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Seelisch und geistig kaputt durch Alkohol


Alkohol geht auf die Leber – das kommt den meisten Menschen vermutlich in den Sinn, wenn sie an die Folgen von langjährigem Alkoholkonsum denken. Das ist zwar richtig, aber was viele unterschätzen, sind die negativen Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn. Mit seinen Abermillionen Nervenzellen reagiert unser Denkapparat besonders verletzlich auf das Zellgift Alkohol. Davon betroffen sind nicht nur die kognitiven Funktionen – wie zum Beispiel Konzentration und Gedächtnis. Auch psychotische Zustände können sich einstellen, die mitunter lebensbedrohlich sind.

Das Alkoholdelir

Ein gefährlicher psychotischer Zustand ist das Alkoholdelir, auch bekannt als Delirium tremens. Meist kommt es beim Alkoholentzug, in selteneren Fällen auch bei exzessivem Rauschtrinken zum Alkoholdelir. Betroffene sind desorientiert, unruhig und ängstlich. Typisch für das Delir sind optische und taktile Halluzinationen, bei denen die Personen das Gefühl haben, Würmer oder Käfer kriechen auf ihrer Haut. Menschen mit dieser Erkrankung sind auch in besonderer Form suggestibel – das bedeutet, sie lassen sich beispielsweise dazu auffordern, von einem leeren Blatt abzulesen oder aus einem imaginären Glas zu trinken.

Das Delir ist ein schwerer körperlicher Ausnahmezustand. In vielen Fällen kommt es zu einem epileptischen Anfall. Kennzeichnend für das Delir sind auch Bluthochdruck, Herzrasen, Muskelzittern (Tremor), starkes Schwitzen mit erheblichem Flüssigkeitsverlust und Fieber. Delirante Personen müssen notfallmedizinisch versorgt werden. Unbehandelt führt das Delir in etwa 15 Prozent der Fälle zum Tod.

Die Alkoholhalluzinose

Zwar nicht lebensbedrohlich, aber ebenso einschneidend ist die Alkoholhalluzinose. Bei klarem Bewusstsein erleben die Betroffenen zumeist akustische Halluzinationen („Stimmenhören“). Da diese Stimmen häufig als bedrohlich und beschimpfend erlebt werden, gehen Ängste und Unruhe häufig damit einher. Durch das „Stimmenhören“ werden oft auch Verfolgungsideen ausgelöst, so dass die betroffenen Personen sehr unruhig sind, Fluchttendenzen entwickeln und manchmal auch andere Menschen angreifen. Dieser Zustand kann über Wochen und Monate bestehen bleiben oder chronisch werden.

Der Alkoholwahn

Eine Besonderheit bei chronischem Alkoholkonsum ist der „Eifersuchtswahn“. Die hiervon betroffenen Personen – meistens Männer – sind unkorrigierbar davon überzeugt, dass die eigene Partnerin sie betrügt und hintergeht. Dabei werden in der Regel harmlose Ereignisse – wie ungeordnete Kleidung oder Flecken auf dem Bettlaken – fehlerhaft interpretiert. Mögliche Folgen hiervon sind beispielsweise, dass der Freiraum des Partners eingeengt wird, der vermeintliche Liebhaber beobachtet wird oder es sogar zu körperlichen Übergriffen gegenüber der „untreuen“ Partnerin kommt. Auch dieser Zustand ist oftmals chronisch.

Das Korsakow-Syndrom

Wer den Film „Memento“ kennt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was beim Korsakow-Syndrom passiert. Alle paar Minuten hat der Protagonist des Films komplett vergessen, was zuvor geschehen ist. In der Medizin spricht man von einer anterograden Amnesie. Das Gehirn kann keine neuen Informationen mehr ins Langzeitgedächtnis übertragen. Bei Korsakow-Patienten ist das die Konsequenz von jahrelangem Alkoholmissbrauch, bei dem es zu schweren Gehirnschädigungen kommt. Im Gegensatz zum Hauptdarsteller aus „Memento“ ist den Erkrankten ihre Störung jedoch selbst nicht bewusst, denn auch diese Information können sie sich nicht mehr einprägen. Das Korsakow-Syndrom ist irreparabel, die Hirnfunktionen für immer zerstört!

Fazit

Die hier beschriebenen Erkrankungen sind meist Folge einer langjährigen Alkoholabhängigkeit. Die Betroffenen haben aber auch irgendwann einmal als gesunde, nicht abhängige Menschen mit dem Alkoholtrinken angefangen. Vielleicht haben sie unterschätzt, wie schnell eine Alkoholsucht entstehen kann und wie schnell Alkohol Körper und Geist zerstören kann.
Außerdem: Junge Menschen, die viel trinken und häufig einen Alkoholrausch haben, können schneller von Schädigungen des Hirns durch Alkohol betroffen sein, weil ihr Gehirn empfindlicher reagiert. Deshalb ist umso wichtiger, im Limit zu bleiben!

Quellen:

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Alkoholdelir http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/030-006.htm

Alkohol und Morbidität. http://www.api.or.at/sp/texte/001/hall.htm

Eifersuchtswahn http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=475

Korsakow-Syndrom http://www.bist-du-staerker-als-alkohol.de/index.php?id=255

Mann, K. (1999). Alkohol. In M. Gastpar, K. Mann, H. Rommelspacher (Hrsg.), Lehrbuch der Suchterkrankungen (S. 183-201). Stuttgart: Thieme.