Zum Hauptinhalt springen

Neues aus dem Labor: Alkoholszenen im Film beeinflussen das Trinkverhalten


Eine junge Frau und ein junger Mann im Kino.

Was wir in Filmen und Serien sehen, beeinflusst unser Bild von der Welt und dadurch auch unser Verhalten. Das konnte in Studien immer wieder gezeigt werden – zum Beispiel in den 1970-er Jahren, als Forscher herausfanden, dass Filme, in denen Verbrechen vorkommen (zum Beispiel Krimis und Thriller), an den Zuschauern keinesfalls spurlos vorbei gehen: Wer häufiger solche Filme im Fernsehen sieht, schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Verbrechens im wirklichen Leben höher ein als andere. Sie fürchten sich stärker davor, selber Opfer von Kriminalität zu werden – im Vergleich zu Menschen, die seltener Blutrünstiges im TV oder Kino schauen. Die Erklärung von Experten für solche Untersuchungsergebnisse: Da die meisten Menschen in der Regel (glücklicherweise) keine persönlichen Erfahrungen mit Verbrechen machen und sich nur die allerwenigsten mit offiziellen Kriminalitätsstatistiken beschäftigen, greift das Gehirn auf abgespeicherte „Medienerfahrungen“ zurück, um das Risiko eines Verbrechens einschätzen zu können. Diese Prozesse laufen zum größten Teil nicht bewusst ab, beeinflussen aber unsere Einstellungen und unser Verhalten.

Auch wenn in Filmen Alkohol getrunken wird, bleibt das nicht folgenlos. Wissenschaftler haben zeigen können, dass Kinder und Jugendliche, die viele Filme mit „Alkoholszenen“ geschaut haben, auch eher zu Rauschtrinken neigen. Das ergab zum Beispiel eine groß angelegte Studie mit über 16.000 Jugendlichen aus sechs europäischen Ländern. Den Teilnehmern wurde eine Liste mit 50 Filmen vorgelegt. Sie sollten angeben, welche dieser Filme sie gesehen hatten. Außerdem gaben sie Auskunft über ihr Trinkverhalten. Zuvor hatten die Forscher für jeden der Filme die Anzahl der Szenen ermittelt, in denen Alkohol getrunken wird. Das Ergebnis ihrer anschließenden Datenanalyse: Jugendliche, die viele „Alkoholszenen“ gesehen hatten, tendierten auch eher zum „Über das Limit trinken“.

Mehr über „Alkohol in Film und Fernsehen“ im zweiten Teil der News

Quellen:

http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb103.pdf

Hanewinkel, R., Sargent, J. D., Poelen, E. A. P., Scholte, R., Florek, E., Sweeting, H., Hunt, K., Karlsdottir, S., Hrafn Jonsson, S. & Mathis, F. (2012). Alcohol Consumption in Movies and Adolescent Binge Drinking in 6 European Countries. Pediatrics, doi: 10.1542/peds.2011-2809.

http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2012/02/29/peds.2011-2809.abstract

http://www.drugcom.de/aktuelles-aus-drogenforschung-und-drogenpolitik/archiv/?sid=2013&idx=896