Zum Hauptinhalt springen

Neues aus dem Labor: Wissenschaftler experimentieren mit Alkohol


Vier Jugendliche lesen etwas auf einem Tablet.

Bar Labs sind Bars, in denen Untersuchungen zum Trinkverhalten von Menschen durchgeführt werden – unter „echten Bedingungen“ und ständiger Beobachtung von Wissenschaftlern. In Amerika, wo es schon seit längerem Bar Labs gibt, ist man durch diese Methode schon zu spannenden Untersuchungsergebnissen gekommen. 

So haben Forscher der University of Washington einer Gruppe von Versuchspersonen Alkohol gegeben, einem anderen nicht. Einem Teil von ihnen sagte man die Wahrheit, das heißt man klärte sie darüber auf, ob in ihrem Drink Alkohol enthalten war oder nicht. Anderen erzählte man bewusst die Unwahrheit. 

Eine interessante Reaktion zeigte sich bei jenen Personen, die Alkohol tranken, aber glaubten, sie seien nüchtern. Das typische Verhalten nach geringen Mengen Alkohol – locker werden, mit anderen ins Gespräch kommen – war bei Ihnen nicht zu beobachten. Nur die Personen, die auch wussten, dass sie Alkohol tranken, zeigten diese – von vielen Menschen auch erwünschten – Effekte des Alkohols. Befragt danach, warum sie nicht mehr auf die anderen Gäste zugingen oder sich unterhielten, gaben die „unwissend Alkoholisierten“ an, dass sie sich müde fühlten oder ihnen zu warm sei – und sprachen damit über die ausschließlich körperliche Wirkung des Alkohols. Zur Wirkung von Alkohol als „Kontakthelfer“  gehört offenbar auch das Wissen, dass man ihn trinkt.

Und wie schaut es bei Menschen aus, die nur glauben, Alkohol zu trinken, aber gar keinen zu sich nehmen – zum Beispiel weil man ihnen nur alkoholfreies Bier serviert?  Wissenschaftler der Universität von Texas at Austin haben dies überprüft und festgestellt, dass es ihn gibt, den Placebo-Effekt beim Alkoholtrinken. 

Placebos werden zum Beispiel bei Medikamententests eingesetzt, um zu überprüfen, ob ein neues Arzneimittel wirksam ist. Dabei wird der einen Hälfte der Versuchspersonen das zu testende Medikament verabreicht, der anderen Hälfte ein Mittel, das den Wirkstoff nicht enthält. Dabei zeigt sich regelmäßig, dass auch das Mittel ohne Wirkstoff (das Placebomittel) einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat. Diesen Effekt nennt man dann den Placebo-Effekt. 

Zurück in das Labor unter Echtbedingungen, dem Bar Lab – ein geradezu idealer Ort zur Demonstration des Placebo-Effekts: Der Drink riecht nach Alkohol (es wurde Ethanol auf die Außenwand des Glases geträufelt) und auch die Baratmosphäre signalisiert dem Gehirn, dass man gerade ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt. Und das mit Erfolg – Personen, die an den Untersuchungen teilnehmen, reiben sich angesichts der Null Promille, die bei ihnen am Ende des Abends gemessen werden, oft die Augen und können es gar nicht glauben, dass sie nicht angetrunken sind.    

Alkohol als Voraussetzung für einen lustigen Abend? Diese Untersuchungsergebnisse bestätigen erneut, dass diese Rechnung nicht so einfach aufgeht. Mehr zur Wirkung von Alkohol findet ihr hier.  

Siehe auch:

Fake pub will test drinking habits in South Bank University study

Belly up to the lab

Researcher reveals the science behind college drinking