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„Trinkfestigkeit“ – keine Stärke sondern ein Risiko


Jugendlicher der nachdenkt.

Niklas macht sich keine Sorgen: „Ich habe kein Problem mit Alkohol. Wenn meine Freunde schon unter dem Tisch liegen, kann ich noch weiter trinken.“ Wie viele andere glaubt auch er, dass Alkohol ihm nichts anhaben kann, er bezeichnet sich selber als „trinkfest“. „Trinkfestigkeit“, das klingt nach Stärke und so als sei man geschützt vor den Risiken durch Alkohol, wenn man viel davon verträgt – die Wirkung also erst nach größeren Mengen Alkohol spürt. Fachleute sind sich jedoch einig: „Trinkfestigkeit“ ist weder Stärke noch Schutz, sondern ganz im Gegenteil ein Risiko. Drei Gründe sprechen dafür: 

Grund 1: „Viel vertragen können“ erhöht das Risiko für eine spätere Abhängigkeit 

Ob jemand wenig oder viel Alkohol verträgt, hängt auch mit der genetischen Veranlagung zusammen, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Manche Menschen reagieren „von Natur aus“ sensibler auf Alkohol als andere. Sie fühlen sich schon bei geringeren Alkoholmengen betrunken oder ihnen wird ganz einfach schlecht. Auf diese Weise gibt ihnen ihr Körper frühzeitig ein Warnsignal, weniger oder langsamer zu trinken bzw. ganz mit dem Alkohol aufzuhören. 

Alkohol schon nach wenigen Schlücken als unangenehm zu empfinden, ist also ein gewisser Schutz davor, zu viel zu trinken. Anders bei Leuten, die mehr „vertragen“: Bei ihnen treten Warnzeichen des Körpers erst auf, wenn sie schon einiges konsumiert haben. Sie trinken deshalb meist auch insgesamt mehr Alkohol – und dadurch steigt ihr Abhängigkeitsrisiko. Denn je mehr jemand trinkt, desto gefährdeter ist er, davon abhängig zu werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass jemand, der mehr verträgt, automatisch später einmal alkoholabhängig wird. Aber wer feststellt, dass er (oder sie) die Wirkung des Alkohols später spürt als andere bzw. erst nach größeren Mengen, sollte besonders aufpassen

Wer regelmäßig trinkt, wird toleranter – leider nur gegenüber Alkohol

Eine wichtige Rolle beim Abhängigkeitsrisiko durch Alkohol spielt der Gewöhnungseffekt: Wenn dem Körper regelmäßig Alkohol zugeführt wird, gewöhnt dieser sich daran. Die Folge: Um die gleiche Wirkung zu spüren, muss mehr davon getrunken werden. Wissenschaftler sprechen von einer sogenannten „Alkohol-Toleranz“, die sich bei regelmäßigem Konsum entwickelt. Man „verträgt“ also mehr und das wird, wie im Beispiel von Niklas, dann oft von den Betreffenden selber und auch von der Umwelt fälschlicherweise als Stärke angesehen. 

Fazit:
„Viel vertragen können“ ist kein Vorteil, sondern kann zum Risiko werden. Dafür gibt es zwei weitere Gründe, die wir euch in Teil 2 der News vorstellen.

Burger, M., Bronstrup, A. & Pietrzik, K. (2004). Derivation of tolerable upper alcohol intake levels in Germany: A systematic review of risks and benefits of moderate alcohol consumption. Preventive Medicine, 39 (1), 111-127

Seitz, H.K., Bühringer G., Mann, K. [2008]. Grenzwerte für den Konsum alkoholischer Getränke. In DHS (Hrsg.). Jahrbuch Sucht 2008. Geesthacht: Neuland, 205-209