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Schmerz lass nach!

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Wenn nach durchzechter Nacht der Schädel brummt, liegt die Ursache auf der Hand. Alkohol bzw. seine Abbauprodukte sind verantwortlich für den Kater, der anzeigt, dass es eindeutig zu viel war (siehe News "Nie wieder Alkohol!"). Kopfschmerzen oder Migräneanfälle treten aber auch ohne vorhergehenden Alkoholkonsum auf. Wie ein Forschungsteam aus München nun herausgefunden hat, ist Alkoholkonsum dennoch zumindest mit schuld an gelegentlichen Spannungskopfschmerzen und Migräne.

Kopfschmerzen auch bei Jugendlichen weit verbreitet

Kopfschmerzen lassen sich mit Recht als Volkskrankheit bezeichnen. Etwa 70 Prozent der Deutschen leiden unter wiederkehrenden oder chronischen Kopfschmerzen, darunter auch viele Jugendliche. Nach Angaben des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) haben 15 bis 25 Prozent der Jugendlichen gelegentliche Spannungskopfschmerzen und weitere fünf bis zehn Prozent Migräneattacken. Angesichts dieser hohen Zahlen stellt sich die Frage: Woran liegt das?

Um den Ursachen des jugendlichen Brummschädels auf die Spur zu kommen, hat ein Forschungsteam der Ludwig-Maximilians-Universität in München eine Studie durchgeführt. Sie befragten 1.260 Schülerinnen und Schüler mehrerer Gymnasien aus den Jahrgangsstufen 10 und 11. Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren gaben Auskunft über ihre Erfahrungen mit Kopfschmerzen und wurden nach ihrem Lebensstil und ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Besonders der Konsum von Alkohol, Zigaretten und Kaffee wurde von den Wissenschaftlern unter die Lupe genommen.

Ungesunder Lebensstil geht auf den Kopf

Heraus kam das erstaunliche Ergebnis, dass 83 Prozent der Gymnasiasten mindestens einmal in den letzten sechs Monaten Kopfschmerzen hatten. „Dabei berichteten 49 Prozent über Spannungskopfschmerzen, 10 Prozent über Migräne und 20 Prozent sowohl über Migräne als auch über Spannungskopfschmerzen“, sagt Studienleiterin Astrid Milde-Busch.

Wie die statistischen Analysen zeigten, steht der Lebensstil in einem engen Zusammenhang mit dem Auftreten von Kopfschmerzen. Besonders Alkohol geht auf die Birne. Jugendliche, die viel Alkohol trinken, hatten eine 3-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen. Aber auch Rauchen, Kaffeekonsum und Bewegungsmangel hängen signifikant mit Kopfschmerzen zusammen. Überrascht zeigte sich das Forschungsteam darüber, dass die Ernährungsgewohnheiten und die tägliche Trinkmenge (nichtalkoholischer Getränke) nur eine vergleichsweise geringe Rolle spielten.

„Insgesamt lässt unsere Studie die Aussage zu, dass Jugendliche mit jeder Art von Kopfschmerz von regelmäßiger körperlicher Aktivität und geringem Alkoholkonsum profitieren“, schlussfolgert Milde-Busch. „Wer an Migräne leidet, sollte außerdem wenig Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen. Mit Hilfe solcher Maßnahmen ließe sich möglicherweise verhindern, dass Kopfschmerzen in jungen Jahren chronisch werden.“

Fazit: An der Bar die Füße stillhalten und rauf auf den Dancefloor!

Was lernen wir daraus? Statt rauchen und saufen lieber die anderen an der Bar stehen lassen und sich auf der Tanzfläche austoben. Denn weniger oder kein Alkohol plus Bewegung sei eine effektive Methode, damit aus gelegentlichen Kopfschmerzen keine bleibende Angelegenheit wird.

Quellen:

  1. Pressemitteilung BKJPP: Körperliche Aktivität beugt Kopfschmerzen bei Jugendlichen vor
    http://www.jugend-psychotherapie.de/pm/2010/pm_09_07_2010_2.pdf
  2. Studie: Zusammenhang zwischen Lebensstil und Kopfschmerzen bei Schülern
    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1526-4610.2010.01706.x/abstract