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Neue Studie zum Alkoholkonsum in Beziehungen


Menschen werden sich in einer Partnerschaft immer ähnlicher – zumindest für das Thema Alkohol könnte diese Alltagsweisheit zutreffen. In einer amerikanischen Studie zeigte sich nämlich, dass verheiratete Männer weniger Alkohol trinken als Männer, die alleine leben oder geschieden sind. Bei Frauen nahm der Alkoholkonsum nach einer Heirat dagegen etwas zu. Die Erklärung der Studienverantwortlichen: Männer orientieren sich in einer Partnerschaft bzw. Ehe an den – im Allgemeinen geringeren – Trinkmengen der Frau und reduzieren dadurch „automatisch“ ihren Konsum. Bei den Frauen findet die Angleichung des Alkoholkonsums in umgekehrter Richtung statt, sie trinken nun etwas mehr.

Auch Freunde und Bekannte können den Alkoholkonsum beeinflussen
Wie viel jemand trinkt, hängt unter anderem vom Alkoholkonsum des näheren Umfeldes ab. Diese Schlussfolgerung lässt sich auch aus anderen wissenschaftlichen Untersuchungen ziehen, zum Beispiel aus einer Studie der BZgA: „Die meisten / alle meiner Freunde und Bekannte trinken Alkohol.“ – das sagen neun von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mindestens einmal pro Monat eine Alkoholmenge trinken, die einen Rausch auslösen kann. Bei Gleichaltrigen, die keinen Alkohol trinken, stimmen nur 38 Prozent dieser Aussage zu. Offenbar gibt es also einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Alkoholkonsum und dem der Freunde und Bekannten. Allerdings könnte dieser Zusammenhang auch dadurch zustande kommen, dass jemand, der selber wenig oder gar keinen Alkohol trinkt, sich auch eher Freunde sucht, die wenig konsumieren.

Vieltrinker geben oft den Ton an
Unbestritten dürfte in jedem Fall sein, dass sich Trinkgewohnheiten ändern können und nahestehende Menschen dabei häufig eine Rolle spielen.
Meist wird der Einfluss des Umfeldes thematisiert, wenn es darum geht, standhaft gegenüber Gruppendruck zum „Mittrinken“ zu bleiben. Die amerikanische Studie zeigt, dass man sich das Trinkverhalten der anderen jedoch auch zunutze machen kann – indem man sich an Freunden oder Bekannten orientiert, die wenig oder gar keinen Alkohol trinken. Oft geben die „Vieltrinker“ in Gruppen den Ton an und schnell bekommt man den Eindruck, dass alle oder die meisten viel trinken. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch viele Jugendliche und junge Erwachsene, die verantwortlich mit Alkohol umgehen – und Spaß dabei haben.

Großer Teil der jungen Erwachsenen bleibt im Limit
Immer noch liegen (zu) viele Jugendliche und junge Erwachsene beim Alkohol über ihrem Limit. So trinken 42 Prozent der 18- bis 25-jährigen mindestens einmal pro Monat eine Alkoholmenge, die einen Rausch auslösen kann. Das bedeutet aber auch, dass die Mehrheit von ihnen – 58 Prozent – unterhalb dieser Menge bleibt. Bei den Frauen in diesem Alter sind es sogar 71 Prozent, die – bezogen auf den letzten Monat – keinen Alkoholrausch erleben. Es gibt also genügend Leute, die ihr Limit kennen und als „Vorbild“ dienen können – meist fallen sie einfach nur weniger auf.

Mehr Alkohol bei (Beziehungs-) problemen?
Aus den Ergebnissen der amerikanischen Studie lässt sich auch ein Zusammenhang zwischen einem problematischen Umgang mit Alkohol und bestimmten Lebenskrisen ableiten. So berichteten beispielsweise „frisch“ geschiedene Männer häufiger von einem Problem mit Alkohol als verheiratete Männer. Auch bei Frauen steigt die Trinkmenge nach einer Scheidung. Dies weist darauf hin, dass Alkohol oft auch als „Problemlöser“ eingesetzt wird. In der Stressforschung gilt eine Scheidung als ein Lebensereignis, das eine massive Belastung für den bzw. die einzelne darstellen kann. Einige Menschen reagieren darauf, indem sie mehr Alkohol trinken. Schnell können sich Trinkmuster entwickeln, die irgendwann nur schwer zu durchbrechen sind.

Frustsaufen auch bei jüngeren Leuten
In einer früheren News haben wir schon darüber berichtet, dass „Frustsaufen“ auch ein Thema für junge Leute ist. So hat die ‚Shell Jugendstudie 2010‘ zeigen können, dass 42 Prozent der 18- bis 21-jährigen Männer auf Probleme mit einem höheren Konsum von Alkohol oder Zigaretten reagieren. Bei den 22- bis 25-jährigen Männern lag diese Quote mit 45 Prozent sogar noch etwas höher. Frauen geben dagegen seltener an, bei Problemen mehr zu trinken oder zu rauchen. 30 Prozent der 18- bis 21-jährigen und 31 Prozent der 22- bis 25-jährigen Frauen bejahten diese Frage.

Im Limit bleiben
Um dauerhaft im Limit zu bleiben – und seinen Alkoholkonsum möglichst wenig von Freunden oder Problemen beeinflussen zu lassen – helfen die folgenden Fragen:
Wie viel trinken meine Freunde und Bekannten – und wie beeinflusst das meinen eigenen Alkoholkonsum?

Trinke ich bei Sorgen und Problemen mehr – und welche Alternativen zum „Problemlöser Alkohol“ kenne ich?
Mehr Infos zu diesen Themen unter Von Gewohnheit zu Abhängigkeit, Ablehnen lernen und Alkohol – kein Problemlöser.

Quelle: American Sociological Association (ASA) (2012, August 18). Relationship between marriage and alcohol examined. ScienceDaily. Retrieved August 26, 2012, from http://www.sciencedaily.com/releases/2012/08/120819153543.htm

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2012). Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011. Der Konsum von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen: aktuelle Verbreitung und Trends. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung