Zum Hauptinhalt springen

Alkohol – schneller im Blut, als viele glauben


Grafische Darstellung eines Blutkreislaufs.

Lien hat in ihrem Blogbeitrag über die Erfahrungen eines Notfallarztes mit Alkoholvergiftungen berichtet. Seiner Meinung nach „überschätzen sich die meisten Jugendlichen und ehe sie sich versehen, haben sie zu viel intus“ – und landen dann bei ihm in der Notaufnahme. Im Jahr 2012 mussten allein 22.674 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren in einem Krankenhaus behandelt werden, weil sie deutlich zu viel getrunken haben. 

Dass viele (nicht nur Jugendliche) die Wirkung von Alkohol falsch einschätzen, hat vor allem zwei Gründe:

1. Die Geschwindigkeit, mit der der Alkohol in den Blutkreislauf des Körpers und damit in das Gehirn gelangt, wird unterschätzt. Und:

2. Das Tempo beim Alkoholabbau wird überschätzt

Mit anderen Worten: Alkohol wirkt schneller und länger, als viele denken.

Über den Blutkreislauf schnell im ganzen Körper

Alkohol besteht aus wasserlöslichen Molekülen, die in alle Gewebe des Körpers eindringen. Über den Blutkreislauf wird der Alkohol schnell im gesamten Körper verteilt und passiert dabei auch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke – auf diese Weise gelangt er in das Gehirn. Dort beeinflusst der Alkohol die Kommunikation der Nervenzellen untereinander und hemmt die Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeiten des Trinkenden. 

Leerer Magen und Kohlensäure beschleunigen die Alkoholaufnahme

Die höchste Alkoholkonzentration im Blut wird etwa 30 bis 60 Minuten nach Trinkbeginn erreicht, der Alkohol wirkt aber bereits früher. Wie schnell das geht, hängt unter anderem davon ab, wie voll der Magen ist. Denn Alkohol gelangt über die Schleimhäute von Magen und Darm in das Blut. Ist der Magen voll, verlangsamt sich die Aufnahme des Alkohols dadurch etwas. Wer schon einmal Alkohol auf leeren Magen getrunken hat, kennt das: In „Nullkommanichts“ kommt der Alkohol im Kopf an.

Kohlensäure im Getränk beschleunigt die Alkoholaufnahme ebenfalls, denn sie verstärkt die Durchblutung der Schleimhäute, die den Alkohol dadurch besser aufnehmen – und in die Blutbahn weiterleiten können.

Der Alkohol, der dann in den Blutkreislauf eintritt, erhöht in vielen Fällen eine bereits bestehende Alkoholkonzentration, die noch nicht abgebaut wurde. „Frischer Alkohol“ trifft also auf „alten“ Alkohol und erhöht den Promillewert. 

Alkohol bleibt ziemlich lange im Blut, denn der Körper benötigt eine ganze Zeit, um ihn abzubauen. Wie lange er dafür braucht und ob man diesen Prozess beschleunigen kann, erfahrt ihr im zweiten Teil der News.

 

Quelle:

http://www.wissenschaft-online.de

http://www.dhs.de

Singer und Teyssen (2005.) Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten. Grundlagen – Diagnostik – Therapie (Hrsg.: Singer MV, Teyssen S). Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag; zweite Auflage