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Noch im grünen Bereich? Hintergründe zum Thema ‚Risikoarmer Alkoholkonsum‘


Maximal zwei Standardgläser (20 bis 24 Gramm reiner Alkohol) pro Tag für Männer, höchstens ein tägliches Standardglas für Frauen – so lauten die Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum, die für gesunde Erwachsene definiert wurden. An mindestens zwei Tagen in der Woche sollte gar kein Alkohol getrunken werden, um der Entwicklung einer Abhängigkeit vorzubeugen.
Wer hat diese Grenzwerte eigentlich festgelegt und wie ist man auf die konkreten Grammzahlen gekommen? Und: Für wen gelten diese Angaben und für wen nicht? Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema ,Risikofreier Alkoholkonsum'.

Wer hat die Grenzwerte bestimmt?
Bei den Grenzwerten handelt es sich um Empfehlungen des wissenschaftlichen Kuratoriums der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Neben den maximalen täglichen Konsummengen haben die Expertinnen und Experten des Kuratoriums noch weitere Hinweise für den Umgang mit Alkohol formuliert. So sollte unter anderem am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr, beim Sport, während der Schwangerschaft und in der Zeit des Stillens sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten komplett auf Alkohol verzichtet werden. Jugendliche sollten „Alkohol weitgehend meiden“, um wichtige Reifungsprozesse – vor allem im Gehirn – nicht zu gefährden.
Menschen, die bestimmte Erkrankungen – zum Beispiel an der Leber oder der Bauchspeicheldrüse – haben, sollten nur gelegentlich Alkohol zu sich nehmen oder ganz darauf verzichten. Auch auf die akuten Gefahren durch Rauschtrinken weisen die Expertinnen und Experten des Kuratoriums hin.  

Wozu überhaupt risikoarme Grenzwerte?
Viele wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit den negativen Folgen von hohen Alkoholmengen auf die Gesundheit. Daneben werden immer wieder Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die auf positive Effekte niedriger Trinkmengen vor allem auf die Herzgesundheit von älteren Erwachsenen hinweisen.
Hinzu kommt, dass Alkohol als Zellgift zwar prinzipiell jedes Organ schädigen kann. Die Dosis, ab der ein erhöhtes Risiko für ein bestimmtes Organ besteht, ist jedoch unterschiedlich.

Bei so vielen verschiedenen Untersuchungsergebnissen wird das Bild schnell unübersichtlich – dadurch fällt es natürlich schwerer, sich ein Gesamturteil zu bilden. Um eine Orientierung zu geben, innerhalb welcher Grenzen Alkohol noch risikoarm ist, sind die beschriebenen Empfehlungen erstellt worden.

Wie sind die Grenzwerte entstanden?
Die Empfehlungen des Kuratoriums basieren vor allem auf einer groß angelegten Untersuchung aus dem Jahr 2000, bei der alle vorliegenden Studien zu den Effekten von Alkoholkonsum auf die menschliche Gesundheit gesammelt und ausgewertet wurden. Über den Zusammenhang zwischen regelmäßigem Alkoholkonsum und einer Krebserkrankung im Mund- und Rachenraum fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Beispiel über 70 aussagekräftige Studien. Das Ergebnis: Ab einer täglichen Konsummenge von mehr als zehn bis 15 Gramm reinem Alkohol bei Frauen und mehr als 20 bis 25 Gramm bei Männern, beginnt das Risiko für diese Krebsform zu steigen. Eine Zunahme des Blutdrucks zeigte sich bei mehr als 20 Gramm (Frauen) bzw. 30 Gramm reinem Alkohol (Männer) pro Tag.

Wie sieht es bei eventuellen positiven Effekten durch den Konsum von Alkohol aus? Ein gesundheitsfördernder Zusammenhang zeigte sich zum Beispiel zwischen einem geringen Alkoholkonsum von älteren Personen (50+) und bestimmten Herzkrankheiten. Weil ältere Menschen jedoch häufiger auch an anderen Krankheiten leiden, kann ihnen nicht empfohlen werden, aus Gesundheitsgründen regelmäßig Alkohol zu trinken. Außerdem gibt es neben dem Herzen ja auch noch einige weitere Organe, für die eher eine negative Wirkung durch den Konsum von Alkohol festgestellt wurde.

Nachdem alle Studien gesichtet und analysiert wurden, entwickelten die Wissenschaftler dann die beschriebenen Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum. Sie betonen, dass es sich dabei nicht um Empfehlungen handelt, wie viel jemand trinken sollte. Sondern: Innerhalb dieser Grenzen ist bei gesunden Erwachsenen von einem geringen Gesundheitsrisiko durch regelmäßigen Alkoholkonsum auszugehen. Unabhängig davon sind akute Gefahren durch das Trinken von Alkohol zu sehen: Rauschtrinken ist mit solchen unmittelbaren Risiken verbunden, die Teilnahme am Straßenverkehr unter – jeglichem – Alkoholeinfluss ebenfalls. Junge Menschen, insbesondere junge Männer, sind besonders häufig durch Alkoholunfälle betroffen.

Quellen:
Burger, M., Bronstrup, A. & Pietrzik, K. (2004). Derivation of tolerable upper alcohol intake levels in Germany: A systematic review of risks and benefits of moderate alcohol consumption. Preventive Medicine, 39 (1), 111-127

Seitz, H.K., Bühringer G., Mann, K. [2008]. Grenzwerte für den Konsum alkoholischer Getränke. In DHS (Hrsg.).
Jahrbuch Sucht 2008. Geesthacht: Neuland, 205-209