in kurzer Zeit sehr große Mengen Alkohol – vor allem Hochprozentiges, also Schnaps, Wodka etc. – getrunken werden.

Während man früher noch davon ausging, dass Filmrisse nur bei Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit vorkommen, weiß man mittlerweile, dass sie auch bei Menschen mit hohem Alkoholkonsum verbreitet sind. Daher sind sie meist auch ein Zeichen für exzessiven, gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum insgesamt.

Generell deuten häufige Filmrisse auf einen problematischen Umgang mit Alkohol, der in Richtung Abhängigkeit geht. Denn: Wer wirklich einmal einen Filmriss im Vollrausch erlebt hat, der ändert sein Trinkverhalten, um nicht wieder sein Gedächtnis für Stunden im Rausch zu verlieren. Das kann nämlich peinlich und gefährlich werden …

Besser im Limit bleiben und sich an eine schöne Nacht auch am nächsten Morgen noch erinnern können!

Studie http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2800062/