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Macht Alkohol vergesslich?


Alkohol schädigt das Gehirn. Das dürfte allseits bekannt sein. Doch was genau dabei passiert und ab wann eine Schädigung eintreten kann, wissen wohl die Wenigsten so ganz genau. Verschiedene Studien haben nun versucht zu ergründen, welchen Einfluss Alkohol auf unsere Gehirnzellen hat.

Alkohol lässt das Gehirn schrumpfen

Das menschliche Gehirn besteht aus Nervenzellkörpern, der so genannten grauen Substanz und den sie verbindenden Nervenfasern, der weißen Substanz. Die medizinische Forschung hat gezeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum eine Abnahme sowohl der grauen wie auch der weißen Substanz zur Folge haben kann. Bisher ging man davon aus, dass dies nur bei dauerhaftem starkem Alkoholkonsum der Fall ist. Ein Forschungsteam der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health fand nun jedoch heraus, dass auch schon moderater Alkoholkonsum das Gehirn schrumpfen lässt.

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Gehirne von 1.909 Männer und Frauen, die 55 Jahre und älter waren, mit Hilfe der so genannten Magnetresonanztomographie (MRT) vermessen. Somit konnte sichtbar gemacht werden, dass mit der Zunahme der Trinkhäufigkeit auch mehr Lücken im Gewebe des Gehirns bildeten. Wie kommen die da rein?

Trinken für die Wissenschaft

Auf der Suche nach Ursachen für die Schädigungen ließen Forscher des Heidelberger Universitätsklinikums Versuchspersonen so lange Alkohol trinken, bis sie etwa 0,5 bis 0,6 Promille intus hatten. Allerdings handelte es sich nicht um einen ausgelassenen Kneipenabend. Vielmehr waren die Testpersonen liegend festgeschnallt und tranken „eine unangenehm schmeckende alkoholische Flüssigkeit“ aus einem Gummischlauch, während ihre Gehirne mit Hilfe der Magnetresonanzspektroskopie (MRS) durchleuchtet wurden.
Das Experiment ergab, dass schon eine vergleichsweise geringe Menge Alkohol innerhalb von sechs Minuten Veränderungen in den Gehirnzellen herbeiführen kann. Die Forscher konnten zeigen, dass die Konzentration von zellschützenden Stoffen wie Kreatin und Aspartat mit steigendem Alkoholpegel sank. Kontrolluntersuchungen am Folgetag ergaben zwar, dass sich die Veränderungen im Hirnstoffwechsel wieder zurückgebildet hatten. Die Forscher vermuten jedoch, dass die beobachteten akuten Effekte die Grundlage für dauerhafte Schäden am Gehirn sind. Das bedeutet, dass auch bei anhaltend moderatem Alkoholkonsum möglicherweise Schäden am Gehirn entstehen können.

Gestörte Hirnentwicklung bei jugendlichen Rauschtrinkern

Ein typisches Trinkmuster von jungen Menschen ist aber weniger der regelmäßige moderate Konsum als vielmehr sporadisches Rauschtrinken. In einer Studie mit jugendlichen Rauschtrinkern konnte gezeigt werden, dass eine Region, die als Hippocampus bezeichnet wird, signifikant kleiner ist als bei ihren Altersgenossen, die sich beim Alkohol stärker zurückhalten. Der Hippocampus trägt entscheidend dazu bei, dass Informationen vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis übergehen, sprich: Damit wir uns neu Erlerntes auch wirklich merken. Ist die Funktion des Hippocampus beeinträchtigt, kommt es zu Gedächtnisproblemen. Eben Gelerntes ist schon bald wieder vergessen.
Die Folgen des Suffs können sich auch im Alltag junger Menschen bemerkbar machen. In einer britische Studie mit 17- bis 19-Jährigen Rauschtrinkern, die aber vor dem Test mehrere Tage nüchtern geblieben sind, konnte sogar festgestellt werden, dass sie sich signifikant weniger Dinge im Alltag merken konnten als eine Kontrollgruppe. Eine alltägliche Merkleistung ist beispielsweise das Einprägen einer Einkaufsliste. Rauschtrinker kommen dann eben öfter mal ohne Milch und Butter nach Hause …

Fazit:

Schon geringe Mengen Alkohol können einen schädlichen Einfluss auf die kleinen grauen Zellen haben. Das gilt in besonderem Maße für das Rauschtrinken. Wer vermeiden will, dass daraus bleibende Beeinträchtigungen des Gehirns werden, der sollte besser im Limit bleiben!

Quellen:

  1. Auch moderater Konsum lässt Hirne schrumpfen:
    http://www.eurekalert.org/pub_releases/2003-12/jhub-mac120303.php
  2. Studie zu jugendlichem Rauschtrinken
    http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?artid=1821342
  3. Studie zu Gedächtnisproblemen im Alltag durch Rauschtrinken
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/7328863.stm