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Passivtrinken – was ist das?


Was Passivrauchen ist, wissen wir - aber Passivtrinken? Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat den Begriff mit geprägt und untersucht die Thematik schwerpunktmäßig im diesjährigen Jahrbuch Sucht. Das stellte die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Marlene Mortler, gestern gemeinsam mit der DHS in einer Pressekonferenz vor.

© Getty/martin-dm

Passivtrinken meint die Schäden, die unmittelbar und mittelbar durch den Alkoholkonsum anderer entstehen. Direkt betroffen sind zum Beispiel Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol trinken. Und das sind nicht wenige: Jede fünfte bis sechste Schwangere trinkt zumindest gelegentlich Alkohol. Mittelbar betroffen ist, wer zwar im eigenen Körper keinen Alkohol hat, aber von dem Folgen des Alkoholkonsums anderer betroffen ist – zum Beispiel als Kind in einer Familie mit Alkoholproblemen. Etwa 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben in Familien, in denen mindestens ein Elternteil Alkohol missbräuchlich oder abhängig konsumiert.*

Wie kann man zum Passivtrinker werden?

Das können ganz unterschiedliche Situationen sein. Hauptsächlich geht es um Gefahrensituationen, die man mit alkoholisierten Menschen erlebt. Als Beifahrer von Betrunkenen zum Beispiel, als Unfallopfer, deren Angehörige und Retter, Mitfahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Kollegen. 2015 gab es rund 13.000 Verkehrsunfälle, weil der Fahrer zu viel getrunken hatte, 256 Menschen starben dabei.**

Opfer von Gewalt und Aggression

Tausende Menschen werden Opfer von Straftaten und Unfällen, die unter Alkoholeinfluss passieren. Denn Alkohol ist oft die Ursache für Aggression und Gewalt in der Öffentlichkeit – zum Beispiel ein Betrunkener, der sich im Bus oder in der Bahn aggressiv mir gegenüber verhält.

Durch den Konsum von Alkohol, vor allem in größeren Mengen, steigt die Risikobereitschaft. Deswegen erhöht Alkohol zum einen das Risiko, selbst Gewalt auszuüben, und zum anderen auch die Gefahr, ein Opfer von Gewalt zu werden. Gerade bei Menschen, die ohnehin eine Aggressionsbereitschaft mitbringen, sinkt die Hemmschwelle. Das spielt oft auch eine Rolle bei sexuellen Übergriffen von Alkoholisierten.

In Deutschland fehlt das Bewusstsein

„Das Bewusstsein, durch Alkoholkonsum auch andere Menschen zu schädigen, die selbst nicht trinken, ist andernorts vorhanden, in Deutschland offenbar nicht“, meint der DHS-Geschäftsführer Dr. Raphael Gaßmann.

 

* Michael Klein (2002). Kinder aus alkoholbelasteten Familien - Ein Überblick zu Forschungsergebnissen und Handlungsperspektiven, in: Suchttherapie, 2002/2, S. 118-124

** DHS, Jahrbuch Sucht 2017