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Alkohol: Retter in der Not?


Schlechte Laune hat jeder mal – die einen mehr, die anderen weniger. Manche Menschen kommen aber aus einer psychischen Krise einfach nicht richtig heraus, sie schleppen sich in trüber Stimmung, lustlos und ohne Antrieb durch den Tag. In solchen Fällen kann das Krankheitsbild einer Depression vorliegen.

Depressionen sind weit verbreitet. Die Erkrankung zieht sich durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten. Alkohol scheint für manche Betroffene als „Retter in der Not“, weil im ersten Moment die triste Stimmung erträglicher wird. In Wahrheit aber hat Alkohol eine fatale Wirkung, wenn Menschen zu Depressionen neigen.

Volkskrankheit Depression

Unter einer Depression versteht man eine Erkrankung, die charakterisiert ist durch eine gedrückte, traurige Stimmung sowie durch Interessenlosigkeit und Antriebsverlust. Betroffene plagen häufig unbegründete Selbstvorwürfe, sie leiden unter Schlaflosigkeit und Appetitverlust. Einer Studie der Universität Heidelberg zufolge gibt fast jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge im Alter von 14 bis 16 Jahren an, unter depressiven Störungen zu leiden. Mit dem Älterwerden werden die Unterschiede zwischen Männern und Frauen geringer: Unter Erwachsenen bis 29 Jahre leiden rund 12 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer unter einer depressiven Störung.
Für manche Betroffene ist Alkohol ein verlockendes Mittel, um sich aufzumuntern. Warum ist das so?

Veränderungen im Gehirn

Serotonin und Dopamin gelten als so genannte „Glückshormone“. Es handelt sich dabei um wichtige Hirnbotenstoffe (Neurotransmitter), die unter anderem für unser Wohlbefinden zuständig sind. Alkohol kann die Ausschüttung dieser Hirnbotenstoffe ankurbeln. Durch die Überflutung des Gehirns mit Serotonin und Dopamin fühlt man sich dann entspannt und euphorisch.

Menschen mit Depressionen haben häufig einen zu niedrigen Serotonin-Spiegel im Gehirn und fühlen sich daher niedergeschlagen und unglücklich. Alkohol kann im ersten Moment dabei helfen, die Hirnchemie zu regulieren und für Entspannung und Wohlbefinden sorgen. Wer jedoch immer wieder trinken muss, um dieses Wohlgefühl zu erleben, geht ein hohes Risiko ein, alkoholabhängig zu werden.

Außerdem kann Alkohol depressive Verstimmungen und Depressionen auch auslösen.

Alkohol macht depressiv

Das klingt zunächst paradox, ist aber wissenschaftlich bestätigt: Wer häufig Alkohol trinkt, riskiert eine Depression. Kurzfristig mag Alkohol die Stimmung heben, häufiger Alkoholkonsum aber schlägt ins Gegenteil um.
Das haben Forscher der Universität von Otago in Neuseeland herausgefunden. In einer Längsschnittstudie mit über 1.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren wurde die Frage untersucht, ob Alkohol eher Folge oder Ursache einer Depression ist. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass problematischer Alkoholkonsum eher die Ursache für eine entstehende Depression ist als die Folge einer vorhandenen Depression.
Die „Selbstmedikation mit Alkohol“ –  also der Alkoholkonsum zur Kompensation einer vorhandenen Depression – ist demnach im Jugendalter selten. Häufiger wird die Entstehung einer Depression in jungen Jahren durch hohen Alkoholkonsum gefördert. Dies ist insbesondere der Fall, wenn bereits eine Veranlagung zu depressiven Verstimmungen vorhanden ist.

Auch beim Auslösen einer Depression durch regelmäßigen und hohen Alkoholkonsum besteht ein enger Zusammenhang zu den Hirnbotenstoffen: Durch regelmäßigen Alkoholkonsum wird das Gehirn ständig mit Botenstoffen (Neurotransmittern) überflutet. Das Gehirn passt sich in der Folge an die veränderte Situation an und wird weniger empfindlich gegenüber diesen Botenstoffen. Die Anzahl der körpereigenen Botenstoffe sinkt daraufhin. Wenn der Alkoholkonsum dann eingestellt wird, sind zu wenige Botenstoffe im Gehirn, um für ein Wohlgefühl sorgen zu können. Die Folge kann eine Depression sein, unter der man ein Leben lang zu leiden hat.

Fazit

Eine Depression oder auch eine depressive Verstimmung können sowohl Folge als auch Ursache von problematischem Alkoholkonsum sein. In beiden Fällen ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen, denn Alkohol ist kein Seelentröster!   

Quellen:

Jugend in der Psychokrise
http://www.netdoktor.de/Magazin/Depressionen-bei-Teenagern-Ju-11117.html

Die Rolle des Serotonins für die Wirkung des Alkohols auf das Gehirn
http://pubs.niaaa.nih.gov/publications/arh21-2/114.pdf

Alkoholmissbrauch erhöht das Risiko einer Depression
http://archpsyc.ama-assn.org/cgi/content/full/66/3/260

Depressive Erkrankungen
http://www.gbe-bund.de/gbe10/ergebnisse.prc_tab?fid=13165&suchstring=&query_id=&sprache=D&fund_typ=TXT&methode=&vt=&verwandte=1&page_ret=0&seite=1&p_lfd_nr=2&p_news=&p_sprachkz=D&p_uid=gastg&p_aid=11928078&hlp_nr=2&p_janein=J#Kap5.1

Adolescent Depression, Alcohol and Drug Abuse
http://ajph.aphapublications.org/cgi/reprint/77/2/178.pdf

Wirkung des Serotonins im Gehirn
http://www.gesundheit.de/krankheiten/psyche-und-sucht/depressionen/serotonin

Wirkung des Dopamins im Gehirn
http://www.gesundheit.de/krankheiten/psyche-und-sucht/dopamin