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Wenn der Alkoholrausch zum Notfall wird


26.349 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 19 Jahren mussten im Jahr 2011 wegen einer akuten Alkoholvergiftung in einem Krankenhaus behandelt werden. Diese Zahl gab vor kurzem das Statistische Bundesamt bekannt. Damit ist die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund eines akuten Alkoholrauschs anhaltend hoch. „Das gilt nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene.“ stellt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), in einer Pressemitteilung klar.

Anstieg der Alkoholvergiftungen in fast allen Altersgruppen

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen deutlich: Seit 2002 ist die Zahl der Krankenhauseinlieferungen mit der Diagnose ‚Alkoholrausch' in fast allen Altersgruppen angestiegen. Im Jahr 2000 wurden insgesamt 54.041 Menschen (jeden Alters) wegen einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus gebracht, in 2011 waren es mit 116.536 Personen mehr als doppelt so viele. Seit 2009 stabilisiert sich die Lage, allerdings auf einem hohen Niveau.

Diagnose ‚Akuter Alkoholrausch'

Was bedeuten diese Zahlen? Zum einen lässt sich vermuten, dass das Bewusstsein für die Risiken eines Alkoholrauschs in der Bevölkerung gestiegen ist und viele Menschen deshalb im (Not-) Fall einer Alkoholvergiftung frühzeitig notärztliche Hilfe suchen.

Und tatsächlich kann ein Alkoholrausch schneller zum Notfall werden, als viele denken. Bei hohen Alkoholmengen wird die Funktionsweise des sogenannten ‚Stammhirns‘ beeinträchtigt, das für die Atmung und den Herzrhythmus zuständig ist. Atmung und Puls können so schwach werden, dass die Betroffenen ihr Bewusstsein verlieren. 

Ein Alkoholrausch hat oft auch Folgen für andere

Die vielen Krankenhauseinlieferungen bedeuten aber auch, dass immer noch zu viele Jugendliche und Erwachsene auf riskante Weise Alkohol trinken. Von einer Alkoholvergiftung spricht man, wenn Bewusstsein und Körperfunktionen von Menschen durch Alkohol stark beeinträchtigt sind. 

Nicht nur die eigene Gesundheit ist in Gefahr, wenn der Alkoholpegel steigt:

  • Ab 0,3 Promille verlängert sich die Reaktionszeit von Verkehrsteilnehmern und ihre Risikobereitschaft nimmt zu. Ihr Unfallrisiko verdoppelt sich dadurch. In jedem Jahr verunglücken ungefähr 20.000 Menschen bei Alkoholunfällen, etwa 400 Menschen sterben jährlich in Folge eines solchen – von ihnen selbst oder von anderen verursachten – Alkoholunfalls.
  • Einige Menschen macht Alkohol auch gewaltbereiter. Nahezu jeder dritte Fall von Vergewaltigung und sexueller Nötigung wird unter Alkoholeinfluss begangen.
  • Das Risiko für ungeschützten Geschlechtsverkehr nimmt durch Alkoholkonsum zu, mit all seinen möglichen Folgen wie ungewollte Schwangerschaften oder Geschlechtskrankheiten, die man oft nur schwer oder – wie im Fall von HIV – gar nicht wieder los wird.

Schon diese kurze Aufzählung zeigt: Die Folgen von zu viel Alkohol betreffen oft auch andere Menschen.

Viele Jugendliche bleiben im Limit

In den Medien wurde das Thema Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den letzten Jahren vermehrt aufgegriffen, häufig mit Schlagworten wie „Komasaufen“ oder „Kampftrinken“. Dabei wird zum Teil der Eindruck vermittelt, dass eine Mehrheit der Jugendlichen „regelmäßig bis zum Umfallen säuft“.

Die Zahlen der BZgA zeichnen da ein anderes, genaueres Bild: Danach ist der regelmäßige Alkoholkonsum bei den Jugendlichen seit den 1970er Jahren sogar zurück gegangen. Und eine Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat in den letzten 30 Tagen keinen Alkoholrausch erlebt. Fakt ist aber zum Beispiel auch, dass die Gruppe der Jugendlichen, die sich in einen Rausch (fünf oder mehr Gläser bei einer Gelegenheit) trinkt, immer noch eindeutig zu hoch ist: Bei den 12- bis 17-Jährigen sind es 15 Prozent, bei den 18- bis 25-Jährigen sogar 42 Prozent, die im letzten Monat bei mindestens einer Gelegenheit fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken haben.

Ob jemand im Limit bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem auch von den Trinkgewohnheiten im Freundeskreis, wie Studien zeigen. Die Verantwortung über den eigenen Alkoholkonsum trägt jedoch jeder Mensch selbst. Tipps wie man leichter im Limit bleibt, findest du hier. Wir freuen uns über Kommentare und Anregungen zu unserer Kampagne. Auf Facebook und in unserem Forum könnt ihr euch mit anderen Usern über die Kampagne und das Thema Alkohol austauschen. 

Quelle:

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/DiagnoseAlkoholJahre.html

http://www.bzga.de/presse/pressemitteilungen/?nummer=798