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Trinken, um dazu zu gehören?

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Gute Freunde sind wichtig – vor allem junge Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit Freunden. Der Mensch ist schließlich ein soziales Wesen und gern in Gesellschaft. Alkohol gehört häufig auch dazu. Einer aktuellen Studie zufolge, hängt der Alkoholkonsum auch mit der Beliebtheit des Einzelnen im Freundeskreis zusammen.

Alkoholkonsum weit verbreitet

Warum und wie viel Alkohol ein Mensch trinkt, ist von mehreren Einflüssen abhängig. Beispielsweise ist der kulturelle Hintergrund wichtig. Deutschland ist ein Land, indem vergleichsweise viel Alkohol getrunken wird. Das wirkt sich auf jeden Einzelnen aus. Wir orientieren uns manchmal bewusst, meistens aber unbewusst an sozialen Normen. So kann es im Freundeskreis üblich sein, am Wochenende nicht nur richtig zu feiern, sondern auch viel zu trinken. Der Rausch kann dann zur sozialen Norm werden. Doch wie genau nehmen die Freunde Einfluss auf das Trinkverhalten?

Jugendliche passen sich dem Trinkverhalten der Freunde an

Studienleiterin Ana Balsa und ihr Team sind der Frage nachgegangen, in welchem Zusammenhang Alkoholkonsum und soziale Beliebtheit stehen. Dafür werteten sie die Daten von über 12.000 Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 12 aus, die im Rahmen einer groß angelegten landesweiten Studie in den USA erhoben wurden. Die soziale Beliebtheit wurde ermittelt, indem jede Schülerin und jeder Schüler bis zu zehn Personen als Freundin bzw. Freund benennen konnte. Die Beliebtheit einer Person wurde daran gemessen, wie häufig sie von anderen Mitschülern deren engerem Freundeskreis zugerechnet wurde.

Das Ergebnis: Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Beliebtheit einer Person und ihrem Trinkverhalten. Das Team fand heraus, dass Jungs, die versuchten sich dem durchschnittlichen Alkoholkonsum der Klasse anzupassen, im Schnitt beliebter waren als jene, die dies nicht versuchten. Wer allerdings mehr trank als der Durchschnitt der Mitschüler sank wieder in der Beliebtheitsskala. Die Schlussfolgerung der Forscher: Wer sich der Trinknorm der Gruppe anpasst, wird mit Beliebtheit von der Gruppe belohnt. Gleichzeitig reguliert sie auch zu starke Abweichungen nach oben.

Bei den Mädchen hingegen stieg die Beliebtheit allein dadurch, dass sie überhaupt Alkohol tranken. Um beliebt zu sein, war es aber nicht notwendig, sich an das Trinklevel der Mitschüler anzupassen.

Trinkverhalten der Anderen wird oft überschätzt

Doch wie findet der Einzelne eigentlich heraus, welche Trinknorm Gültigkeit besitzt? Da wohl kaum ein Schüler statistische Erhebungen in seiner Klasse durchführt, verlassen sich die meisten vermutlich auf Schätzungen. Bei der Einschätzung des Trinkverhaltens der eigenen Freunde liegen viele Jugendliche jedoch falsch.

So haben beispielsweise Studien mit Studierenden in den USA gezeigt, dass diese das Konsumverhalten ihrer Mitschüler meist überschätzen. Vor allem Nicht-Trinker überschätzen das Trinkverhalten der Gleichaltrigen. Diese falsche Einschätzung kann dann zu einem höheren Alkoholkonsum führen, wenn man versucht, der vermeintlichen Norm zu entsprechen.

Fazit

Klar ist, dass der Freundeskreis auch Einfluss auf das eigene Verhalten nimmt. Doch beim Thema Alkohol hört das auf. Hier sollte man in der Lage sein, eine abweichende Haltung einzunehmen. Daher ist es wichtig Alkohol auch mal abzulehnen, um im Limit zu bleiben.

Mehr Infos: Wie steht es um deinen Alkoholkonsum? Mach den Selbsttest:
Check your drinking

Quellen:

  1. Studie zu Alkoholkonsum und Beliebtheit
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21860582
  2. Studie zur Überschätzung des Alkoholkonsums
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2443635/