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Schon geringe Mengen Alkohol beeinflussen Alltagsgedächtnis

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Schon mal den Geburtstag des besten Freundes vergessen oder versäumt, jemanden zurückzurufen? Der Alltag ist voll von Dingen, die man sich merken muss und besser nicht vergessen sollte. Schlecht, wenn man es trotzdem tut. Alkohol, so das Ergebnis einer aktuellen Studie, kann sich schon in geringen Mengen ungünstig auf unser Alltagsgedächtnis auswirken.

Vor allem Rauschtrinken schädigt Gedächtnis

Unser Gedächtnis dient in erster Linie dazu, Erlebnisse abzuspeichern und Neues zu Lernen. Im Gedächtnis werden aber auch Aufgaben gespeichert, die man irgendwann in der Zukunft erledigen muss. In diesem Fall spricht man vom so genannten prospektiven Gedächtnis oder auch vom Alltagsgedächtnis. Es erinnert uns zum Beispiel daran, wann der Zahnarzttermin ansteht, welche Dinge man im Supermarkt einkaufen will oder zu welcher Uhrzeit man sich mit seinen Freunden trifft. Das prospektive Gedächtnis brauchen wir tagtäglich.
Bisherige Studien konnten zeigen, dass vor allem das Rauschtrinken diese Funktion des Gedächtnisses nachhaltig beeinflussen kann. Ein britisches Forschungsteam konnte belegen, dass das Gedächtnis bei Jugendlichen noch Tage nach ihrem letzten Zechgelage beeinträchtigt ist. Ist also alles im grünen Bereich, wenn man das Rauschtrinken vermeidet? Ein Bier oder ein Glas Wein, das kann so schlimm nicht sein, oder?

Wodka mit Tabasco

Ein Forschungsteam der John Moores University in Liverpool hat versucht, dies herauszufinden [1]. Für ihre Untersuchung luden sie 40 Männer und Frauen zu einem Experiment ein. Die Teilnehmenden wurden per Zufall einer von zwei Gruppen zugewiesen. Während die eine Gruppe ein Tonicwater mit Wodka erhielt, bekam die Kontrollgruppe Tonicwater pur. Um den Alkoholgeschmack zu verschleiern, erhielten die Getränke beider Gruppen noch ein paar Spritzer Tabasco. Die Teilnehmer der Alkohol-Gruppe erhielten jeweils 0,4 Gramm reinen Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht in etwa der Menge Alkohol, die eine 60 kg schwere Frau mit einem großen Bier zu sich nimmt. Die Probanden mussten anschließend ihr subjektives Betrunkenheitsgefühl auf einem Fragebogen einschätzen. Interessanterweise unterschieden sich die Selbsteinschätzungen der Wodka-Gruppe nicht von den Personen, die nur ein Placebo bekamen. Offenbar hielten sich die Personen, die Alkohol bekamen, für nüchtern.

Rollenspiel offenbart Gedächtnisdefizite

Um die Auswirkungen des Alkohols auf das Alltagsgedächtnis überprüfen zu können, mussten die Probandinnen und Probanden an einer Art Online-Rollenspiel teilnehmen. Ihre Aufgabe bestand darin, ein Mitarbeitertreffen für eine Firma zu organisieren. Dabei galt es, verschiedene Dinge zu erinnern und kreativ mit unvorhergesehenen Ereignissen umzugehen. So mussten die Teilnehmenden sich im Verlauf des Rollenspiels beispielsweise daran erinnern, die Kaffeemaschine einzuschalten, sobald der erste Mitarbeiter eintrifft.

In der Auswertung zeigte es sich, dass nüchterne Teilnehmerinnen und Teilnehmer die vorgegebenen Aufgaben besser erfüllen konnten als ihre nur vermeintlich nüchternen „Kollegen“. Dies galt vor allem dann, wenn es darum ging, Aufgaben zu bestimmten Zeiten oder in Folge eines vorher festgelegten Ereignisses auszuführen. Die nüchterne Kontrollgruppe war insgesamt besser in der Lage, ihre Aufgaben zu planen und angemessen auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren.

Fazit

Schon nach vergleichsweise geringen Mengen Alkohol kann es zu Ausfällen in unserem Alltagsgedächtnis kommen, auch wenn man sich subjektiv nicht alkoholisiert fühlt. Wer also keine wichtigen Termine verpassen oder Peinlichkeiten vermeiden will, sollte besser im Limit bleiben.

Quelle:

The effects of a modest dose of alcohol on executive functioning and prospective memory 
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/hup.1194/abstract