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Rauschtrinken schadet Hirnzellen


Mikroskopische Aufnahme von Gehirnzellen

Sie machen aus unseren Gehirnzellen eine Art Autobahn: mit einer (auch „Myelinscheide“ genannten) Fettschicht umhüllte Nervenfasern, die dafür sorgen, dass Informationen blitzschnell von A nach B rasen können. Wie das funktioniert, haben wir im ersten Teil der News beschrieben. Eine Untersuchung aus Amerika hat in einem Tierexperiment herausgefunden, dass Rauschtrinken die Myelinscheide angreifen und auf Dauer schädigen kann. Die Wissenschaftler gaben dazu männlichen Ratten über einen Zeitraum von zwei Wochen entweder große Mengen Alkohol oder gesüsstes Wasser. Die Tiere waren alle in einem „jugendlichen“ Alter, denn die amerikanischen Forscher wollten wissen, ob viel Alkohol bei jungen Leuten messbare Spuren im Gehirn hinterlässt.

Ein Untersuchungszeitraum von zwei Wochen klingt für einige sicherlich erst einmal nicht besonders lang, aber Ratten leben deutlich kürzer als Menschen. Deshalb ist der hohe Alkoholkonsum der Tiere über 14 Tage vergleichbar mit einer längeren zeitlichen Phase des „Über-das-Limit“-Trinkens bei Jugendlichen.

Nach den zwei Wochen untersuchte man dann die Gehirne der Tiere. Und es zeigten sich Unterschiede: Bei den „Alkohol-Ratten“ war die Fettschicht um die Nervenfasern in einer wichtigen Hirnregion weniger ausgeprägt als bei den abstinent gebliebenen Tieren. Es handelt sich dabei um den sogenannten Präfrontalen Kortex im vorderen Bereich des Gehirns (Stirnhirn). Diese Region ist an Entscheidungen beteiligt und kontrolliert spontane Reaktionen und Impulse. Außerdem wird sie mit dem Arbeitsgedächtnis in Verbindung gebracht, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn kurzzeitig Informationen zwischengespeichert werden.

Damit ist der Präfrontale Kortex so etwas wie der „Steuermann“ im Hirn. Und häufiges Rauschtrinken bekommt diesem Steuermann offenbar gar nicht gut. Das haben auch andere Studien schon herausgefunden, wie uns Prof. Laucht vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in einem Interview berichtet hat. Und auch in dem Experiment der amerikanischen Forscher zeigten sich längerfristige Folgen des hohen Alkoholkonsums im Jugendalter. In Arbeitsgedächtnis-Tests schnitten die Alkohol-Ratten auch als erwachsene Tiere noch deutlich schlechter ab als die Vergleichsgruppe.

Man kann zwar nicht so einfach von Tierexperimenten auf Gegebenheiten bei Menschen schließen. Dennoch: Viele Studienergebnisse zeigen in die gleiche Richtung. Zu viel Alkohol schädigt das Gehirn und in der Jugendphase reagiert dieses Organ besonders sensibel.

Mehr Informationen zur Wirkung von Alkohol auf den Körper gibt es in unserer Bodymap.

Quelle:

Society for Neuroscience. "Heavy drinking in adolescence associated with lasting brain changes, animal study suggests." ScienceDaily. ScienceDaily, 28 October 2014.