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Wie viel Alkohol ist noch „normal“?


„Wie viel ich trinke, das entscheide ich selbst!“ Das denken sicher die meisten. Aber der Mensch ist ein soziales Wesen, lebt in einer Gesellschaft und lässt sich von anderen beeinflussen.

Alkohol und soziale Norm

Die Gesellschaft und ihr Umgang mit Alkohol prägen das Trinkverhalten des Einzelnen. Kulturelle Einflüsse und vielfältige soziale Normen bestimmen auch beim Alkoholkonsum, was als „normal“ gilt. In unserer Kultur ist Alkohol für viele Menschen fester Bestandteil von Partys und feierlichen Anlässen und gehört wie selbstverständlich zu Gelegenheiten, bei denen Menschen zusammen kommen, dazu (mehr dazu).
Kinder beobachten, wie, wann, wo und auch warum Erwachsene Alkohol trinken. Sie erlernen durch diese Beobachtung die soziale Norm des Alkoholkonsums.
Für Jugendliche werden neben den erwachsenen Vorbildern zusätzliche Einflussfaktoren – wie zum Beispiel der Freundeskreis – dann wichtig und prägend.

Erstaunliches Studienergebnis: Alkoholkonsum wird häufig überschätzt

Studien mit amerikanischen Studierenden haben gezeigt, dass Studierende, die vorher fast nie oder ganz wenig Alkohol getrunken hatten, durch die Bedingungen am College beeinflusst wurden und in der Folge häufiger und mehr Alkohol konsumierten. In erster Linie wurden sie durch den Alkoholkonsum ihrer Mitstudierenden beeinflusst, aber auch die leichte Verfügbarkeit von Alkohol und der günstige Preis spielten eine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit für exzessives Rauschtrinken stieg damit deutlich an.
Gerade junge Menschen neigen dazu, den Alkoholkonsum von Gleichaltrigen falsch einzuschätzen: Die Menge wird deutlich überschätzt. Diese falsche Einschätzung führt bei einigen zu einem höheren Alkoholkonsum, denn sie wollen der vermeintlichen Norm entsprechen. Im Klartext: Viele jungen Menschen glauben, dass Gleichaltrige mehr trinken als sie selbst. Ihr eigenes Trinkverhalten passen sie dem vermeintlich höheren „Norm-Konsum“ an.

Einige betreiben heftiges Rauschtrinken

Jugendliche haben schon immer mit Alkohol experimentiert. Denn in unserer Kultur gehört es zu den wichtigen Entwicklungsaufgaben, den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu erlernen und seine persönliche Norm zu finden, damit man im Limit bleibt.
In den letzten Jahren zeichnen sich beim jugendlichen Alkoholkonsum in Deutschland aber zwei gegensätzliche Trends ab. Zum einen kommt es bei einigen Jugendlichen zu häufigem Rauschtrinken und zu Trinkexzessen, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können (mehr dazu).

Die Mehrheit trinkt maßvoll

Zum anderen ist festzustellen, dass die große Mehrheit der Jugendlichen insgesamt weniger und seltener trinkt. Die soziale Norm unter jungen Menschen entwickelt sich also insgesamt hin zu einem gemäßigten Alkoholkonsum.

Nur wer in seinem direkten Umfeld viele Freunde, Freundinnen und Bekannte hat, die sich häufig betrinken, bei dem bildet sich womöglich eine „subjektive soziale Norm“ aus, die das Betrinken als normal ansieht. Für alle anderen gilt aber: Im Limit bleiben ist die Norm!

Und wie beurteilst du den Alkoholkonsum bei deinen Freunden, Bekannten oder auch Gleichaltrigen? ?Findest du es normal, dich dann und wann zu betrinken? Oder machst du da nicht mit? Wie viel Alkohol erscheint dir als „normal“?

Schreib’ uns!

Quellen

Studenten: Alkoholkonsum von Kommilitonen abhängig

Taking up Binge Drinking in college: The influences of person, social Group, and environment

Alkoholkonsum Jugendlicher sinkt (BZgA Drogenaffinitätsstudie 2008)


Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu.

Möglichst viel, möglichst schnell trinken

Social norms and alcohol consumption among intercollegiate athletes: The role of athlete and nonathlete reference groups