Zum Hauptinhalt springen

Männer, Frauen und Alkohol


Junger Mann und junge Frau Rücken an Rücken

„Der weibliche Körper verträgt weniger Alkohol als der männliche“, erklärt Prof. Dr. Stöver, Experte für Suchtforschung in einem Interview, das wir im vergangenen Jahr mit ihm geführt haben. Und lieferte auch gleich die Hauptbegründung für den Unterschied zwischen den Geschlechtern: „Dieselbe Menge Alkohol wird im Körper eines Mannes stärker verdünnt.“. Denn Männer verfügen in der Regel über mehr Körperflüssigkeit als Frauen. Das liegt daran, dass sie einen höheren Muskelanteil haben und im Allgemeinen mehr wiegen als Frauen. Außerdem wird der Alkohol im weiblichen Körper etwas langsamer abgebaut.

Frauen kommen also schneller auf einen hohen Promillewert als Männer. Dass sie sensibler auf Alkohol reagieren, zeigt sich auch bei den Gesundheitsrisiken durch zu viel Alkohol: Die gesundheitsschädigende Wirkung von Alkohol tritt bei Frauen schon bei geringeren Mengen ein (im Vergleich zu Männern).

Deshalb liegen bei Frauen die empfohlenen Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum um die Hälfte niedriger als bei Männern: ein Standardglas pro Tag, bei Männern sind es zwei Standardgläser. Für beide Geschlechter gilt: An mindestens zwei Tagen in der Woche sollte gar kein Alkohol getrunken werden, um einem Gewöhnungseffekt vorzubeugen. Wichtig: Diese Grenzwerte sind für Erwachsene definiert worden. Für Jugendliche gibt es keine Alkoholmenge, bis zu der man von einem geringen Risiko durch das Zellgift Alkohol sprechen könnte. Das liegt vor allem daran, dass im Jugendalter die  Entwicklung des Gehirns noch nicht abgeschlossen ist und Alkohol diesen Prozess gefährden kann. Auf den niedrigeren Alkohol-Grenzwert bei Frauen sind die Experten gekommen, nachdem sie Hunderte von Studien ausgewertet hatten. Alle diese Untersuchungen beschäftigten sich mit der Frage, ab welcher Menge der Konsum von Alkohol zum Gesundheitsrisiko wird. Die Alkoholmenge, ab der der Konsum nicht mehr risikoarm ist, unterscheidet sich natürlich, je nachdem welche Gesundheitsschäden gerade betrachtet werden. Es zeigten sich aber durchgehend Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei Frauen stieg das Gesundheitsrisiko, wenn sie regelmäßig mehr als 10 bis 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag konsumierten. Das entspricht genau der Menge, die in einem Standardglas enthalten ist. Bei den Männern liegt diese Grenze bei etwa zwei Standardgläsern – daher also die genannten Grenzwerte.

links steht der Text Infos für Frauen rechts Infos für Männder

Frauen vertragen also tatsächlich weniger Alkohol als Männer. Und trotzdem: Schaut man in verschiedene Statistiken, wird deutlich, dass verstärkt Männer von den Folgen ihres Alkoholkonsums betroffen sind. Wie lässt sich das erklären? Mehr dazu im zweiten Teil der News.

Quellen:

Burger, M., Bronstrup, A. & Pietrzik, K. (2004). Derivation of tolerable upper alcohol intake levels in Germany: A systematic review of risks and benefits of moderate alcohol consumption. Preventive Medicine, 39 (1), 111-127

Seitz, H.K., Bühringer G., Mann, K. [2008]. Grenzwerte für den Konsum alkoholischer Getränke. In DHS (Hrsg.).

Jahrbuch Sucht 2008. Geesthacht: Neuland, 205-209