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„Frustsaufen“: ein Thema auch für junge Leute?


„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ schrieb Wilhelm Busch schon vor über 150 Jahren. Und auch heute noch setzen viele Erwachsene Alkohol als „Seelentröster“ ein, um Stress und Sorgen im Alltag zu vergessen. Aber wie halten es junge Leute eigentlich mit dem „Frustsaufen“? Greifen sie auch aus Kummer und Sorgen zu Alkohol? Oder wird nicht eher auf Partys getrunken, um mehr Spaß zu haben? Die Studienergebnisse der BZgA zeigen: Beides stimmt.

Knapp 60 Prozent der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland (BZgA, 2010) geben an, dass sie „lockerer“ sind oder „alles lustiger finden“, wenn sie Alkohol getrunken haben.
Deutlich weniger Jugendliche geben an, dass sie „Mit Alkohol besser abschalten“ (25 %) oder „Probleme/Sorgen vergessen“ können. Ein Viertel der Befragten stimmt der Aussage zu, dass sie „mit Alkohol besser abschalten können“ (19%).
 
Vor allem Männer trinken bei Problemen mehr
Die ‚Shell Jugendstudie 2010‘ zeigt, dass 42 Prozent der 18- bis 21-jährigen Männer auf Probleme mit einem höheren Konsum von Zigaretten oder Alkohol reagieren. Mit 45 Prozent lag diese Quote bei den 22- bis 25-jährigen Männern sogar noch etwas höher. Frauen geben  dagegen seltener an, bei Problemen mehr zu trinken oder zu rauchen. 30 Prozent der 18- bis 21-jährigen und 31 Prozent der 22- bis 25-jährigen Frauen bejahten diese Frage.  

Wie ist dieser Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Befragten zu erklären? Untersuchungen zeigen immer wieder, dass junge Männer grundsätzlich mehr Alkohol trinken als gleichaltrige Frauen. Das könnte sich auch in schwierigen Lebenslagen niederschlagen: Wenn schon in guten oder normalen Zeiten häufiger und mehr getrunken wird, dann liegt der Griff zu Alkohol auch näher, wenn es mal nicht so gut läuft – so lautet eine mögliche Erklärung für den Unterschied. Eine andere Interpretation ist:
Weibliche Jugendliche wenden sich in schwierigen Situationen häufiger an andere Menschen, vor allem an Freundinnen und Freunde, aber auch an die Eltern. Und lösen so ihre Probleme gemeinsam mit anderen – ohne Alkohol.

Was ist also wichtig zu wissen, wenn man mal frustriert ist oder sich mit einem echten Problem rumschlägt? An erster Stelle steht da natürlich die Erkenntnis, dass Alkohol bei der Bewältigung von Problemen nicht hilft. Im Gegenteil: Sich zu betrinken führt häufig zu größeren Schwierigkeiten, denn man sucht nicht aktiv nach einer Lösung für sein Problem.
Richtig kritisch wird es, wenn Alkohol immer wieder bei Sorgen und Problemen getrunken wird und sich so eine fatale Gewohnheit einschleift. Dann kann das so genannte Frustsaufen sich schneller zu einer Alkoholabhängigkeit entwickeln als viele denken.

Erfahrungen zeigen, dass es vor allem andere Menschen sind, die in schwierigen Lebenslagen weiter helfen. Neben Fachleuten, zum Beispiel in Beratungsstellen oder auch Vertrauenslehrer an Schulen, haben Freunde und Freundinnen eine große Bedeutung, denn sie kennen einen gut und fangen einen bei Schwierigkeiten auf. Die Shell-Studie zeigt: 79 Prozent der 12- bis 25-Jährigen gehen bei Problemen „immer“ oder „öfter“ zu einem Freund oder einer Freundin, um gemeinsam eine Lösung zu finden.
Wer das tut, löst sein Problem ganz ohne Alkohol. Bleibt im Limit!

Mehr Infos unter Freunden helfen

Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2011). Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2010. Kurzbericht zu Ergebnissen einer aktuellen Repräsentativbefragung und Trends. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Mathias Albert, Klaus Hurrelmann, Gudrun Quenzel: 16. Shell Jugendstudie. Jugend 2010., Frankfurt/Main 2010