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Volksdroge Alkohol – die unterschätzten Risiken

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Schon seit einigen Tausenden Jahren nutzt der Mensch alkoholische Getränke als Genuss- und Rauschmittel. In vielen Ländern ist Alkohol inzwischen eine Art Volksdroge. Zwar gehen die meisten Menschen durchaus vernünftig mit Alkohol um, manche allerdings scheinen ihr Limit nicht zu kennen und trinken zu oft zu viel. Oftmals werden die Risiken des Alkohols offenbar unterschätzt. Wir liefern euch die harten Fakten zu den wichtigsten Risiken des Alkoholkonsums.

Alkohol am Steuer

Viele Autofahrer wissen Alkohol besonders im Winter zu schätzen – als Enteisungsmittel versteht sich. Wer sich jedoch alkoholisiert ans Steuer setzt, riskiert nicht nur seinen Führerschein, sondern setzt sich und andere Verkehrsteilnehmer auch einer erhöhten Unfallgefahr aus. Schon ab dem ersten Glas wird das Fahrverhalten beeinflusst. Was passiert, wenn man trotzdem mit Alkohol im Blut fährt, zeigen leider jedes Jahr die Unfallstatistiken auf: 2010 verletzten sich über 19.000 Menschen bei Unfällen, in denen Alkohol mit im Spiel war. Alkohol ist für jeden elften Verkehrstoten verantwortlich. Im Durchschnitt ist jeder dritte alkoholisierte Pkw-Fahrer, der in einen Unfall verwickelt wird, ein junger Erwachsener im Alter zwischen 18 und 24 Jahren und das obwohl der Anteil der 18- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur etwa 8 Prozent ausmacht.

„Was guckst du?!“

Alkohol enthemmt. Schüchterne Menschen trauen sich plötzlich Dinge zu, die sie unter nüchternen Bedingungen nicht wagen würden. Das kann buchstäblich ins Auge gehen. Denn zu viel Alkohol kann aggressiv machen: Die Hemmschwelle für gewalttätige Auseinandersetzungen sinkt, während gleichzeitig die negativen Konsequenzen aus dem Blickfeld geraten. Manche Männer fühlen sich dann schon durch Kleinigkeiten wie ein kurzer Augenkontakt provoziert und zetteln eine Schlägerei an.

Dumm nur: Unter dem Einfluss von Alkohol neigen viele Menschen zur Selbstüberschätzung und werden oft selbst Opfer von Gewalt.

Alkohol und Sex

Manche Menschen benutzen die enthemmende Wirkung des Alkohols, um leichter mit anderen in Kontakt zu kommen, vor allem auf Partys. Doch oftmals wird das Limit dabei deutlich überschritten. Da macht der eine oder die andere schon mal Sachen, die ihm oder ihr hinterher peinlich sind. Denn Suff ist definitiv nicht sexy: Die Aussprache wird unsauber, man beginnt zu lallen. Es soll Menschen geben, die das ganz witzig finden, doch zum Flirten ist das alkoholisierte Gefasel kaum geeignet. Ob Mann oder Frau, wer sich nicht mehr richtig artikulieren kann, kommt beim anderen Geschlecht meist nicht mehr so gut an.

Und ist Alkohol beim Sex im Spiel, wird gerne mal die Verhütung vergessen. Das kann langfristige Folgen haben wie ungewollte Schwangerschaften oder Geschlechtskrankheiten. Insbesondere für Mädchen und Frauen steigt zudem das Risiko, Opfer von ungewolltem Sex zu werden. In alkoholisiertem Zustand erkennen sie Warnsignale sehr viel schlechter und können sich nicht so gut wehren wie in nüchterner Verfassung.

Endstation Notaufnahme

Feiern bis der Arzt kommt, das wird für manche junge Menschen zur bitteren Realität. Rund 26.400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren haben 2009 diese Erfahrung gemacht. Die meisten von ihnen dürften anschließend das Krankenhaus wieder verlassen haben, doch manche überleben ihr Zechgelage nicht. Besonders wenn Hochprozentiges in kurzer Zeit getrunken wird, beispielsweise im Rahmen von Trinkspielen, kann es sein, dass die körpereigene Abwehr (Erbrechen) ausgetrickst wird. Dann droht Bewusstlosigkeit bis hin zum Atemstillstand.

Gesundheitliche Folgeschäden

Viele Menschen gehen fälschlich davon aus, dass gesundheitliche Schäden erst durch dauerhaft hohen Konsum eintreten. Doch die Forschung hat aufgezeigt, dass vor allem das Rauschtrinken – auch gelegentliches – das Gehirn nachhaltig schädigen kann. Vor allem Jugendliche sind davon betroffen, weil das Gehirn im Jugendalter besonders sensibel auf die schädigende Wirkung des Alkohols reagiert. Dies kann sich in schlechteren Lernleistungen in Schule, Studium und Beruf auswirken.

Aber nicht nur das Gehirn ist betroffen: Da sich Alkohol über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt, können fast alle Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. Alkohol ist auch für viele Fälle von Krebserkrankungenverantwortlich.

Für schwangere und stillende Frauen gelten besondere Bedingungen. Hier gilt: Alkoholverzicht während der gesamten Schwangerschaft und in der Stillzeit, da der Alkohol schon das ungeborene Baby schädigen kann und in die Muttermilch übergeht.

Abhängig? Ich doch nicht!

So reagieren vermutlich die meisten, wenn sie auf ihren Alkoholkonsum angesprochen werden. Richtig ist, dass die meisten erwachsenen Menschen, die Alkohol trinken, es bei ein bis maximal zwei Gläsern am Tag belassen. Doch einige trinken mehr, manche deutlich mehr. Wenn aber keine Konsumpausen mehr gemacht werden, kann sich schleichend eine Gewöhnung einstellen. Dann wirkt dieselbe Menge Alkohol nicht mehr so wie früher. Der Körper entwickelt eine Toleranz gegenüber Alkohol mit der Folge, dass die Trinkmengen erhöht werden. Am Ende kann sich daraus eine Abhängigkeit entwickeln.

Wer wissen möchte, ob der eigene Alkoholkonsum noch im grünen Bereich ist, der kann dies mit dem Selbsttest „Check your drinking“ schnell und unkompliziert prüfen.

Quellen:

  1. Statistisches Bundesamt: Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2010 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2011/Unfaelle2010/pressebroschuere__unfaelle,property=file.pdf
  2. Pressemitteilung Statistisches Bundesamt http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2011/01/PD11__039__231,templateId=renderPrint.psml