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Was tun, wenn jemand aus dem Freundeskreis trinkt?


Immer wieder erreichen uns Nachrichten von Besuchern der Website, die sich Gedanken um den Alkoholkonsum eines Freundes oder einer Freundin machen. Die beiden häufigsten Fragen dieser User sind: „Woran erkennt man einen problematischen Umgang mit Alkohol?“ und „Wie soll ich als Freund bzw. Freundin reagieren?“. Zwar ist jeder Einzelfall verschieden – es gibt aber Hinweise und Tipps, die sich bewährt haben, wenn jemand aus dem Freundeskreis zu viel trinkt.

Hoher Alkoholkonsum wird oft verharmlost
Vielen Menschen fällt es schwer, eine andere Person auf ihren Alkoholkonsum anzusprechen. Niemand möchte ein „Spielverderber“ sein oder sich in Dinge einmischen, die einen vielleicht gar nichts angehen. Dazu kommt oft eine Unsicherheit, ab wann man überhaupt von einem kritischen Trinkverhalten ausgehen kann.
„Viel vertragen können“ gilt bei einigen Menschen als etwas Positives und wird oft in Verbindung mit „Erwachsen sein“ oder „Männlichkeit“ („Ein ganzer Kerl ...“) gebracht. Das macht es auch nicht gerade leichter, das Thema anzusprechen. Dabei heißt „Viel vertragen können“ im Grunde nur, dass sich eine Person an Alkohol gewöhnt hat und mehr trinken muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Erwachsener oder härter wird man dadurch nicht. Ganz im Gegenteil, denn Alkohol stört zum Beispiel die Reifungsprozesse im Gehirn von Heranwachsenden. Und als „Heranwachsende“ gelten – wenn es um die Entwicklung des Gehirns geht – Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von ungefähr 20 Jahren. Eine Gewöhnung an Alkohol, Experten sprechen auch von einer „Alkoholtoleranz“, ist ein erster Schritt in Richtung eines problematischen Konsums.

Warnsignale: Rauschtrinken und fehlgeschlagene Selbstkontrolle
Größere und vor allem im Laufe der Zeit zunehmende Mengen Alkohol sind ein Anzeichen für einen problematischen Umgang mit Alkohol. Durch häufiges Rauschtrinken kann es nicht nur zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Hirnentwicklung kommen (siehe hierzu auch das Interview mit Prof. Laucht), auch jeder einzelne Rausch ist mit akuten Risiken verbunden.
Erfolglose Versuche, den eigenen Alkoholkonsum zu kontrollieren, sind ein weiteres Kriterium für ein kritisches Verhältnis zum Thema Alkohol: Wenn sich jemand vornimmt, an einem Abend weniger oder keinen Alkohol zu trinken und dies aus irgendwelchen Gründen nicht schafft, lässt das zwar nicht sofort auf ein Problem mit Alkohol schließen. Wenn dies aber häufiger vorkommt, liegt der Gedanke nahe, dass die Person ihren Alkoholkonsum nicht im Griff hat.

Vorsicht Frustsaufen
Ebenfalls ein kritisches Zeichen: Wenn jemand häufiger bei Problemen oder Stress trinkt. Daraus kann sich schnell ein Teufelskreis ergeben. Denn das Trinken löst die Schwierigkeiten nicht, es kann die Ausgangslage sogar noch verschärfen – weil man sich nicht um die Ursachen des Problems kümmert und die Folgen des Alkoholkonsums als zusätzliche Belastung noch dazu kommen können. Wenn dann wieder getrunken wird, um sich besser zu fühlen, kann das der Beginn eines solchen Kreislaufs sein.
Es gibt noch weitere Signale für einen schwierigen Umgang mit Alkohol, etwa wenn jemand einen Blackout hatte oder dazu neigt, unter Alkoholeinfluss aggressiv zu werden. Auch eine Teilnahme am Straßenverkehr im alkoholisierten Zustand ist ein Grund, sich als Freundin oder Freund Gedanken zu machen.

Ein Freund in Not ...
Was kann ich also tun, wenn ich bei jemandem aus dem Freundeskreis diese Anzeichen beobachte? Zuerst einmal ist es natürlich wichtig, für den anderen da zu sein. Vor allem wenn Sorgen oder Probleme ein Auslöser für das Trinken sind, ist man als Freundin oder Freund gefragt.
Der andere kann die Hilfe am besten annehmen, wenn man Vorwürfe und Beschuldigungen außen vor lässt. Am besten gelingt das, indem man ruhig seine Sicht schildert und sogenannte „Ich-Botschaften“ verwendet: „Ich mache mir Gedanken ...“ statt „Du hast ein Problem mit Alkohol“. Häufiger wird der oder die andere zunächst überrascht sein und vielleicht auch gar nicht über das Thema Alkohol sprechen wollen. In so einem Fall sollte man dem anderen Zeit und Freiraum geben und deutlich machen, dass er sich jederzeit melden kann. Trotzdem sollte man dranbleiben und nach einer Zeit noch einmal nachfragen.   

Eine Beratungsstelle in deiner Nähe
Professionelle Unterstützung findet man in Beratungsstellen, die es in vielen Städten in Deutschland gibt. Auf der Seite Wo finde ich Hilfe? gibt es einen Link zu einem Beratungsstellenfinder. Außerdem steht dort die Telefonnummer des BZgA-Info-Telefons, eine gute erste Anlaufstelle für eine anonyme Beratung durch eine Expertin oder einen Experten.

Mehr Infos gibt es unter Freunden helfen