Zum Hauptinhalt springen

Welche Persönlichkeitsmerkmale begünstigen Alkoholprobleme?

|   News

Wenn junge Leute am Wochenende „ordentlich einen drauf machen“ läuft das häufig auf Rauschtrinken hinaus – mit den bekannten Risiken fürs Image und die Gesundheit. Mit dem Älterwerden nehmen die Wochenend-Alkoholexzesse dann wieder ab, und die meisten hören ganz selbstverständlich mit dem Rauschtrinken wieder auf. Einige wenige aber finden es auch als Erwachsene weiterhin cool, sich häufig zu betrinken. Da stellt sich die Frage: Woran liegt das?

Trinkmuster von jungen Erwachsenen

Ein Glas Wein zum Essen oder ein Bier zum Feierabend? Solche Trinkmuster sind bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht zu finden. Wenn Alkohol getrunken wird, dann häufig am Wochenende und mehr als ein Glas: Rauschtrinken ist aber nicht nur mit vielen Risiken verbunden. Es kann sich auch ein problematischer Alkoholkonsum – also zu häufig zu viel Alkohol – daraus entwickeln. Etwa 40 Prozent der 18- bis 20-Jährigen haben ein problematisches Trinkverhalten. Damit ist dieses Verhalten – verglichen mit anderen Altersgruppen unter jungen Erwachsenen – am weitesten verbreitet. Mit zunehmendem Alter sinkt dann der Anteil der Personen mit problematischem Trinkverhalten - ein kleiner Teil behält das schädliche Trinkmuster allerdings bei. 

Persönlichkeit und Alkoholkonsum

Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat untersucht, woran es liegen könnte, dass problematischer Alkoholkonsum im Erwachsenenalter fortgesetzt wird. Das Forschungsteam um Cheryl Beseler hat dazu im Nordosten der USA mit 361 College-Studentinnen und Studenten eine anonyme Online-Befragung durchgeführt. In der Befragung wurden Angaben zum Trinkverhalten gemacht und Fragen zu Persönlichkeitseigenschaften wie Impulsivität und Aggressivität beantwortet. Zusätzlich wurde erfasst, ob erste Anzeichen für Alkoholmissbrauch oder bereits Alkoholabhängigkeit vorliegen. Das Ergebnis: Anhand der Angaben ließen sich grob zwei Gruppen bilden. In der ersten und größeren Gruppe gab es kein auffälliges Trinkverhalten und kein Anzeichen für Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit. Die zweite Gruppe fiel hingegen durch exzessives Trinkverhalten auf.

Sind exzessive Trinker impulsiver? 

Die Gruppe mit exzessivem Trinkverhalten unterteilte sich wiederum in zwei Untergruppen: In der ersten Untergruppe war rund ein Drittel alkoholabhängig; in der zweiten Untergruppe traf dies auf alle zu. In dieser zweiten Untergruppe waren die Personen stärker geneigt Alkohol zu trinken, um sich besser zu fühlen; sie hatten mehr alkoholbezogene Probleme. Bei der anschließenden genaueren Betrachtung der Persönlichkeitseigenschaften beider Untergruppen stellten die Forscher fest, dass die Personen, die mehr alkoholbezogene Probleme aufwiesen und ein höheres Maß an Abhängigkeit zeigten, deutlich höhere Werte für Impulsivität und Aggressivität hatten. Es wird vermutet, dass diese Persönlichkeitsmerkmale das Risiko erhöhen, schädliches Trinkverhalten auch nach Abschluss des Studiums beizubehalten, woraus sich ein dauerhaftes Alkoholproblem entwickelt.

Fazit

Richtig ist: Rauschtrinken im Jugendalter ist mit großen Risiken verbunden. Ob sich aus dem jugendlichen Rauschtrinken aber ein dauerhaftes Alkoholproblem im Erwachsenenalter entwickelt – ein Alkoholmissbrauch oder auch eine Sucht – scheint auch mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammen zu hängen: Wer impulsiver ist, heftiger reagiert und auch eher zu Wut und Aggression neigt, hat wohl ein höheres Risiko. Andererseits: Wer lässig und etwas entspannter durchs Leben geht, der bleibt auch beim Alkohol locker im Limit!

Quellen:

  1. Studie: Heavy Drinking Undergraduates Who Are Impulsive, Aggressive May Be at High Risk for Alcohol Problems 
    http://www.sciencedaily.com/releases/2011/10/111014162815.htm
    Originalartikel http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1530-0277.2011.01595.x/full
  2. Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen. Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys 2009. 
    http://www.psycontent.com/content/h5qq316gk26137t8/?p=85b0ac0544294abf9ee3eb71b2e69d7f&pi=3  
  3. Transitioning into and out of large-effect drinking in young adulthood
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11502081