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"Nie wieder Alkohol!"


Der Kopf brummt, der Magen spielt verrückt, man fühlt sich einfach elend. Ein „Kater“ hat schon manchem den Tag nach durchzechter Nacht gründlich verdorben. „Nie wieder trinke ich einen Schluck Alkohol“, mag einem da durch den Kopf gehen. Mit Totalabstinenz ist man auch ganz bestimmt auf der sicheren Seite, aber mal ehrlich: Soweit gehen die meisten dann doch nicht. Realistischer: bei der nächsten Party im Limit bleiben und einfach mal zu alkoholfreien Cocktails greifen.

Zu viele betrinken sich zu oft

Einer repräsentativen Befragung zufolge betrinken sich 37 Prozent der 18- bis 20-jährigen Männer vier Mal und häufiger pro Monat. Frauen im selben Alter halten sich da etwas mehr zurück. Nur 15 Prozent betreiben ein derart riskantes Trinkverhalten.

Klar ist: jeder Alkoholrausch ist mit Risiken verbunden, denn was gerne vergessen wird: Alkohol ist ein giftiges Lösungsmittel und prima geeignet zum Desinfizieren oder Holzkohleanzünden. Im Gehirn jedoch hat es verheerende Folgen. Jeder Rausch kostet Millionen Nervenzellen das Leben. Unser empfindliches Gehirn hat nur begrenzte Mittel, um sich gegen eine Alkoholattacke zu wehren, und die Folgen sind bekanntlich ziemlich unangenehm.

Ein Enzym bestimmt über den „Kater“

Doch nicht der Alkohol selbst verursacht den „Kater“-Kopfschmerz, es sind die Abbauprodukte, die den „Kater“ ausmachen. Der Trinkalkohol – chemisch als Ethanol bekannt – wird stufenweise in unserem Körper abgebaut. Im ersten Schritt wird Ethanol zu Acetaldehyd umgewandelt. Diese Substanz ist für den Körper sehr schädlich und für die typischen „Katersymptome“ verantwortlich. Erst in einem zweiten Schritt wird Acetaldehyd durch das Enzym ALDH (Aldehyddehydrogenase) in Essigsäure umgewandelt. Essigsäure ist für den Körper weniger problematisch. Im letzten Abbauschritt wird die Essigsäure in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt und danach über Urin, Schweiß und Atemluft ausgeschieden.

Eine Studie in Japan konnte die entscheidende Rolle des Enzyms ALDH beim Abbau von Alkohol und bei der Entwicklung eines „Katers“ nachweisen. Etwa der Hälfte der japanischen Bevölkerung fehlt aufgrund einer genetischen Veranlagung das aktive Enzym ALDH.
Die Studie zeigte, dass diese Menschen im Vergleich zu Menschen mit der aktiven Variante des Enzyms ALDH bereits nach einer geringen Menge Alkohol „Katersymptome“ spüren. Grund: Der Körper ist ohne das aktive Enzym nicht fähig, das giftige – und für den „Kater“ verantwortliche - Zwischenabbauprodukt Acetaldehyd in die für den Körper weniger schädliche Essigsäure umzuwandeln.

Was hilft gegen den „Kater“?

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt kein Mittel, mit dem man einen „Kater“ vermeiden kann, wenn man zu viel Alkohol getrunken hat. Wenn es zu spät ist und der „Kater“ schon da ist, gibt es aber tausendundeinen Tipp: Ein britisch-niederländisches Forscherteam hat sich der Sache systematisch angenommen. Doch ihr Urteil ist gnadenlos. Ob Kräuter, Pillen oder andere vermeintliche Wundermittel: Nichts wirkt.

Zumindest gegen den Kopfschmerz soll laut Stiftung Warentest ein starker Espresso mit Zitrone helfen. Die Wirkung ist sogar wissenschaftlich belegt. Koffein und Zitronensäure blockieren die Bildung eines Enzyms, das die Freisetzung von Prostaglandinen steuert. Das sind hormonähnliche Substanzen, die bei der Weiterleitung von Schmerzen eine Rolle spielen. Ob der Kaffee-Zitrone-Cocktail dem ohnehin schon arg gebeutelten Magen noch zuzumuten ist, muss allerdings jeder selbst entscheiden.

Kurz gesagt: Wer seine grauen Zellen schonen will und keine Lust auf einen üblen „Kater“ hat, der einem die Stimmung am nächsten Tag verdirbt, der bleibt einfach im Limit! Ist sowieso viel cooler.

Quellen:

Pabst, A., Kraus, L. (2008). Alkoholkonsum, alkoholbezogene Störungen und Trends. Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys. http://www.psycontent.com/content/q304273594372282/

Yokoyama, M., Yokoyama, A., Yokoyama, T., Funazu, K., Hamana, G., Kondo, S., Yamashita, T., Nakamura, H. (2005). Hangover Susceptibility in Relation to Aldehyde Dehydrogenase-2 Genotype, Alcohol Flushing, and Mean Corpuscular Volume in Japanese Workers. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16046871

Stiftung Warentest: Rezepte gegen den „Kater“
http://www.test.de/themen/essen-trinken/meldung/Richtig-feiern-Rezepte-gegen-“Kater“-1237948-2237948/