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Fördern soziale Netzwerke den Alkoholkonsum?

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Facebook, Twitter & Co. sind derzeit schwer angesagt. Acht von zehn Jugendlichen nutzen Online-Communitys. Dass hierbei auch Alkohol mit im Spiel sein kann, liegt nicht unbedingt sofort auf der Hand. Doch Studien aus den USA zeigen auf, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerken und Alkoholkonsum gibt.

Alkohol und Computernutzung

Im Internet surfen, soziale Netzwerke besuchen und online Musik hören oder downloaden, das sind zunächst einmal keine ungewöhnlichen Aktivitäten für Jugendliche. Doch wie Jennifer Epstein vom Weill Cornell Medical College gezeigt hat, gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Computernutzung und dem Alkoholkonsum.

Für ihre Studie hat die Wissenschaftlerin 264 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren zum Trinkverhalten und zur Computernutzung befragt – online versteht sich. Den Ergebnissen zufolge verbringen Jugendliche, die Alkohol konsumieren, deutlich mehr Zeit am Computer als Gleichaltrige, die keinen Alkohol trinken. Ihre Zeit vertreiben sie sich vor allem mit dem Herunterladen und Anhören von Musik. Außerdem verbringen sie viel Zeit in sozialen Online-Netzwerken. Keine Unterschiede gab es bei der Nutzung von Videospielen oder bei der Zeit, die die Jugendlichen für Hausaufgaben am Computer aufbrachten.

Unklar blieb allerdings, ob es der hohe Alkoholkonsum ist, der zu der verstärkten Nutzung des Computers führt oder umgekehrt. Epstein vermutet, dass die Jugendlichen sich ganz allgemein sowohl im Internet als auch beim Alkoholkonsum ausprobieren wollen. Ein Grund für den erhöhten Alkoholkonsum könne auch die Alkoholwerbung sein, der Dauersurfer im Internet verstärkt ausgesetzt sind. Denn es ist bekannt, dass Alkoholwerbung einen Einfluss auf den Alkoholkonsum von Kindern und Jugendliche hat.

Soziale Netzwerke beeinflussen das Trinkverhalten

Aber nicht nur Werbung hat einen Einfluss auf das Trinkverhalten der Computernutzer. Einer Untersuchung des National Center on Addiction and Substance Abuse zufolge sind es die Mitglieder selbst, die sich offenbar gegenseitig zum Alkoholkonsum anstacheln. Schuld sind die vielen Fotos mit besoffenen oder offenkundig nicht mehr nüchternen Freunden und Bekannten, die sich im sozialen Netzwerk outen.
In der Studie fanden die Forscher heraus, dass etwa die Hälfte der jugendlichen Nutzer sozialer Netzwerke sich beinahe täglich Fotos von betrunkenen, weggetretenen oder drogenkonsumierenden Altersgenossen anschauen. Das bleibt nicht ohne Folgen. Den Forschern zufolge erhöht die Betrachtung dieser Fotos die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche selbst zu Alkohol und anderen Rauschmitteln greifen.

Freunde und Familie haben den größten Einfluss auf das Trinkverhalten

Der Einfluss sozialer Netzwerke auf das Trinkverhalten ihrer Mitglieder wurde auch in der realen Welt untersucht. Ein Forschungsteam der Harvard Medical School hat ein großes Netzwerk aus Freunden, Kollegen, Geschwistern und Nachbarn über 32 Jahre lang beobachtet und alle Mitglieder regelmäßig zu ihrem Alkoholkonsum befragt.
Die Ergebnisse: Ändert sich das Trinkverhalten im Netzwerk, schlägt sich dies auch auf den Konsum des Einzelnen nieder. Insbesondere der Einfluss von Freunden und der Familie war für das eigene Trinkverhalten wichtig, Nachbarn und Kollegen hingegen nicht so sehr.

Fazit

Jugendliche, die viel im Internet unterwegs sind, trinken im Schnitt mehr Alkohol als Gleichaltrige, die nur selten oder gar nicht vor dem Computer sitzen. Besonders soziale Netzwerke scheinen dabei einen Einfluss auf das Trinkverhalten der „Sofa-Surfer“ zu haben. Einschränkend muss erwähnt werden, dass die Ergebnisse möglicherweise nur die US-amerikanischen Verhältnisse widerspiegeln. Doch auch hierzulande sollte man allzu positiven Darstellungen von Trinkgelagen oder ähnlichem in sozialen Netzwerken kritisch gegenüber stehen, um beim Alkohol stets im Limit zu bleiben.

Quellen:

  1. Teenage Alcohol Consumption Associated With Computer Use
    http://www.sciencedaily.com/releases/2011/05/110509161834.htm
  2. Social Networking Signals Increased Risk of Teen Substance Abuse
    http://www.casacolumbia.org/upload/2011/20110824teensurveyreport.pdf
  3. The Spread of Alcohol Consumption Behavior in a Large Social Network
    http://jhfowler.ucsd.edu/spread_of_alcohol_consumption.pdf
  4. US-Studie: Soziale Netzwerke beliebt bei jungen Drogenkonsumenten
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Studie-Soziale-Netzwerke-beliebt-bei-jungen-Drogenkonsumenten-1330000.html
  5. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. JIM-Studie 2010. Online-Communities: Nutzungsfrequenz. http://www.mpfs.de/?id=190