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No Risk – No Fun? Straßenverkehr und Alkohol


Alkohol und Straßenverkehr passen nicht zusammen. Klar – denn Alkohol beeinflusst Reaktionszeit und Wahrnehmungsfähigkeit. Schon nach wenig Alkohol verlangsamt sich die Reaktionszeit, was zu einer Erhöhung des Unfallrisikos führt, wenn man zum Beispiel bremsen oder schnell im Straßenverkehr reagieren muss. Bei einem Alkoholpegel von 0,8 Promille ist das Blickfeld bereits deutlich eingeschränkt: man hat den so genannten Tunnelblick und nimmt nicht mehr wahr, was sich rechts oder links am Blickfeldrand abspielt.

Kommen dann noch unter Alkoholeinfluss erhöhte Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung hinzu, führt das häufig zu überhöhten Geschwindigkeiten, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Dann wird`s lebensgefährlich (Promille und Wirkung) – vor allem, wenn die Fahrpraxis fehlt, wie bei vielen, die gerade erst den Führerschein gemacht haben.

Risiken für Fahranfänger

Junge Fahranfänger sind häufig in schwere oder tödliche Straßenverkehrsunfälle verwickelt. Das zeigen folgende Zahlen: obwohl der Anteil der 18- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur 8% Prozent ausmacht, lag ihr Anteil an den im Straßenverkehr tödlich Verunglückten im Jahr 2008 bei rund 20%, also gehörte fast jeder fünfte zu dieser Altersgruppe. Insgesamt starben im Jahr 2008 4.477 Menschen auf Deutschlands Straßen, davon allein 887 im Alter von 18 bis 24 Jahren. Damit sind junge Menschen bei den Unfallopfern deutlich überrepräsentiert.

Dass Alkohol bei Verkehrsunfällen in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen eine große Rolle spielt, zeigen folgende Zahlen: durch Trunkenheit bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden fielen insgesamt 5.027 Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren auf (4.549 Männer und 478 Frauen). Alkoholeinfluss wurde damit anteilsmäßig (9,5%) besonders häufig in dieser Altersgruppe registriert.

Null-Promille

Um Fahranfänger vorm Fahren unter Alkoholeinfluss zu schützen, gilt seit Anfang August 2007 für sie eine strikte Null-Promille-Grenze vor Vollendung des 21. Lebensjahres  oder in der Probezeit. Auch wer mit 17 Jahren den Führerschein macht, muss sich bis zu seinem vollendeten 21. Lebensjahr an die Null-Promille halten. Jeder, der das nicht tut, riskiert 2 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei, eine Geldstrafe in Höhe von 250 Euro und eine Verlängerung der Probezeit um noch mal zwei Jahre. Außerdem wird ein Aufbauseminar, das mit Kosten von 150 Euro bis 400 Euro, verbunden ist, angeordnet.

Hohes Risiko – harte Strafen

Wer unter Alkoholeinfluss fährt, riskiert sein eigenes Leben – und das Leben anderer. Der Gesetzgeber sieht daher harte Strafen für alkoholisierte Fahrer vor, egal ob auf dem Motorrad, Roller oder im Auto. Aber auch betrunkene Radfahrer und Fußgänger können ihren Führerschein riskieren. Wird jemand auf dem Fahrrad mit 1,6 oder mehr Promille erwischt, droht der Führerscheinentzug, da die Fahreignung insgesamt angezweifelt wird. Außerdem werden die Teilnahme an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) sowie medizinische Tests fällig.

In Extremfällen kann auch bei alkoholisierten Fußgängern die Fahreignung entzogen werden: Wenn jemand zum Beispiel bereits zuvor durch Drogen- oder Alkoholmissbrauch im Straßenverkehr aufgefallen ist, tagsüber mit hoher Promillezahl einen Verkehrsunfall verursacht und ein Verdacht auf Alkoholabhängigkeit besteht.
Inlineskater werden übrigens im Verkehrsrecht wie Fußgänger behandelt.

Restalkohol beachten!

Bis der Alkohol im Körper vollständig abgebaut ist, vergehen – je nach konsumierter Alkoholmenge – mehrere Stunden. So kann es sein, dass sich am Morgen nach einer langen Partynacht, in der viel getrunken wurde, noch Restalkohol im Blut befindet. Nur um durchschnittlich 0,1 Promille sinkt der Alkoholgehalt des Blutes pro Stunde. Übrigens bauen Frauen Alkohol etwas langsamer ab als Männer! Für 0,5 Promille – also nach etwa zwei Flaschen Bier (0,33 Liter) – braucht der Körper rund 5 Stunden, um den Alkohol komplett abzubauen. Je mehr getrunken wurde, desto  länger dauert es, bis es im Blut keinen Restalkohol mehr gibt.

Promille-Regeln in Deutschland

Für Fahranfänger gilt Null-Promille! Für alle anderen gelten strenge Promille-Regeln: Fällt jemand mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,3 Promille (relative Fahruntüchtigkeit) auf, drohen ihm Führerscheinentzug, Punkte in der Verkehrssünderdatei und eine Geldstrafe. Die absolute Fahruntüchtigkeit beginnt bei 1,1 Promille. Wer damit bei einer Kontrolle auffällt, ist seinen Führerschein sofort los. Zusätzlich gibt es sieben Punkte sowie eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe. Mit diesen Strafen muss auch jeder rechnen, der einen Crash mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,3 Promille verursacht. Beim Unfall kommen häufig noch Schadensersatz, Schmerzensgeld oder Rentenforderungen von Unfallopfern hinzu. Außerdem ist der Versicherungsschutz bei Unfällen mit 0,3 Promille bereits gefährdet.

In einigen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Rumänien, Ungarn, Slowakei, gilt übrigens im Straßenverkehr grundsätzlich Null-Promille!

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Quellen

TÜV - Süd: Alkohol im Straßenverkehr
http://www.tuev-sued.de/fuehrerschein_pruefung/aktuell_informiert/alkohol_und_drogen_im_strassenverkehr/gesetzliche_bestimmungen

Statistisches Bundesamt: Alkoholunfälle im Straßenverkehr
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1024980

Statistisches Bundesamt: Unfallentwicklung Auf Deutschen Straßen 2008 (PDF-Datei)
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2009/Unfallgeschehen/begleitheft__Unfallgeschehen,property=file.pdf

Bundesministerium der Justiz: Straßenverkehrsgesetz (StVG)
http://www.gesetze-im-internet.de/stvg/index.html