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Promis und Promille


Gefeierte Auftritte, Blitzlichtgewitter, rote Teppiche, tausende begeisterte Fans und ausschweifende Partys – das sind die Zutaten für das Bild eines erfolgreichen Rock- oder Filmstars. Promis, so meint man, haben alles was man sich wünschen kann: Sie werden gefeiert, denn sie haben Erfolg im Beruf, Geldsorgen sind ihnen unbekannt und meistens sehen sie auch noch gut aus.

Doch ist der Vorhang gefallen oder der Dreh „im Kasten“, greifen viele Stars zur Flasche. Die Liste der Promis mit schweren Alkoholproblemen ist lang.
In letzter Zeit sorgte vor allem Lindsay Lohan für Schlagzeilen, denn sie musste wegen Verletzung von Bewährungsauflagen nach diversen Alkohol- und Drogeneskapaden sogar hinter Gitter. Nach dem Gefängnis steht ihr ein dreimonatiger Entzug in einer geschlossenen Suchtklinik bevor.

Auch Mel Gibson, Amy Winehouse, Mischa Barton oder Kate Moss fallen immer wieder durch ihre Alkoholexzesse auf. Vor kurzem überraschte Mark Owen, Mitglied der Boygroup „Take That“, mit dem Geständnis, dass er schon seit zehn Jahren vergeblich gegen seine Alkoholsucht kämpft. Von David Hasselhoff ist seit langem bekannt, dass er „Ex-Alkoholiker“ ist. Bisheriger Tiefpunkt seiner Sucht: Im Jahr 2007  gab es ein Internet-Video, das ihn zeigt, wie er völlig betrunken am Boden liegt und versucht, einen Burger zu essen. Aufgenommen von der eigenen Tochter.

Der lebenslange Kampf gegen die Sucht

Es scheint fast so, als wäre Alkoholmissbrauch eine Art „Berufskrankheit“ unter den VIPs.  Stress, hoher Erfolgs- und Konkurrenzdruck, der Gedanke, immer „perfekt“ sein zu müssen und Versagens- und Verlustängste werden nicht selten mit Alkohol betäubt. Hinzu kommt, dass Alkohol für Promis scheinbar immer dazu gehört, ob auf Partys oder Backstage. So kann sich aus der Gewohnheit zu trinken schnell eine Alkoholabhängigkeit entwickeln.

Da Promis im Zentrum des öffentlichen Interesses stehen, werden ihre peinlichen Alkohol-Auftritte, ihre Alkoholausraster oder auch ihre Aufenthalte in Entzugskliniken in den Medien dokumentiert und kommentiert. Den Kampf gegen die Alkoholsucht führen sie – wie andere Alkoholiker auch – ein Leben lang, und die Öffentlichkeit schaut ihnen dabei zu.

Oscarpreisträger und „Ex“-Alkoholiker Robin Williams sagte 2007 in einem Interview zum Thema Alkohol: „Ein fieses Biest. Greift immer wieder nach mir. Bin aber jetzt durch damit. Wenn du trinkst, dann willst du nicht drüber sprechen, weil du glaubst, dass keiner weiß, dass du trinkst.“

Der deutsche Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke, der jahrzehntelang alkoholabhängig war, ist ein Beispiel für das tragische Ende eines Promi-Lebens: Er starb im Jahr 2005 in einem Pflegeheim für Demenzkranke. Der langjährige exzessive Alkoholkonsum hatte sein Gehirn zerstört.

Medienberichte zu Promis und Alkohol

Die Berichterstattung über Promis und ihre Alkoholsucht ist in den Medien oft  einseitig, wie drei US-amerikanische Forscherinnen herausfanden. Sie untersuchten die Berichterstattung über vier Promi-Frauen – Michelle Rodriguez, Paris Hilton, Nicole Richie und Lindsay Lohan – , die häufiger durch Alkoholexzesse auffallen und dabei erwischt worden waren, dass sie sich alkoholisiert hinters Lenkrad gesetzt hatten. In den Medien wurde hierzu zwar über die individuellen Konsequenzen wie Verhaftung, Verfahren, Gefängnisstrafe berichtet, kaum – oder gar nicht – aber über das Fehlverhalten und das Risiko, das die Alkohol-Promis für sich und andere darstellten.

Fazit: Auch viele Promis unterschätzen die Gefahr, von Alkohol abhängig zu werden. Wer einmal in eine Alkoholsucht rutscht, kommt nur sehr schwer wieder heraus. Ihr Leben lang werden sie gegen die Sucht kämpfen müssen. Dass sie in diesem Punkt als Vorbild – vor allem für junge Menschen – nicht taugen, ist klar. Denn besser ist es, von Anfang an beim Alkohol die Regie selbst zu übernehmen und im Limit zu bleiben.

Quellen:

Alkoholsucht. Der lange Abstieg des David Hasselhoff
http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,622643,00.html

Von ein paar Bier zum Korsakow-Syndrom
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/12/15/a0125

Was hat Paris Hilton mit der Titanic zu tun?
http://www.stern.de/lifestyle/leute/robin-williams-was-hat-paris-hilton-mit-der-titanic-zu-tun-592848.html

Smith, K.S., Twum, D. & Carlson, A.C. Gielen (2009). Media Coverage of Celebrity DUIs: Teachable Moments or Problematic Social Modeling? In: Alcohol & Alcoholism Vol. 44, No. 3, pp. 256–260, http://alcalc.oxfordjournals.org/cgi/content/full/44/3/256