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Alkohol und Medikamente – wie gefährlich ist diese Kombination?


Schmerztabletten und Alkohol – ist das ein Problem? Wegen einer Erkrankung bereits ein paar Tage Antibiotikum nehmen und dann dennoch zu Bier oder Wein greifen. Geht das gut? Darf man eigentlich Schmerztabletten und Alkohol, Antibiotikum, Schlaftabletten usw. gleichzeitig konsumieren? Und wenn nicht – welche Konsequenzen drohen?


Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Alkohol und Medikamente sollten grundsätzlich nicht in Kombination eingenommen werden. Der Mix kann stark gesundheitsschädliche Nebenwirkungen haben.

Gehemmter Abbau

Medikamente haben erwünschte Wirkungen, aber auch unerwünschte Nebenwirkungen – allerdings nur bis die Substanz in unschädliche Stoffe aufgespalten und ausgeschieden wird. Dieser Stoffwechselprozess wird Metabolisierung genannt. Meist geschieht dieser Prozess in der Leber. Je langsamer ein Medikament abgebaut wird, desto länger halten auch die Nebenwirkungen des Medikaments an. Hier beginnt das Problem: Ist im Blut noch eine zweite Substanz vorhanden, die ebenfalls von der Leber abgebaut werden muss, wie zum Beispiel Alkohol, kann es zu einem verlangsamten Abbau beider Substanzen kommen. Wirkungen und Nebenwirkungen beider Substanzen können somit länger anhalten. Im schlimmsten Fall sind dadurch sogar Vergiftungen möglich [3].
Aber nicht nur ein verlangsamter Abbau ist möglich. Verschiedene Antibiotika wie Metronidazol und Cefotetan bewirken, dass ein für den Abbau von Alkohol wichtiges Enzym, die Aldehyddehydrogenase, in seiner Funktion beeinträchtigt wird. Als Folge davon wird das giftige Abbauprodukt Acetaldehyd (ADH) nicht schnell genug in ungiftige Stoffe aufgespalten. Die Betroffenen erleben dann bereits bei geringen Mengen Alkohol die so genannte Flush-Reaktion: Ihnen wird übel, sie bekommen ein knallrotes Gesicht, fangen an zu schwitzen und kriegen Herzrasen [1]. Dieses Phänomen ist auch bei vielen Asiaten bekannt, denen aufgrund einer genetischen Variante dieses Enzym fehlt (mehr zum Alkoholabbau).

Erhöhte Gefahr für die Leber

Wer sich gar betrinkt oder chronisch zu Alkohol greift, bekommt zusätzliche Probleme [4, 5, 7], denn durch erhöhten Alkoholkonsum verändert sich der Anteil an Enzymen in der Leber. Dies betrifft vor allem das Enzym CYP2E1. Dieses Enzym ist nicht nur für den Abbau von Alkohol, sondern auch für die Metabolisierung von Schmerzmitteln wie Paracetamol oder dem Antibiotikum Isoniazid verantwortlich. CYP2E1 führt dazu, dass diese Substanzen verstärkt in ein leberschädigendes Molekül umgebaut werden. Ab einer bestimmten Dosis kann das schwerwiegende Folgen für die Leber haben [5].

Verstärkte Wirkung

Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Medikamenten kann auch gefährlich werden, wenn beide Substanzen eine ähnliche Wirkung haben. Typisch für Alkohol ist die dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Dadurch stellt sich eine beruhigende und entspannende Wirkung ein. Werden nun zusätzlich Medikamente eingenommen, die ebenfalls eine beruhigende Wirkung haben, wie zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel, dann kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen durch die gegenseitige Verstärkung kommen. Im Extremfall ist ein Atem- und Herzstillstand die Folge.
Dies gilt auch für Medikamente, deren beruhigende Wirkung nur eine Nebenwirkung ist, wie beispielsweise bei einigen Antidepressiva oder auch bei bestimmten Mitteln gegen Allergien wie Heuschnupfen (mehr dazu) [1].
Schon bei moderatem Alkoholkonsum kann sich ein Gefühl von starker Benommenheit einstellen. Am Straßenverkehr sollte man dann auf keinen Fall mehr teilnehmen!
Besondere Vorsicht ist bei Medikamenten geboten, die Opioide enthalten. Dazu gehört beispielsweise Morphium, aber auch das Hustenmittel Codein. Eine Überdosierung von Alkohol und Opiaten kann einen Atemstillstand zur Folge haben [1].
Bekannt ist außerdem ja, dass Alkohol die Blutgefäße erweitert und den Blutdruck senkt. In Kombination mit blutdrucksenkenden Medikamenten kann es unter Umständen zu einem Kreislaufkollaps kommen [2].

Vorsicht auch bei rezeptfreien Medikamenten!

Auch bei rezeptfreien Medikamenten kann es zu Komplikationen kommen: Schmerztabletten wie Ibuprofen oder Aspirin greifen die Magenschleimhäute stark an. Zusammen mit Alkohol kann sich dieser Effekt verstärken und im schlimmsten Fall eine Magenblutungen verursachen [2].

Fazit:

Medikamenteneinnahme und Alkoholkonsum – auch wenn es nur wenig ist – kann schnell unangenehme bis gefährliche Wechselwirkungen nach sich ziehen. Wer Medikamente nimmt, sollte sein Alkohol-Limit am besten auf Null setzen!

Quellen:

  1. Wechselwirkungen zwischen Alkohol und Medikamenten (in Englisch)
    https://webapps.ou.edu/alcohol/docs/13EtohandMedicationInteractions40-54.pdf
  2. Übersichtsartikel zu Wechselwirkungen von Alkohol und Medikamenten (in Englisch)
    http://www.uspharmacist.com/content/d/feature/c/23857/
  3. Wechselwirkungen von Medikamenten
    http://www.netdoktor.de/Medikamente/Rund-ums-Medikament/Medikamente-Wechselwirkungen-260.html
  4. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2562542/
  5. http://www.medicinaoral.com/pubmed/medoralv13_i4_p235.pdf
  6. http://www.curado.de/Entstehung-Leberzirrhose-10620/
  7. http://www.mayoclinic.com/health/antibiotics-and-alcohol/AN01802

Links: