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Stress durch Rauschtrinken!


Eine bevorstehende Prüfung, Ärger auf der Arbeit oder Probleme in der Beziehung: Im Alltag gibt es immer wieder Situationen, die Stress erzeugen. Manche Menschen fühlen sich dadurch verleitet, ihre Nerven mit ein wenig Alkohol zu beruhigen. Warum aber trinken die einen, während andere auch ohne Alkohol klar kommen. Welche Rolle spielt der Alkohol in Zusammenhang mit Stress?

Stresssituationen erhöhen das Verlangen nach Alkohol

Gestresste Menschen leben in der Regel ungesünder als entspannte. Sie ernähren sich schlechter, rauchen mehr und trinken auch mehr Alkohol. Doch nicht alle gestressten Menschen greifen automatisch zur Flasche. Studien zeigen auf, dass neben Persönlichkeitsfaktoren und der Erziehung vermutlich auch genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Genetische Unterschiede

Ist der Mensch gestresst, läuft eine Kette von Reaktionen im Körper ab, die durch Hormone gesteuert werden. Ein wichtiges Hormon ist Cortisol. In Stresssituationen bewirkt Cortisol, dass dem Körper ausreichend Energie zur Verfügung steht. Dafür muss allerdings genügend Cortisol im Körper vorhanden sein. Die Produktion von Cortisol wird durch das Gen CRHR1 im Gehirn geregelt. Tierversuche haben gezeigt, dass Mäuse, die eine defektes Gen oder eine bestimmte Genvariante aufweisen, in Stresssituationen deutlich mehr Alkohol trinken als ihre Artgenossen. Professor Rainer Spanagel vom Nationalen Genomforschungsnetz vermutet, dass auch beim Menschen genetische Unterschiede dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen bei Stress mehr Alkohol trinken.

Dies bestätigen auch die Ergebnisse einer Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit. Das Forschungsteam des Instituts untersuchte 270 Kinder und Jugendliche im Rahmen der „Mannheimer Risikokinderstudie“. In ihrer Studie fanden die Forscher heraus, dass Jugendliche mit einer bestimmte Variante des Gens CRHR1 sich signifikant von ihren Altersgenossen unterschieden. Die Jugendlichen reagierten auf Stress mit erhöhtem Alkoholkonsum. Die Forscher fanden zudem heraus, dass Jugendliche mit der Genvariante deutlich früher mit dem Alkoholtrinken beginnen und auch häufiger eine Alkoholabhängigkeit entwickelten als andere Studienteilnehmer. Träger dieser Genvariante trinken nicht unbedingt häufiger, aber mehr Alkohol, wenn sie trinken.

Hormonhaushalt langfristig beeinträchtigt

Ein Forschungsteam der Loyola Universität in Chicago fand einen weiteren Zusammenhang zwischen Stress und Alkohol, allerdings in umgekehrter Richtung: Im Tierversuch konnte das Team zeigen, dass sich ausgewachsene Ratten schlechter auf Stress einstellen konnten, wenn ihnen größere Mengen Alkohol in der Pubertät verabreicht wurden. Bei Jugendlichen würde man von Rauschtrinken sprechen. Diese Ratten hatten später zudem einen deutlich erniedrigten Spiegel an Stresshormonen.

Die Forscher schließen daraus, dass Alkohol die Entwicklung der Hirnareale beeinträchtigt, die für die Produktion von Stresshormonen zuständig sind. Dies schränke langfristig die Fähigkeit der Tiere ein, Stresssituationen angemessen zu bewältigen. Durch Rauschtrinken im Jugendalter können somit stressige Situationen später noch stressiger werden.

Fazit

Stress kann bei manchen Menschen den Griff zur Flasche befördern. Junge Menschen sollten sich klar machen, dass Rauschtrinken womöglich ihren Hormonhaushalt dauerhaft beeinträchtigt und sie dadurch später weniger gut mit Stress umgehen können. Dies wiederum fördert den Alkoholkonsum. Stressige Situationen gehören zum Leben dazu. Doch ist es wichtig, einen angemessenen Umgang damit zu finden und alternative Methoden der Stressbewältigung zu finden, um beim Alkohol im Limit zu bleiben.

Quellen:

  1. Auswirkungen von Stress auf den Alkoholkonsum
    http://alcalc.oxfordjournals.org/content/35/3/307.full
  2. Alkoholkonsum bei Stress ist auch von den Genen abhängig
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19607758/
  3. Rauschtrinken in der Pubertät verändert langfristig die Reaktion auf Stress
    http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0018350
  4. Auswirkungen von Stress auf den Alkoholkonsum II
    http://alcalc.oxfordjournals.org/content/41/4/455.full
  5. Gestresste Menschen Rauchen mehr
    http://jech.bmj.com/content/59/1/63.abstract
  6. Stress verändert das Essverhalten bei Jugendlichen
    http://psycnet.apa.org/journals/hea/22/4/362/
  7. Genetik der Alkoholabhängigkeit
    http://www.wiley-vch.de/vch/journals/2008/pdf/2006_5/282_a.pdf
  8. Trinkverhalten genetisch beeinflusst
    http://www.ngfn-2.ngfn.de/21_951.htm
  9. Binge drinking leads to mood disorders in teens
    http://www.themedguru.com/node/43217