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Probleme mit Alkohol? Ich doch nicht!


Alkohol kann abhängig machen - daran zweifelt wohl kaum jemand. Viele Menschen, die es aber tatsächlich betrifft, erkennen zu spät, dass sie zu viel trinken und eine Abhängigkeit entwickelt haben. In Deutschland sind schätzungsweise etwa 1,3 Millionen Menschen alkoholabhängig. Weitere zwei Millionen trinken so viel Alkohol, dass der Konsum bereits zu Folgeschäden geführt hat. Man spricht in diesem Fall von „Alkoholmissbrauch“.

Problematischer Alkoholkonsum – gerade für junge Menschen riskant

Wer denkt, dass Missbrauch und Abhängigkeit nur ein Thema für Erwachsene ist, der irrt. Vor allem der problematische Alkoholkonsum, eine Vorstufe der Abhängigkeit, ist unter jungen Menschen verbreitet. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass 40 Prozent der 18- bis 20-Jährigen problematisch konsumieren.
Eine Alkoholabhängigkeit kann sich daraus bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen relativ schnell entwickeln. Eine repräsentative Untersuchung unter 14- bis 24-Jährigen in Süddeutschland bestätigt: 6 Prozent sind oder waren schon einmal alkoholabhängig, weitere 10 Prozent betreiben Alkoholmissbrauch, trinken also viel zu viel.

Alkoholabhängigkeit: wie zeigt sich das?

Psychisch macht sich eine Alkoholabhängigkeit dadurch bemerkbar, dass die Betroffenen immer häufiger den starken Wunsch oder Drang verspüren, Alkohol zu trinken. Über ihr Trinkverhalten und die Trinkmengen verlieren sie zunehmend die Kontrolle. Was ihnen eigentlich wichtig ist, wird immer mehr vernachlässigt – ob Schule, Ausbildung, Job, Freundeskreis oder Familie. Für den Alkoholkranken bestimmt der Konsum von Alkohol immer stärker den Alltag. Das Umfeld leidet unter diesen Veränderungen.

Der hohe Alkoholkonsum führt auch zu körperlichen Veränderungen. Zunächst gewöhnt sich der Körper nach und nach an Alkohol mit dem Effekt, dass immer mehr getrunken werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Dieser Prozess wird als Toleranzentwicklung bezeichnet, verharmlosend wird auch von „Trinkfestigkeit“ gesprochen. Eine körperliche Abhängigkeit macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn kein Alkohol getrunken wird. Dann kommt es zu Entzugserscheinungen wie Schwitzen und Zittern. Das ist auch der Grund, warum schwere Alkoholiker bereits am Morgen Alkohol trinken müssen.

Früher Einstieg ins Trinken – erhöhtes Risiko für Abhängigkeit

Die meisten jungen Menschen sind natürlich weit davon entfernt, morgens ein Bier zu brauchen, um den Tag zu überstehen. Doch jede Sucht hat einen Anfang. Aufgrund von Langzeitstudien ist bekannt, dass ein früher Einstieg in den regelmäßigen Alkoholkonsum ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Abhängigkeit im Erwachsenenalter ist. Wer also in jungen Jahren regelmäßig und viel trinkt, hat ein erhöhtes Risiko, eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Wissenschaftliche Untersuchungen berechnen das Risiko wie folgt: Wer bereits mit 18 Jahren Alkohol missbräuchlich konsumiert, also in schädlichen Mengen, der hat ein dreifach erhöhtes Risiko, mit 21 Jahren alkoholabhängig zu sein.

Warum einige Jugendliche mit  Alkohol nicht vernünftig und verantwortungsbewusst umgehen können und somit riskieren, alkoholabhängig zu werden, kann die Wissenschaft nicht eindeutig klären. ?Verschiedene Ursachen – wie familiäre Verhältnisse, der Freundeskreis, aber auch die individuellen genetischen Voraussetzungen – spielen dabei eine Rolle.

Kein vorbestimmter Weg in die Abhängigkeit

Menschen, die Alkohol trinken, werden nicht von heute auf morgen alkoholabhängig. Die Entwicklung einer Sucht geschieht vielmehr über eine längere Zeit, schleichend und gefährlicherweise unbemerkt. Auch entwickelt nicht jeder mit ungünstigen Genen, persönlichen Problemen und/oder trinkfreudigem Freundeskreis eine Alkoholsucht. Das Experimentieren mit der Droge Alkohol ist aber trotzdem nicht ungefährlich, denn nicht jeder kriegt die Kurve – und wer einmal abhängig ist, bleibt es sein Leben lang.

Wenn du wissen willst, ob dein Alkoholkonsum im grünen Bereich ist, dann mach’ hier den Selbsttest Check your drinking!

Quellen:

Studie: Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen in Deutschland http://www.psycontent.com/content/h5qq316gk26137t8/fulltext.pdf

Studie zum Substanzkonsum im Jugendalter
http://www.psychologie.tu-dresden.de/i2/klinische/publikationen/literatur/765.pdf

Definition Abhängigkeit
http://www.drugcom.de/?id=drogenlex&sub=1&idx=3

Entstehung von Alkoholsucht
http://www.curado.de/entstehung-alkoholsucht-15525/

http://www.dhs.de/datenfakten/alkohol.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3035611/?report=abstract&tool=pmcentrez