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Müde und gereizt? Vielleicht ist ein „versteckter Kater“ im Spiel


Der berühmte Kater am Morgen ist ein schmerzhaftes Zeichen dafür, dass man über sein Limit getrunken hat. Manche denken: „Wenn mir am nächsten Tag nicht schlecht ist oder ich keinen Brummschädel habe, wird mein Alkoholkonsum wohl im Rahmen gewesen sein.“ Das stimmt allerdings nicht, denn wie will man seinen Alkoholkonsum steuern, wenn man erst am nächsten Tag feststellt, ob man im Limit geblieben ist?
Außerdem übersieht diese „Logik“, dass es Nachwirkungen von Alkohol gibt, die nicht unbedingt mit  Alkoholkonsum verbunden werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Der Alkohol vom Vortag kann sich auch dann auf Körper und Psyche auswirken, wenn nicht die klassischen Symptome eines „Katers“ wie Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit  auftreten.


Die drei Symptome eines „versteckten Katers“
Ein Beispiel: Tobias, 19, hat über sein Limit getrunken. Am nächsten Tag ist er müder und gereizter als sonst. Weil er keine Übelkeit oder Kopfschmerzen verspürt, kommt er nicht auf die Idee, dass die Gereiztheit oder die Müdigkeit etwas mit dem Alkohol vom Vortag zu tun haben können. Dabei ist zum Beispiel der negative Einfluss von Alkohol auf die Schlafqualität erwiesen. Und auch die niedrigere „Reizschwelle“ ist eine typische Folge von zu viel Alkohol.
Experten aus England sprechen in diesem Zusammenhang von einem so genannten „hidden hangover“, also einem „versteckten Kater“. Sie unterscheiden dabei drei Symptome:
- Müdigkeit aufgrund von Schlafmangel oder schlechtem Schlaf
- stärkeres Stressempfinden
- Veränderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen


Die Nachwirkungen des Alkohols lassen einige Menschen am nächsten Tag schneller aus der Haut fahren als üblich, sind also schneller gereizt. Andere hören nicht richtig zu oder sind einfach unaufmerksamer als sonst. Das kann sich auf die Beziehung mit anderen Menschen natürlich negativ auswirken.

Mehr Alkohol – weniger Schlaf
Alkohol stört die chemischen Prozesse, die für die Erholung des Körpers in der Nacht notwendig sind. In einer Umfrage aus England zeigte sich, dass sich fast die Hälfte der Befragten müder fühlen, wenn sie am Tag zuvor zuviel Alkohol getrunken hatten.
Die meisten stellten aber keine Verbindung zwischen der Abgeschlagenheit und dem Alkoholkonsum her.
Dabei wissen Schlafexperten, dass Alkohol die natürliche Abfolge der Schlafphasen in der Nacht durcheinander bringt. Eine dieser Schlafphasen ist der so genannte REM-Schlaf (Rapid Eye Movement), der sich durch schnelle Augenbewegungen im Schlaf auszeichnet. Man geht davon aus, dass ein Großteil unserer Träume in diesen REM-Schlafphasen stattfindet. Sechs bis sieben REM-Phasen pro Nacht sind normal – nach überhöhtem Alkoholkonsum kommt der Schläfer dagegen nur ein bis zwei Mal in eine REM-Phasen. Hinzu kommt, dass Alkohol bekanntlich „treibt“: Wenn man häufiger pro Nacht zur Toilette gehen muss, wird man jedes Mal aus dem Schlaf gerissen. Die Folge: Am nächsten Morgen fühlt man sich „wie gerädert“, denn der Körper hat sich in der Nacht nicht ausreichend regeneriert.

Der Stresspegel steigt
Zu hoher Alkoholkonsum kann außerdem den Stresslevel am nächsten Tag in die Höhe treiben. Grund: Alkohol beeinträchtigt das Alltagsgedächtnis und verlangsamt das Denken. Die Anforderungen an die Leistung im Job oder in der Schule bleiben jedoch meist gleich, so dass es dann noch stressiger wird, sie zu erfüllen. Auch die allgemeine Anfälligkeit für Stress kann sich durch zu viel Alkohol erhöhen.
Bleibt im Limit!

Mehr zu den Risiken von Rauschtrinken findet ihr hier.
Auch interessant – die sieben Tipps, um im Limit zu bleiben.

Quellen:
http://www.drinkaware.co.uk/alcohol-and-you/health/hangover-symptoms
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0018350
http://www.themedguru.com/node/43217