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Über 50.000 „MPUs“ pro Jahr wegen Alkohol


Früher waren sie vor allem unter dem diskriminierenden Begriff „Idiotentest“ bekannt, inzwischen kennen viele auch die Abkürzung „MPU“ – die Rede ist von den sogenannten „Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen“. Insgesamt 99.625 solcher Untersuchungen wurden im letzten Jahr durchgeführt. Und genau 51.596 mal ging es dabei um das Thema Alkohol. Diese Zahlen gab jetzt die Bundesanstalt für Straßenwesen – kurz „bast“ – bekannt.

Häufigster Anlass für eine MPU: Alkohol
Damit war eine Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss im Jahr 2011 (wie in den Jahren davor auch) der häufigste Anlass für eine MPU. Ein kleiner Lichtblick: Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der MPUs in Folge einer „Alkoholauffälligkeit“ gesunken, gegenüber 2010 um 4,1 Prozent. Der zweithäufigste Grund für eine MPU waren übrigens Verkehrsdelikte unter dem Einfluss von Drogen und Medikamenten (20 Prozent aller Fragestellungen).    

Ziel der MPU: Eine Prognose über die Fahreignung   
Ziel einer MPU ist die Erstellung eines Gutachtens über die Fahreignung des Untersuchten. In diesem Gutachten werden die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst und daraus eine Empfehlung abgeleitet, ob dem Verkehrsteilnehmer die Fahrerlaubnis „zugesprochen“ werden sollte oder nicht. Das Gutachten wird dann der zuständigen Straßenverkehrsbehörde vorgelegt, die sich in der Regel an diese Empfehlung der Begutachtungsstelle hält.
Eine MPU setzt sich aus drei Teilen zusammen: einem Reaktionstest, einer medizinischen Untersuchung und einem Gespräch mit einer Verkehrspsychologin oder einem Verkehrspsychologen. Mit Hilfe der verschiedenen Untersuchungen soll die zentrale Fragestellung der MPU geklärt werden: Ist zu erwarten, dass von dem Verkehrsteilnehmer zukünftig eine Gefahr für den Straßenverkehr ausgeht? Oder bezogen auf eine Alkoholauffälligkeit: Ist zu erwarten, dass der oder die Untersuchte auch in Zukunft unter Alkoholeinfluss am Straßenverkehr teilnehmen wird? Eine schwierige und zugleich verantwortungsvolle Prognose – deshalb werden MPUs nur in staatlich anerkannten „Begutachtungsstellen für Fahreignung“ (BfF) durchgeführt.

Drei mögliche Ergebnisse einer MPU
Ab welchem Promillewert wird eine MPU angeordnet? In der Regel liegt diese Grenze bei 1,6 Promille. Die Straßenverkehrsbehörde kann jedoch bereits bei deutlich niedrigerer Promillezahl eine MPU fordern – beispielsweise im Wiederholungsfall.
Und was kommt nach einer MPU? Das kommt natürlich auf das Ergebnis der Untersuchung an. Es gibt drei mögliche Ergebnisse einer MPU:

1.    Positives Gutachten
In diesem Fall kann die Fahrerlaubnis bei der Straßenverkehrsbehörde neu beantragt werden und wird in der Regel auch bewilligt. Im Jahr 2011 wurde in ungefähr jedem zweiten Fall (51 Prozent aller Begutachtungen über eine erstmalige „Alkohol-Auffälligkeit“) ein solches positives Gutachten ausgestellt.

2.    Gutachten mit Empfehlung für eine Nachschulung
13 Prozent der Personen, die zum ersten Mal wegen einer Alkoholfahrt zu einer MPU mussten, bekamen die Auflage, einen Nachschulungskurs zu belegen, bevor sie die Fahrerlaubnis neu beantragen konnten.

3.    Negatives Gutachten
36 Prozent der begutachteten Personen (bei einer erstmaligen Alkoholfahrt) konnten ihre Fahreignung in der MPU nicht unter Beweis stellen. Sie haben die Möglichkeit, nach einer gewissen Zeit einen neuen Anlauf zu versuchen.

Null Promille im Straßenverkehr
Einmal ganz abgesehen von der Unfallgefahr, die sich durch Alkoholfahrten deutlich erhöht: Eine MPU ist nicht nur zeitaufwändig, sondern kostet auch eine Stange Geld. Bei einem Unfall unter Alkoholeinfluss gilt der Versicherungsschutz meist nicht mehr,  das kann dann richtig teuer werden.
Die bessere Alternative ist natürlich, es gar nicht soweit kommen zu lassen. Eine Teilnahme am Straßenverkehr – ob als Auto-, Motorrad- oder auch Radfahrer – ist unvereinbar mit Alkohol. Auch alkoholisierte Fußgänger können sich und andere gefährden. Deshalb gilt für den Straßenverkehr immer und überall: Null Promille – Ehrensache.

Sonderregel für Fahranfänger und Unter-21-Jährige
Wichtig: Für Fahranfänger, die sich noch in der Probezeit befinden und/oder jünger als 21 Jahre alt sind, gilt im Straßenverkehr grundsätzlich die Null-Promille-Regel. Wer darüber liegt, begeht automatisch eine Ordnungswidrigkeit. Die Folgen: Ein Bußgeld von 250 Euro wird genauso fällig wie Punkte im „Verkehrszentralregister“ („Punkte in Flensburg“). Außerdem verlängert sich die Probezeit.
    
Quellen:
http://www.bast.de/cln_031/nn_42254/DE/Presse/Downloads/2012-17-langfassung-pressemitteilung,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/2012-17-langfassung-pressemitteilung.pdf