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Wenn in Filmen der Alkohol fließt ...


Junge Frau und Junger Mann im Kino.

Alkohol auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm kann das Trinkverhalten beeinflussen. Klar, sonst gäbe es ja auch keine Alkoholwerbung, werden jetzt viele denken. Gemeint sind in diesem Fall aber Spielfilme, in denen Alkohol getrunken wird – auch die haben einen Einfluss auf den Alkoholkonsum der Zuschauer. Wir haben im ersten Teil der News darüber berichtet.

Diese Wirkung von Filmen machen sich auch Unternehmen zunutze, die auf das sogenannte „Product Placement“ setzen. Davon spricht man, wenn Firmen den Filmschaffenden Geld dafür bezahlen, dass zum Beispiel eine bestimmte Alkoholmarke im Bild zu sehen ist. Den Zuschauern ist dabei meist nicht bewusst, dass sie in diesem Moment eigentlich „Alkoholwerbung“ sehen. Weil sie unterschwelliger verläuft, ist die Wirkung der im Film „versteckten“ Werbung oft sogar noch stärker als im offiziellen „Werbeblock“, so die Annahme von Experten.

Wissenschaftler aus den Niederlanden haben jetzt in einem Experiment herausbekommen, dass Filmszenen, in denen Alkohol getrunken wird, dazu beitragen, dass die Zuschauer stärker in den Film „hineingezogen“ werden. Die Wissenschaftler zeigten 159 Studenten verschiedene Videos. In einigen dieser Videos waren Alkoholszenen enthalten, in anderen nicht. Nachdem sie die kurzen Filme geschaut hatten, wurden die Studienteilnehmer gefragt, wie sie das Gesehene fanden und wie gut sie in das Filmgeschehen hineinfanden. Es zeigte sich, dass sie die Filme mit den Alkoholszenen insgesamt besser bewerteten und offenbar auch stärker in das Filmgeschehen hineingezogen wurden.

Die Erklärung des Studienverantwortlichen für dieses Untersuchungsergebnis: „In bestimmten Situationen, zum Beispiel bei Partys, trinkt eine Mehrheit der Menschen Alkohol. Wenn dann in einem Film in so einer Situation kein Alkohol getrunken wird (obwohl man es als Zuschauer erwartet), bewertet man die Filmszene möglicherweise negativer, weil sie einem weniger realistisch vorkommt.“

Bestimmte Filmszenen mit Alkohol werden also offenbar intensiver und positiver erlebt (als die gleichen Szenen, nur ohne Alkohol). Daraus wiederum könnte man den Schluss ziehen, dass die Ergebnisse der niederländischen Studie auch etwas über den Umgang der Gesellschaft mit Alkohol aussagen, nämlich dass das Trinken von Alkohol in bestimmten Situationen (wie zum Beispiel auf einer Feier) die Norm ist. Und es sich weniger „normal“ (bzw. im Film weniger realistisch) anfühlt, wenn in der betreffenden Situation kein Alkohol getrunken wird.

Wenn man also über das Thema Alkoholkonsum von Jugendlichen und auch Erwachsenen spricht, sollte man auch an diese „unsichtbaren“ gesellschaftlichen Regeln und Normen denken. Denn viele Menschen richten sich – meist nicht bewusst – danach, was die anderen so machen. Nicht immer, denn es gibt ein gutes Gegenmittel gegen das „Mitschwimmen im Strom“: Kopf einschalten und selber entscheiden. Wie es leichter fallen kann, im Limit zu bleiben, auch wenn die anderen sich betrinken, zeigen wir hier. Und hättest du gedacht, dass sich Songs, in denen Alkohol vorkommt, auf den eigenen Konsum auswirken können? Mehr dazu unter Alkohol in den Musik-Charts.

Quellen:

Hanewinkel, R., Sargent, J. D., Poelen, E. A. P., Scholte, R., Florek, E., Sweeting, H., Hunt, K., Karlsdottir, S., Hrafn Jonsson, S. & Mathis, F. (2012). Alcohol Consumption in Movies and Adolescent Binge Drinking in 6 European Countries. Pediatrics, doi: 10.1542/peds.2011-2809.

http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2012/02/29/peds.2011-2809.abstract

http://www.drugcom.de/aktuelles-aus-drogenforschung-und-drogenpolitik/archiv/?sid=2013&idx=896